Brötchen gab es zweimal die Woche Bäckerei-Konditorei Wolke seit 1914 in Schwege

Von Stefan Buchholz

Ein Jubiläumsbrot hat sich Bäckermeister Willi Wolke zum Hundertjährigen einfallen lassen. Foto: Stefan BuchholzEin Jubiläumsbrot hat sich Bäckermeister Willi Wolke zum Hundertjährigen einfallen lassen. Foto: Stefan Buchholz

Glandorf. Von der Bäckerei mit Kolonialwarenladen und Schankwirtschaft zum mittelständischen Unternehmen: In der Bäckerei Wolke blickt man in diesem Jahr auf 100 Jahre Backhandwerk zurück. Viel hat sich geändert, manches ist geblieben.

Wie beispielsweise die Lieferfahrten. „Mein Großvater brachte damals die Brote mit einem Pferdefuhrwerk unter die Leute“, erzählt Bäckermeister Willi Wolke. Das Ausliefergeschäft übernahm später auch Wolkes Vater. Er fuhr die zahlreichen Tante-Emma-Läden an, die es damals noch überall gab. „Heute beliefern unsere zwei Fahrer von der Hauptbäckerei in Schwege aus zehn Filialen im Umkreis von 20 Kilometern“, sagt Wolke.

Während Gründer Wilhelm Große Hartlage ein aus heutiger Sicht minimalistisches Sortiment aus Bauernstuten und Schwarzbrot verkaufte, gab es zu Zeiten von Wolkes Vater immerhin schon Brötchen. „Die wurden aber auch nur am Dienstag und Samstag gebacken und verkauft.“ Heute hat sich das Angebot vervielfacht: 30 verschiedene Brötchen, 50 Brotsorten und 100 Kuchen werden am Hauptstandort in Schwege hergestellt.

Kam der Großvater zunächst noch allein mit dem Arbeitspensum zurecht, stellte er nach und nach auch Bäckergesellen an. Dazu gehörte 1928 auch Wolkes Vater. Er heiratete später eine Tochter seines Chefs und übernahm unter dem Namen Wolke die Bäckerei des Schwiegervaters.

Erster Lehrling 1972

Willi Wolke junior stellte nach der Ausbildung zum Bäcker und Konditor sowie der Meisterprüfung den ersten Lehrling ein: Martin Ahmann begann 1972 – und blieb im Betrieb. Heute hat er die Backstubenleitung inne.

Hatte Wolkes Vater nach der Rückkehr aus dem Krieg die Bäckerei noch um ein größeres Ladenlokal und eine Gastwirtschaft erweitert, verfolgte sein Sohn nach der Übernahme des Geschäftes 1980 einen anderen Plan. Er schloss die Kneipe und setzte auf eine zunehmende Filialisierung. Das erforderte den Ausbau der Backstube und nach und nach die Einstellung mehrerer Gesellen, Verkäuferinnen und Auszubildender. Derzeit hat Wolke knapp 100 Leute auf der Lohnliste. „Wir sind mittlerweile ein mittelständisches Unternehmen“, sagt der Bäckermeister.

Mit dabei ist seit zehn Jahren Tochter Michaela. Sie lernte Konditorin in Münster – zufälligerweise im gleichen Betrieb wie ihr Vater. „Anschließend bin ich aber nicht gleich nach Schwege zurück, sondern habe jahrelang in namhaften deutschen Unternehmen gearbeitet“, erzählt die 42-Jährige.

Ihr Know-how in Sachen verführerisches Süßes hat die Produktpalette auch um mehr Individualität erweitert. „Bei uns kann man eine Torte nach eigenen Vorstellungen kreieren lassen“, berichtet sie aus der Praxis.

Beim Blick in die Zukunft ist beiden nicht bang. „Es hat zu Zeiten meines Vaters schon Krisen gegeben und wir haben seit zehn Jahren schon die Discountbäcker hinter uns gelassen“, sagt Wolke gelassen. „Entscheidend ist Frische und Qualität der Waren und die Flexibilität, auf Kundenwünsche einzugehen.“

Bei ihrer offiziellen Feier im September mit Festzelt und Hunderten von Gästen baten die Wolkes, statt Geschenken, Geldspenden auf ein Konto der Gemeinde einzuzahlen. „Damit soll ein Projekt unterstützt werden, dass sie derzeit nicht finanzieren kann“, erklärte Wolke. Über 6000 Euro kamen zusammen, die nun zur Restaurierung des historischen Schweger Dorfplatzes verwendet werden.