Renaturierung der Bever Glandorf: Wer kümmert sich um den Grenzfluss?



Glandorf. Wenn jetzt Bagger durch die Bever ziehen, dann soll nichts kaputt gemacht werden. Im Gegenteil. Es soll genau das annähernd wiederhergestellt werden, was in den 70er Jahren zerstört wurde: Der natürliche Lauf des Flusses. Die niedersächsische Seite investiert 283000 Euro in die Renaturierung, die nordrhein-westfälischen Nachbarn zahlen nichts. Von den Untiefen eines Grenzflusses.

Die Bever kann was. Sie trennt den Kreis Warendorf strikt vom Landkreis Osnabrück, zumindest an Land. Im Wasser dagegen verschwimmen die Grenzen. Fischerei- und Jagdrecht treffen sich irgendwo in der Mitte des Flusses. Nicht immer ist auszumachen, ob der gefangene Aal oder die geschossene Ente nun den Niedersachsen oder doch eher den Nordrhein-Westfalen gehört.

Umso erstaunlicher, dass für die Finanzierung der naturnahen Umgestaltung des Flusses eine klare Grenze gezogen werden konnte: Die hiesige Seite zahlt, die nordrhein-westfälische nicht, lautet das trennscharfe Modell. Der Landkreis Osnabrück fördert die Renaturierung mit 110000 Euro, die Gemeinde Glandorf mit 90000 Euro und die Bingo-Umweltstiftung legt noch einmal 83000 Euro drauf. Sprich: 283000 Euro fließen in das Naturschutz-Projekt, das der Unterhaltungsverband Hase-Bever umsetzt.

„Wir hätten die Nachbarn gern für die Finanzierung mit ins Boot geholt, aber sie haben keinen Förderantrag gestellt“, heißt es vom Landkreis Osnabrück. Der Wasser- und Bodenverband Sassenberg-Füchtorf bestätigt, dass keine Gelder für den Grenzfluss beantragt wurden. Warum nicht? „Eine gemeinsame Maßnahme ist sehr kompliziert. Da müssen Staatsverträge zwischen Düsseldorf und Hannover geschlossen werden“, erklärt Verbands-Geschäftsführer Theo Schlotmann den natürlichen Wahnsinn für den Fisch, den sein niedersächsischer Kollege Ulrich Schierhold, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Hase-Bever, bestätigt. „Grenzgewässer können unglaublich kompliziert werden.“ Und so ziehen die Nordrhein-Westfalen ihren Fuß aus dem Grenzbereich und wollen sich um einen rein nordrhein-westfälischen Abschnitt der Bever kümmern. 350000 Euro seien da für die naturnahe Umgestaltung im Wasser- und Böschungsbereich veranschlagt, so Schlotmann. „Inhaltlich unterstützen wir das Projekt im Grenzbereich voll und ganz“, betont Kreisoberbaudirektor Carsten Rehers vom Kreis Warendorf. Inhaltlich sicher, finanziell jedoch mit keinem Cent. Unterhaltungsverband und Naturfreunde sind erleichtert, dass das Projekt dank Stiftungs- und Fördergeldern auch ohne Nachbarschaftshilfe umgesetzt werden kann.

Denn angestoßen wurde die Renaturierung auf Glandorfer Seite bereits 2008 von Alfons Heuger, Vorsitzender der Naturfreunde Glandorf und Renaturierungs-Pionier der ersten Stunde. „Wir wollen die Durchgängigkeit im Gewässer wiederherstellen. Fische sollen stromauf- und abwärts schwimmen können“, erklärt er und weist auch auf die Wasserrahmenrichtlinie der EU hin, die einen „guten ökologischen Zustand“ für natürliche Gewässer fordert. Die Kommune Glandorf, sieht in der Investition, die per Ratsbeschluss abgesegnet wurde, eine win-win-Situation: „Wir investieren in die Natur und bekommen Kompensationspunkte“, sagt Bauamtsleiter Torsten Dimek. 22500 Ökopunkte bringt die Investition der Gemeinde in Glandorfs Flussleben auf 2, 7 Kilometern.

Der Fischbestand und alle kleinsten Krabbeltierchen im Gewässer sollen sich erholen und frei schwimmen können. Derzeit werden sie häufig noch durch unüberwindbare Schwellen ausgebremst. „Wir geben der Bever etwas zurück“, erklärt Bauleiter Werner Fricke vom Unterhaltungsverband Hase-Bever. Die Bagger tragen die großen Stufen im Wasser ab, verteilen Störsteine und kleine Kiesel im Fluss. Totholz wie Baumstämme oder Wurzelwerk sollen in den kommenden Tagen ebenfalls eingebaut werden. Denn wenn die Bever sich in Kurven winde, könne mehr Sauerstoff ins Wasser eingetragen werden. „Die Lebewesen profitieren davon“, erklärt Fricke. Bestände können sich erholen – auch in den Altarmen der Bever. Die erste Phase erstreckt sich auf die Monate Juni und Juli, im Oktober steht dann der letzte Abschnitt im Bereich des Hofes Horstmann an. Schließlich muss das Team vom Unterhaltungsverband Hase-Bever einiges im Blick behalten, denn die Landwirtschaft grenzt direkt an den Fluss: „Heuen, Fruchtfolge, Swinggolf-Saison“, nennt Fricke Beispiele, die bei aller künstlichen Natürlichkeit bedacht werden müssen.


Wasserrahmenrichtlinie EU: Die EG-Wasserrahmenrichtlinie hat bereits im Jahr 2000 eine Vielzahl von Einzelrichtlinien abgelöst und liefert seitdem den rechtlichen Rahmen für eine einheitliche, umweltverträgliche Wasserpolitik innerhalb der EU. Das Hauptziel mit der Zeitvorgabe 2015 ist laut NABU das Erreichen des guten ökologischen und chemischen Zustandes aller natürlichen Oberflächengewässer. Aber auch künstliche oder erheblich veränderte Gewässer sollen laut Richtlinie „gutes ökologisches Potenzial“ und einen „guten chemischen Zustand“ erreichen. Diese Richtlinie gibt in vielen Kommunen den Anstoß für die Renaturierung begradigter Flüsse – so auch an der Bever.

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