Antonius Recker und das Museum Landwirtschaftliche Nostalgie in Glandorf

Von Carolin Hlawatsch


Glandorf. „Noch bis in die 60er-Jahre hinein wurde bei uns mit Pferden gepflügt“, erinnert sich Antonius Recker aus Glandorf. Die fortschreitende Mechanisierung in der Landwirtschaft sei aber schon Mitte der 50er-Jahre zu spüren gewesen und habe auf vielen Höfen dazu geführt, dass alte landwirtschaftliche Geräte nicht mehr gebraucht worden seien. Seit 2000 finden derartige Maschinen und Geräte eine neue Bestimmung: Im Glandorfer Museum des „Vereins zur Erhaltung historischer Landtechnik und ländlichen Brauchtums e.V. (VHLT)“ an der Sudendorfer Straße 7 stellen die Mitglieder mit dem Vorsitzenden Antonius Recker Trecker, Pflüge und andere alte Landtechnik aus.

Eine knarrende Holztreppe führt hinauf auf den Boden der Scheune auf dem Hof Recker im Glandorfer Ortsteil Sudendorf. Unter urigen Holzbalken treten Besucher ein in die Welt der Landwirtschaft aus der Zeit 1890 bis circa 1960. Bei vielen Gerätschaften kann man nur raten, wozu diese früher eingesetzt wurden. Gerne klärt das Museums-Team die Besucher auf. „Wissen Sie, was das sein könnte?“, fragt Antonius Recker und hält eine hufeisenförmige Holzplatte mit Lederüberzug hoch. „Das sind Holzschuhe für Pferde“, beantwortet er seine Frage selbst. Diese habe man damals den schweren Kaltblütern vor dem Pflügen unter die Hufe geschnallt, damit sie im Falle eines matschigen Ackers nicht einsinken.

Rund 300 Ausstellungsstücke in den Themenbereichen Ackervorbereitung, Kartoffeln, Getreide, Milch und Randbereiche der Landwirtschaft sind im Museum zu bestaunen. 200 Geräte lagern zusätzlich im Depot. Im Laufe der Jahre habe sich die Scheune seines Hofes immer weiter gefüllt, berichtet Antonius Recker, der inzwischen Angebote von Landwirten und Hofbesitzern aus ganz Deutschland bekommt. Sogar Geräte aus Polen, Ungarn und Österreich stehen im Glandorfer Museum. Den Anfang habe das Projekt 1992 genommen. „Der Beginn der Mechanisierung war rund 30 Jahre her, und wir dachten, es wäre doch schön, wenn wir die Maschinen aus der Nachkriegszeit noch mal einsetzen“, erinnert sich Recker. Auf seinem Hof, der seit über 400 Jahren in Familienbesitz ist und den er bis 2000 als Nebenerwerb bewirtschaftete, standen auch noch viele alte Geräte. So setzte er zusammen mit neun Freunden eine alte Dreschmaschine, Baujahr 1920, instand und feierte damit vor 22 Jahren ein historisches Dreschfest auf dem Hof. Die Präsentation der traditionellen Getreideernte und des Dreschens kam so gut an, dass die Gruppe nun zu Festen in der Region, wie dem Füchtorfer Spargelfest oder dem Allerheiligenmarkt in Sassenberg eingeladen wurde. Landwirte seien aufmerksam geworden. „Man hängt eben an den alten Geräten, die die Großeltern noch nutzten. Sie versprühen Nostalgie, und als Besitzer freut man sich, wenn die alte Grasmähmaschine und der Kartoffelroder noch einen Nutzen finden. So entstand nach und nach das Museum für historische Landwirtschaft“, blickt Antonius Recker zurück.

Sein persönliches Museumslieblingsstück sei ein Hanomag-Trecker aus dem Jahr 1952, der erste Trecker, den er gefahren sei und den der Verein anlässlich des 80. Geburtstags seines Vaters Anton Recker wieder in Schuss brachte. 150 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Auch Reckers Frau Annie wirkt ehrenamtlich mit und backt für Museumsgäste Brot und Kuchen im Backhaus aus dem 19. Jahrhundert. „Es hat ein paar Versuche gebraucht, bis das Backen auf historische Manier funktionierte“, so Antonius Recker. Der Bäcker Willi Maßmann aus Remsede, der noch mit einem Steinofen arbeitete, habe etwas Nachhilfe gegeben. Heute genießen Besucher die Backwaren unter anderem beim jährlichen Aktionstag des Vereins. Zum sechsten Mal findet am 10. Mai 2015 die norddeutsche Meisterschaft in historischer Landtechnik statt, alle zwei Jahre gibt es zudem ein großes Treckertreffen auf dem Hof Recker. Die Scheunentore zum Museum werden aber auch sonst gerne für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei, der VHLT freut sich über eine Spende. Anmeldung bei Antonius Recker, Tel. 05426/3207 oder info@historische-landtechnik.de.