Großer Andrang beim Aktionstag Glandorf: Kartoffelernte wie zu Opas Zeiten

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Glandorf. Das Thema Kartoffelernte stand am Sonntag im Mittelpunkt des Aktionstages des Vereins zur Erhaltung Historischer Landtechnik (VHLT) auf dem Hof Recker. Hunderte von Gästen säumten den Rand des kleinen Ackers, auf dem Mitglieder des Vereins die historischen Erntegeräte demonstrierten.

Wer vor 60 Jahren ein Feld bearbeiten wollte, der brauchte vor allem eines: viel Zeit. Die ersten Pflüge, die nicht mehr von Pferden sondern von Traktoren gezogen wurden, bearbeiteten gerade mal einen 50 Zentimeter breiten Ackerstreifen. Einer der ersten Pflüge waren die sogenannten Kettenjungen. Sie mussten nach jeder Feldüberfahrt für den Rückweg umgehängt werden. Dafür waren meist die Kinder eines Hofes zuständig. Nach diesen „Kettenjungen“ ist der Pflug benannt.

Weiterhin konnten die Gäste, Beetpfüge, Winkeldrehpflüge und Volldrehpflüge bei der Arbeit beobachten, die die Weiterentwicklung der Landtechnik anschaulich machten. Interessant war auch, dem Schleudcerroder bei der Kartoffelernte zuzusehen. Der Schleuderstern des Roders schaufelte die Kartoffeln aus der Erde und warf sie hoch in die Luft. Eine staubige Angelegenheit vor allem bei trockenem Boden, denn das Erdreich wurde ebenfalls mächtig aufgewirbelt. Der Siebkettenroder mit dem Namen „Wühlmaus“ hingegen hob einen oder auch mehrere Kartoffeldämme komplett mittels einer waagrechten Schar auf ein Sieb. Darin wurde die Erde abgesiebt und die Kartoffeln blieben in einer Reihe hinter der Maschine liegen.

Fasziniert waren die Gäste auch von dem kleinen Schlüter-Trecker, der fahrerlos als Model über den Acker tuckerte und eine Egge hinter sich herzog. Hans-Jürgen Wessels aus der Grafschaft Bentheim hat das ferngesteuerte Modell im Maßstab 1:1,8 gebaut und gilt als der Modellbauer, der die weltweit größten Modelle baut. Lkw, Radlader, Bagger oder auch Schlepper hat er originalgetreu nachgebaut. „Mit Legosteinen hat alles angefangen“, erklärte er, dass Modellbau schon seit Kindesbeinen an sein Steckenpferd ist.

Auf dem Gelände des Hofes Recker konnten die Gäste wie in jedem Jahr das Dreschen von Korn mittels eines alten Dreschkastens beobachten. Auch das Verladen von Langholz mit dem „Rick-Rack“ wurde gezeigt. Die Vorrichtung erhielt die Bezeichnung aufgrund des Geräusches, was sie bei der Arbeit von sich gibt. Ein Hufschmied, ein Holzschuhmacher, Spinnerinnen, Ein Korbflechter und ein Seiler zeigten ebenfalls ihre Handwerkskünste. Christoph Stork demonstrierte eine 100 Jahren alte Bandsäge, die einst in einer Holzschuhwerkstatt gestanden hatte.

Zum kulinarischen Angebot gehörten dem Thema entsprechend Kartoffelpuffer mit Schwarzbrot oder Apfelmus und Backkartoffeln mit Kräuterquark. Zur Unterhaltung der Gäste trugen unter anderem die Kappelle „Eckpoahl“ und der Volkstanzkreis Bad Laer bei. Eine Premiere zeigten die Mitglieder des VHLT gegen Ende des Aktionstages. Unter dem Motto „der mit dem lanz tanzt“ zeigten sechs Männer auf Traktoren einen Treckertanz. Die Choreografie, die sie eingeübt hatten, erinnerte ein wenig an Pferdequadrillen. Die Figuren wurden allerdings von vier Rädern statt vier Hufen ausgeführt.

Wer mochte, konnte sich auch selbst auf einen der alten Schlepper setzen und auf einem eigens dafür abgezäunten Gelände Treckerfahren. Bei Planwagenfahrten konnten sich die Gäste mit historischen Traktoren durch die Umgebung kutschieren lassen.


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