Spuren des 30-jährigen Kriegs Glandorfer Heimatverein bringt Schwedenchronik als Hörbuch heraus

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Glandorf. 300 Jahre lang haben die Glandorfer die Geschichte der Besetzung der Iburg durch die Schweden und die damit zusammenhängende Zerstörung ihres Ortes weitergetragen. Pastor Bernhard Köster, gestorben 1944, hat sie im Jahr 1926 unter dem Titel „Schwedenchronik“ aufgeschrieben. Nun hat der Heimatverein Kultour-Gut sie als Hörbuch herausgegeben.

1636 wurde Glandorf aufgrund vieler Truppendurchzüge nahezu völlig ausgepresst. „Die Schweden hielten damals die Iburg besetzt und haben die Landbevölkerung geplündert“, erzählt der Heimatvereinsvorsitzende Frank Niermann von dem Inhalt der Schwedenchronik. Der Bürgerschulte Schultewerth, eine Art Dorfvorsteher, habe sich gegen die Machenschaften der Schweden aufgelehnt, und als Rache folterte man ihn zu Tode, kreuzigte seine älteste Tochter an einer Eiche und erstickte seine jüngere Tochter in einem Rauchabzug. Den Ort Glandorf setzten die Schweden in Brand, und auch die Kirche wurde nicht verschont.

Pastor Bernhard Köster hat die Schwedenchronik 1926 aufgeschrieben und als Buch herausgebracht. Zwei originale Exemplare befinden sich im Besitz des Heimatvereins. „Martin Bäumer hat das Buch in den 1980er-Jahren neu aufgelegt“, berichtet Frank Niermann. Seines Wissens nach in einer Auflage von 500 Stück. Nun ist es als Hörbuch erschienen, gelesen von Beate Krützkamp, Schauspielerin und Sprachgestalterin in Berlin. Sie ist die Schwester des Glandorfers Karl-Heinz Krützkamp.

Es war dem Heimatverein aber nicht genug, die alte Geschichte als Hörbuch zu veröffentlichen. Federführend Frank Niermann und Karl-Heinz Krützkamp machten sich auf „Spurensuche“ in Glandorf. Sie wollten Hinweise finden, die die alte Geschichte bestätigen. „Denn es handelt sich tatsächlich um eine rein mündliche Überlieferung“, so Niermann. Schriftliche Urkunden aus dieser Zeit gibt es nicht.

Fündig wurden die Geschichtsforscher tatsächlich, und zwar in der Glandorfer Kirche. Dort gibt es einen Nebeneingang, die sogenannte „Brauttür“. Über ihr prangt ein Sandsteinsturz mit einer Inschrift. „Dort steht, dass die Kirche am 5. Tag des Monats Mai im Jahr 1636 elendigst niedergebrannt wurde“, berichtet Frank Niermann.

Im Kirchturm selbst hängt die Schwedenglocke aus dem Jahr 1666. Auch ihre Inschrift weist auf den Brand 1636 hin: „Stimme des Wortes werde ich genannt. Zu Unrecht wurde ich durch Feuer zerschmolzen …“

Und schließlich gibt es in Glandorf auch noch die Schwedenstraße. Sie führt von der Kirche aus zum ehemaligen Gehöft Schultewerth. An der Stelle, an der die alte Eiche stand, findet sich heute ein Kreuz – das sogenannte Schwedenkreuz. „Und doch sind das alles nur Indizien für das Ereignis im Jahr 1636“, so Frank Niermann. Und er fragt sich, woher Pastor Köster seine Informationen hatte. Einzig Dokumente der Besetzung der Iburg sind in Archiven zu finden. Die Antwort gibt Köster in seiner Schwedenchronik selbst. Es war tatsächlich der Volksmund, der die Geschehnisse im Gedächtnis der Bevölkerung bewahrt hat.

Wer das Hörbuch des Heimatvereins kauft, das seit Kurzem in den Glandorfer Geschäften zu haben ist, der bekommt neben den beiden CDs mit der Schwedenchronik auch ein ausführliches Booklet, in dem der Heimatverein seine Recherchen und die Hintergründe der Geschichte niedergeschrieben hat.

Das Booklet ist mit Fotos und Karten bebildert. Auch ein Foto des ehemaligen Pastors und ein Gedicht über das Schwedendrama von Franz Ossege sind dort abgebildet. Auf einer weiteren CD sind verschiedene Sagen über Glandorf und seine Bewohner festgehalten, erzählt von der Glandorferin Jessica Maag.


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