Bauausschuss gegen Flachdächer Keine „Heringsdosen“ in Schwege

Von Anne Spielmeyer


Glandorf. Wie viel gestalterische Freiheit verträgt ein Baugebiet? Diese Frage, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Modernität, war am Dienstag im Ortsrat Schwege aufgekommen. Der Glandorfer Planungsausschuss diskutierte die Anregung am Mittwoch mit Blick auf das geplante Baugebiet „Hauptstraße/Up de Haar“ in Schwege. Am Ende sprachen sich die Mitglieder aber einstimmig für den Bebauungsplan mit klassischen Dächern aus.

Zeige mir dein Dach, und ich sage dir, wer du bist. An Dächern können sich nicht nur die Geister scheiden, an Dächern kann sich auch die Frage entzünden, wie modern, bunt oder beliebig ein Ort daherkommen möchte. „Warum können wir nicht auch Flachdächer zulassen? Es gibt tolle moderne Bungalows“, regte ein Ortsratsmitglied in Schwege an. „Wenn eine Gemeinde keine Dachtypen vorgibt, dann gibt sie die Planung aus der Hand. Rein theoretisch kann dann alles kommen. Nicht immer zur Freude aller“, sagte Bauplaner Lehmann vom Ingenieurbüro Tovar und Partner. Im ländlichen Bereich seien spitze Dächer eher üblich, Flachdächer finde man im urbanen Raum. „Wie soll Neues kommen, wenn wir nicht anfangen, es zu wagen?“, fragte ein Schweger weiter, und so sprach sich der Ortsrat am Ende für komplette Wahlfreiheit aus.

Der Bauausschuss dagegen kam einstimmig zu dem Ergebnis, auch im neuen Gebiet in Schwege die Sattel-, Walm- und Zeltdächer vorzugeben. Sie sind auch für die anderen Glandorfer Baugebiete „Holunderweg“ und „Am Wipsenbach“ festgeschrieben. „Unser Ziel ist ein stimmiges Ortsbild“, erinnerte Bürgermeister Franz-Josef Strauch. „Ich halte es für keine besonders gute Idee, Heringsdosen mit einem Flachdach zuzulassen“, bezog er klar Stellung. Andere Ausschussmitglieder pflichteten ihm bei. Ein entscheidendes Argument lieferte auch Bauausschuss-Vorsitzender Josef Wulfert (CDU), der auf Nachfrage bestätigte, dass der Wunsch, anders zu bauen, weder beim ersten Treffen noch bei der Bürgerbeteiligung aus den Reihen der Bauwilligen gekommen sein.

Und so sollen, im günstigsten Fall schon ab Herbst 2015, da, wo jetzt Maisfelder hinter dem Gebäude der freiwilligen Feuerwehr stehen, zehn klassische Einzelhäuser gebaut werden – auf Grundstücken zwischen 541 und 831 Quadratmetern mit bis zu 9,50 Meter Firsthöhe. „In diesem Baugebiet ist kein Regenrückhaltebecken notwendig, Regenwasser kann auf den Grundstücken versickern“, erklärte Planer Lehmann. Bauherren können sich den Regenwasseranschluss also sparen. Das Straßenwasser könne über das System im Lerchenweg abgeleitet werden. „Die Höhen passen“, ergänzte Bauamtsleiter Torsten Dimek.

Besonderes Augenmerk wurde auf den Naturschutz gelegt. Ein Teil der Kompensationsflächen liegt im Plangebiet. Drei Meter breite Streifen sollen in den drei größten Grundstücken von den Eigentümern bepflanzt werden – „mit Schlehe, Hainbuche, Hasel oder Weißdorn“, zählt Lehmann Beispiele heimischer Pflanzen auf, die etwa von Vögeln genutzt würden.

Neben den Grundstücken für die Häuslebauer bleiben 1000 Quadratmeter Erweiterungsfläche für die Feuerwehr, auf der nun auch ein Anbau realisiert werden könnte. Unter den Einwendungen der Träger öffentlicher Belange seien keine bedenklichen Hinweise, so Planer und Verwaltung. Die Feuerwehr habe schon ideale Plätze für mögliche Hydranten im neuen Baugebiet angeregt. „So weit sind wir in der Feinplanung noch nicht“, sagte Lehmann. „Die Hinweise nehme ich aber dankbar an.“