Glandorfs Bürgermeister geht in Ruhestand Die Ära Strauch: Kinder, Kreisel, Klärschlamm

Von Anne Spielmeyer


Glandorf. Vieles hätte sich Franz-Josef Strauch während seiner Lehre zum Fernmeldetechniker erträumt, das aber nicht: den Einzug ins Rathaus. Ohne Gehversuche in Rat und Verwaltung marschierte er 2006 einfach durch und wurde Bürgermeister von Glandorf. Jetzt geht er in Ruhestand: „Eine Bürgermeisterzeit im Zeitraffer“, sagt er über acht prägende Jahre.

Erste Tage bleiben – zumindest im Gedächtnis. „Morgens bin ich mit einem Blumenstrauß zum 90. Geburtstag gegangen, nachmittags hatte ich einen Termin zur Klärschlamm-Verordnung“, erzählt Strauch vom Auftakt im Rathaus, der ihn ahnen ließ, wie blumig und moderig zugleich die neue Aufgabe werden könnte.

Am 10. September 2006 hatte Strauch mit einem Wahlergebnis von 55 Prozent für eine kleine Sensation in der schwarzen CDU-Bastion Glandorf gesorgt. Er ist nicht nur der erste unabhängige Bürgermeister, sondern nach der Doppelspitze von Gemeindedirektor und Bürgermeister auch der erste, der sowohl repräsentieren als auch die Verwaltung führen muss. „Ich bin Dienstleister der Bürger“, interpretierte der heute 59-Jährige seine Rolle. Menschenfreund.

Einer, der sich in der Verwaltung als „ältester Lehrling“ vorstellte, „ahnungslos“ mitreden und „Optimismus“ verbreiten konnte, erzählt er von seinem anfänglichem Glanz ohne Schimmer. „Der Bürgermeister bekommt viel Anerkennung, die Kollegen im Rat oft nicht.“ Dabei haben sie gemeinsam den großen Kreisel zu Ende gebracht oder die erste Krippe gebaut. „Es kommt noch so weit, dass der Bürgermeister Kinderbetten aufstellt“, habe er zu Beginn gescherzt. Jahre später hat er es gemacht – in der Kinderstube am Sandknapp , die sehr umstritten war. „Mir war es immer wichtig, dass wir uns nach einer Debatte in die Augen gucken und ein Bier trinken können.“

Und so konnten viele Projekte realisiert werden, ohne am Klima zu scheitern – das Familienservicebüro, der Umbau der Ludwig-Windthorst-Schule , die Zisterne , das Gewerbegebiet „Am Timpen“ , der Solarpark oder das Feuerwehrgerätehaus .

„Tolle Begegnungen“ fielen in diese Zeit. Strauch denkt dabei zuerst an die Bürger Glandorfs, auch an den Landkreis als „großen Bruder“, an Drago Jurak – „das war mein Freak“ – und an Promis wie Bischof Bode, Micky Krause, Christian Wulff und Königin Silvia. „Tolle Frau“, sagt Strauch, der jeden Feldweg in Schweden mit dem Wohnmobil abgefahren ist. Nicht aber so toll wie seine Margret, die ihn nicht nur stets unterstützt, sondern auch das ein oder andere Mal vorm Versacken bewahrt habe.

Strauch hatte sich im Mai nicht zur Wahl aufstellen lassen, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Jetzt verriet er, was er künftig macht: „Ich arbeite für die Firma Desda, mit Heimarbeitsplatz“, sagte er. „Heute mach ich des da, morgen mach ich des da.“ Zeit für Familie, Fußball und Fotografie dürften er dort haben, „wenn der Chef nicht zu streng ist“, sagt er grinsend.