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Historischer Kotten vernichtet Mieter weiß noch nichts von Brand auf Rittergut Oedingberge

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Glandorf. Franz-Josef Drolshagen-Engelen stand auch am Donnerstagvormittag noch unter Schock. Als die Feuerwehr nachts um 4.30 Uhr laut an seine Haustür gepoltert hatte, schlief der Schweger tief und fest. Dass die Flammen schon meterhoch aus dem alten Kotten seines Ritterguts Oedingberge loderten, hatten er und die anderen Bewohner gar nicht bemerkt.

Aus dem Tiefschlaf gerissen, musste er mit ansehen, wie das Haus trotz des schnellen Eintreffens der Feuerwehren Schwege und Glandorf niederbrannte. „Das ging so schnell, dass wir kaum noch etwas bewirken konnten“, wie Hans-Rüdiger Rocholl von der Schweger Wehr berichtet. Auch die Stromversorgung des Gutes hat das Feuer ausgeschaltet.

Doch so schlimm der Brand auch ist, so traurig das Bild der Trümmer bei Tageslicht – kein Mensch wurde verletzt, keiner getötet. Denn der Mieter einer Wohnung in dem Fachwerkhaus verbringt den Winter in Australien. Dort hat es ihn ausgerechnet in die überflutete Region um Brisbane verschlagen. Dass sein Zuhause in Schutt und Asche liegt, weiß der Urlauber noch nicht. Niemand auf Gut Oedingberge hat seine Telefonnummer.

Besitzer Franz-Josef Drolshagen und sein Mieter Jörg-Uwe Niemann stehen fassungslos vor den Trümmern, als die Brandermittler am späten Vormittag zur Begutachtung der Ruine eintreffen. Der Auftrag der Experten an die Feuerwehrleute ist eindeutig: Glimmende Glutnester im Haus können von außen und mit gebührendem Abstand weiter gelöscht werden, das Gebäude darf aber auf keinen Fall betreten werden. Zu groß ist die Einsturzgefahr von Wänden und Schornsteinen. Geschätzte Schadenshöhe: mindestens 100000 Euro. Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung gebe es jedoch nicht.

Noch immer harrt die Feuerwehr Schwege vor Ort aus und leistet die Brandwache. Vermutlich hatte ein Nachbar die Flammen vor dem Nachthimmel entdeckt und die Feuerwehr über die 112 benachrichtigt. Immer wieder zeigen sich rot glühende Flecken unter Backsteinen und Asche – trotz des prasselnden Dauerregens. Die Hitze über dem Haus lässt die Tropfen einfach verdampfen. Eine dicke Rauchwolke steht über den Resten der verkohlten Dachsparren.

Wie alt das historische Haus mit seinen zwei Wohnungen und der Werkstatt ist, zeigt sich jetzt an seinem offenliegenden Innenleben: Die Wände bestehen aus Schilf und Lehm, die Fachwerkfächer der Fassade sind kunstvoll aus Weide geflochten und verputzt worden. Aus welchem Jahrhundert der Kotten stammt, weiß auch Franz-Josef Drolshagen nicht genau. „Er war einfach schon seit Generationen da.“ Die benachbarte Wassermühle wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut, wie Bewohner Jörg-Uwe Niemann erzählt. Die Ursprünge des ehemaligen Rittergutes sind erheblich älter.

Jetzt wird auch der Brand vom 13. Januar 2011 in die Annalen von Oedingberge eingehen – als trauriges Kapitel.


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