Bürgermeisterwahl 2014 Hausbesuch bei Magdalene Heuvelmann in Glandorf

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Ein Blick ins Bücherregal: Magdalene Heuvelmann, unabhängige Bürgermeisterkandidatin für Glandorf, interessiert sich für Biografien und Fachliteratur – aber auch für Krimis und „Pettersson und Findus“.  Foto: Anne SpielmeyerEin Blick ins Bücherregal: Magdalene Heuvelmann, unabhängige Bürgermeisterkandidatin für Glandorf, interessiert sich für Biografien und Fachliteratur – aber auch für Krimis und „Pettersson und Findus“. Foto: Anne Spielmeyer

Glandorf. Wie sind sie denn so privat, die drei Bürgermeisterkandidaten für Glandorf – Elke Fox (CDU), Magdalene Heuvelmann (unabhängig) und Stefan Jürgens (unabhängig)? Wir haben ins Bücherregal, in den Garten und hinter die Kulissen geblickt. Teil 1: Hausbesuch bei Magdalene Heuvelmann.

Wer Magdalene Heuvelmann besuchen will, der muss sich so lange durchs Nichts navigieren, bis an der Hauptstraße in Schwege ein rotes Backsteingebäude mit grünem Scheunentor auftaucht. Hier lebt die promovierte Historikerin mit ihrem Sohn Sebastian (19). Sollte sie die neue Bürgermeisterin werden, werden die Glandorfer besser als bisher von der Gemeinde über die wichtigen Themen vor Ort informiert, lautet eines ihrer Wahlversprechen. Auch im Privaten ist sie nicht zimperlich: „Transparenz ist mir ja wichtig“, sagt sie und öffnet die Tür.

Besonders stolz ist die 54-Jährige aufs Gästezimmer, das sie selbst renoviert hat. „Mein Bruder hat mir dafür die Meistermedaille verliehen“, sagt sie. Und der muss es wissen, schließlich ist er vom Fach. „Ich mache viel selbst“, erzählt Heuvelmann und widerlegt mit der renovierten Zimmerdecke, Lackierungen und Selbstgenähtem das Klischee einer verkopften Theoretikerin. „Ich könnte auch puzzeln, statt zu nähen, aber ein Puzzle kann ich nicht anziehen.“

Frau Doktor ist praktisch veranlagt. Als fünftes von zehn Kindern hat sie früh gelernt, sich durchzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Als Jugendliche wurde sie Pfarrleiterin, engagierte sich später im Studium in der Wohnungs-und Verkehrspolitik und beim kommunalpolitischen Frauenforum in Münster. Seit 2009 ist sie Vorsitzende des Vereins KidMs, des Adoptiv- und Pflegefamilienkreises in Heiden. „Ich will nicht getrieben werden“, betont sie und: „Ich habe meine Meinung.“ Während Elke Fox für die CDU kandidiert und Stefan Jürgens zumindest von der UWG unterstützt wird, hat Heuvelmann sich allein auf den Weg zum Bürgermeisteramt gemacht.

Wobei – so ganz stimmt das nicht. Denn wer meint, jemand mit neun Geschwistern mache sich allein auf den Weg, unterschätzt den Clan. „Ich habe Helfer“, sagt Heuvelmann. Und so gibt es einen Bruder, der sich beim Bürger-Gespräch ans Piano schwingt, einen, der mit ihr vor allen anderen Kandidaten die Laternen erklommen hat, um Wahlplakate aufzuhängen, und den, der ihr schon jetzt die „Meistermedaille“ verliehen hat.

Die größte Hürde aber muss sie selbst nehmen: persönliche Bekanntheit vor Ort. Heuvelmann ist zwar Mitglied im Schützenverein, lebt ansonsten aber zurückgezogen. In den vergangenen Wochen ist sie offensiv auf die Glandorfer zugegangen. „Ich interessiere mich für ihre Anliegen“, sagt sie und wird konkret: für die Windkraft-Debatte, in der sie selbst eine Stellungnahme abgegeben habe, für den Ortskern, der mit den Bürgern verschönert werden sollte – nicht ohne sie, für die Gesundheitsversorgung auf dem Land, bei der eine Gemeindeschwester eine Lösung sein könnte. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich dazu Broschüren, Artikel, Statistiken.

Das Bücherregal: Regal ist nicht gleich Regal. Im Arbeitszimmer stehen Ulrike Meinhof und Papst Pius XII. Rücken an Rücken. Auch Heuvelmanns selbst verfasste Bücher wie „Frauenleben in Münster“ (1991) haben hier Platz gefunden. Sie studierte Geschichte, Pädagogik und Soziologie bis zur Promotion, gründete 1999 das Büro „Tradition hat Zukunft“. Gerade wagt sie sich mit einem Kollegen erstmals an Belletristik. Sie arbeiten an einem Krimi über die Tötungsanstalt Pirna. „Wir müssen überlegen, wie wir Geschichte künftig spannend vermitteln können“, sagt sie. Die berufliche Lektüre ist bei ihr klar von den Freizeitschmökern getrennt. In Kaminnähe stehen Krimis und alle Asterix-Bände.

Garten und Garage: Was im Haus mit selbst gemachten Gips-Bildern anfängt, setzt sich im Garten mit einer Schaufensterpuppe, die im Boden abtaucht, fort. In der Garage wartet neben Setzlingen und Grill ein altes Tandem auf seinen Einsatz. „Ich fahre gern Rad“, sagt Heuvelmann. „Momentan bin ich mit dem Elektrorad unterwegs“, gesteht sie. Mit einer extra Portion Rückenwind also. Nicht ohne Grund: „Ich will frisch sein für Glandorf.“


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