Humorvolle Zukunftsvisionen Landfrauen seit 60 Jahren „mittendrin“ in Glandorf

Von Petra Ropers


Glandorf. Das Vereinsprogramm kommt statt auf dem Postweg über ein Transponder-Armband. Die Vorstandssitzungen laufen vollautomatisch protokolliert per Videokonferenz. Und zu den Veranstaltungen ersetzt eine Transportkapsel die umständliche Anfahrt: Die Zukunft der Glandorfer Landfrauen hält interessante Entwicklungen bereit.

„Aber vielleicht kommt alles auch ganz anders“, mutmaßte Vorstandsmitglied Heike Högemann. Zum Jubiläum des Ortsvereins gab sie im Saal Herbermann am Samstag einen humorvollen Ausblick auf die kommenden Jahrzehnte. Doch auch die Vergangenheit lohnte am Festtag einen genaueren Blick. Schließlich währt die Landfrauenarbeit in Glandorf schon 60 Jahre. Mit 32 Mitgliedern gründete sich im Jahre 1954 der Ortsverein, der bis 1972 unter dem Vorsitz von Regina Schräder stand.

Unter den Gründungsmitgliedern war auch Kunigunde Dallmöller. Bis heute blieb sie dem Landfrauenverein treu. Und auch den Besuch der Jubiläumsveranstaltung ließ sich die überzeugte Landfrau nicht nehmen. „Du hast erkannt, dass Frauen auf dem Lande eine Interessenvertretung brauchen“, dankte ihr die Vorsitzende Dorothea Schulze Mönking für ihren Mut und ihr Engagement bei der Vereinsgründung.

Dank und Anerkennung galten auch Anni Pues und Regina Hagedorn, die sich als Vorsitzende zusammen 30 Jahre lang für den Verein einsetzten. „Ohne moderne Kommunikation schafften es die Frauen schon, Netzwerke aufzubauen“, blickte Dorothea Schulze Mönking zur Begrüßung zurück auf die ersten Jahre.

Seither hat bei den Landfrauen nicht nur die Technik Einzug gehalten. Auch die Mode hat sich deutlich gewandelt. Zur Erinnerung an die 50er- und 60er-Jahre zauberte deshalb die karnevalsgestählte Gruppe „Fanta 7“ Schürze, Petticoat und Nachtjäckchen aus alten Kleidertruhen hervor.

Heute schafft ein Universalkleidungsstück endlich Platz in den Schränken. Denn was in den Gründungsjahren als lange Unterhose noch ihm vorbehalten war, feiert nun als Servierschürze. Bolerojäckchen oder Hochzeitsschleier sein Comeback. Ein Run auf den neuen Verkaufsschlager ist abzusehen. Schließlich konnten sich im Saal Herbermann fast 180 Frauen – und auch einige Männer – vom Lande von seiner vielseitigen Verwendbarkeit überzeugen.

Für sie alle plauderte als Stargast des Nachmittags Kabarettistin Kathrin Heinrichs aus dem privaten Nähkästchen: Ungeniert philosophierte sie über den Fußpilz der besten Freundin, die natürlichen Bedürfnisse des Hundes, der nun einmal nur in der Einfahrt des Nachbarn „kann“, und das Übergewicht des Gatten, das angesichts des neuesten Trends, die Asche Verstorbener zu Diamanten zu pressen, durchaus seine Vorteile hat. „Was Hemmschwellen betrifft, bin ich völlig barrierefrei“, räumt die Kabarettistin ein – sehr zum Vergnügen der Besucherinnen.

Unter ihnen war auch Bürgermeisterin Dr. Magdalene Heuvelmann. Sie überbrachte zum Jubiläum die Glückwünsche der Gemeinde und lobte die Landfrauen als Vermittlerinnen des Landlebens und des Alltags in der Landwirtschaft.

„Der Landfrauenverein ist mittendrin“, hob Agnes Witschen, Vorsitzende des Landfrauenverbandes Weser-Ems, angesichts des vielfältigen Engagements für die Frauen auf dem Lande hervor: „Der Landfrauenverein bietet die einzigartige Chance, ohne Vorbedingungen, großen finanziellen Aufwand oder Leistungsdruck einander kennenzulernen und Spaß zusammen zu haben.“ Und dazu lädt der Jubiläumsverein auch weiterhin herzlich ein.