Bilderrätsel gelöst Kortejohann-Gemälde: Heimatverein recherchiert

Von Achim Köpp

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Dissen. Es mag um das Jahr 1900 gewesen sein, als der Künstler das Portrait der alten Dame in Ölfarbe auf Leinen brachte. Das gerahmte, undatierte Bild in der Größe von etwa 80 mal 80 Zentimetern ohne Signatur gab jedoch Rätsel auf. Als Geschenk von Lieselotte Hölschermann, geborene Sandwisch, war es in den Besitz des örtlichen Heimatvereins gekommen und soll fortan das historische Heimathaus am Wendehammer der Rosinenstraße bereichern.

Doch wer ist die ältere Frau auf dem Bild, wer der Künstler, wann ist es entstanden, wie kam es nach Dissen? Alle diese Fragen ließen Rosemarie Rieke, die Vorsitzende des Heimatvereins, nicht ruhen. Einzig die Tatsache war bekannt, dass das Gemälde viele Jahrzehnte im Besitz der Familie Sandwisch gewesen war, wo es – wie auch später im Haus Hölschermann – nicht so recht zum Stil des vorhandenen Mobiliars passte und deshalb von der Wand genommen wurde.

An ein Detail jedoch erinnerte sich Lieselotte Hölschermann: Eine Tante ihres Vaters sei irgendwie mit einem Maler Kortejohann aus dem Heidland verwandt oder bekannt gewesen, von dem eventuall das Gemälde stammen könnte. Die Recherchen von Rosemarie Rieke ergaben dann, dass ein Franz Kortejohann im Haus Heidland 7 im Jahr 1864 geboren wurde und später als Kunstmaler und Kunsterzieher einen gewissen Bekanntheitsgrad weit über die Region hinaus erlangte.

Dort im Haus Heidland 7 stieß Rieke auf Liesel Lippold, geborene Kortejohann, die das einst bäuerliche Anwesen bewohnt. Sie ist die Enkeltochter des Bruders von Franz Kortejohann und im Besitz etlicher Gemälde des Malers, einer umfangreichen Fotosammlung sowie eines detaillierten Stammbaums der Familien. Darunter befindet sich eine Fotografie mit dem Konterfei einer älteren Frau, das original zu dem Gemälde passt, das sich nun im Heimatverein befindet.

Es zeigt die Mutter von Franz Kortejohann. Denn: Im Dielenbalken des Fachwerkgebäudes finden sich die Namen seiner Erbauer: „Heinrich Friderich Kortejohann und Frau Louise Henriette Wedekämper haben diesen Bau mit Gottes Hülfe den 31. July 1857 richten lassen durch Meister Willy Temme“. Geht man davon aus, dass das Paar damals um die 30 Jahre alt war und Franz Kortejohann im Jahr 1864 das Licht der Welt erblickte – also sieben Jahre später – dann handelt es sich bei Louise Henriette um seine Mutter, die um die Jahrhundertwende etwa 60 Jahre alt gewesen sein muss. Wahrscheinlich aus Platzgründen sind die Kinder der Hauserbauer, darunter also auch Franz, in der Ahnentafel leider nicht aufgeführt.

Franz Kortejohann fühlte sich schon in jungen Jahren zum Malen berufen, erhielt während seiner Zeit in der Volksschule in Dissen bereits Unterstützung durch seine Lehrer und bildete sich später autodidaktisch weiter. Ohne ein Studium des Lehramtes absolviert zu haben, ging er zwanzigjährig in den Schuldienst nach Melle, studierte später allerdings noch an der Kunstgewerbeschule und war danach beruflich für den gewerblichen Zeichenunterricht an Berufsschulen tätig.

37-jährig besuchte er die Kunstakademie in München, ging 1909 noch einmal zur Kunstakademie in Kassel, war als Kunsterzieher an der „Höheren Töchterschule“ in Osnabrück tätig und widmete sich ab 1920 ganz der künstlerischen Arbeit, die ihn in die deutschen Mittelgebirge, an die Ostseeküste, nach Tirol oder Italien führten. Stets blieb er jedoch ein treues Kind des Osnabrücker Landes, in dem er fest verwurzelt war. Er blieb ehelos und verstarb im Jahr 1936 im Alter von 72 Jahren in Osnabrück. Im Jahr 2014 wäre Franz Kortejohann 150 Jahre alt geworden.


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