70 Jahre Theater in Glandorf Jubiläumsparty mit Krimi up Platt

70 Jahre plattdeutsches Theater in Glandorf: Die KLJB Glandorf feierte das Jubiläum mit der Krimikomödie "Draimol daut höllt länger" zusammen mit Freunden und ehemaligen Mitspielern. Foto: Susanne Pohlmann70 Jahre plattdeutsches Theater in Glandorf: Die KLJB Glandorf feierte das Jubiläum mit der Krimikomödie "Draimol daut höllt länger" zusammen mit Freunden und ehemaligen Mitspielern. Foto: Susanne Pohlmann

Glandorf. Seit 70 Jahren halten junge Glandorfer die Fahne der plattdeutschen Sprache mit ihrem Theater hoch. Jetzt wurde gefeiert.

In Glandorf sprechen und verstehen auch noch viele junge Leute die plattdeutsche Sprache, die vielerorts schon in Vergessenheit geraten ist. Zu verdanken ist das auch dem Engagement einiger Mitglieder der Katholischen Landjugend (KLJB), die mit ihrer Theatergruppe jedes Jahr ein Stück up Platt auf die Bretter des Saals Herbermann bringen. 

Den Anfang hatten vor 70 Jahren im Jahr 1949 einige Mitglieder des Junglandwirtevereins Glandorf gemacht und schon damals lud man das Publikum in den Saal der Gaststätte Herbermann ein. Und einer dieser legendären Theaterbegründer ließ es sich nicht nehmen, an der Jubiläumsvorstellung mit anschließendem gemütlichen Beisammensein dabei zu sein: Der 93-jährige Antonius Drop-Lammertmann, das letzte noch lebende Gründungsmitglied, amüsierte sich köstlich über die speziell für diesen Abend einstudierte Krimikomödie "Draimol daut höllt länger". 

Gelungene Zusammenarbeit

Es war eine gelungene Zusammenarbeit der ehemaligen und der aktuellen Laiendarsteller, die alle offensichtlich Spaß daran haben, die plattdeutsche Sprache lebendig zu erhalten. Und es gab viel zu lachen, denn der Krimi von Marion Maertin (Übersetzung ins Platt von Wolfgang Binder) war urkomisch. Horst (Klaus Rottwinkel) will nach 20 Jahren Ehe seine Frau Lotta (Anne Dallmöller) überraschen und lässt nach ihrer früheren besten Freundin suchen. Diese Heimlichtuerei lässt für Lotta nur einen Schluss zu: Horst betrügt sie und dafür soll er büßen. Doch so leicht lässt sich so ein Ehemann nicht um die Ecke bringen, auch wenn die kriminelle Fantasie der braven Hausfrau erstaunliche Ideen hervorbringt. Mit dabei wirklich witzige und kuriose Nachbarn und Freunde wie die Nachbarin Zimmer (Hildegard Höwelhans) und ihre Tochter (Marina Lemper). 

Begeisterung weitergegeben

Für das Publikum im voll besetzten Saal gab es dementsprechend viel zu lachen, angesichts der komödiantisch bestens aufgelegten Darsteller, die tatsächlich nichts verlernt hatten. Mechthild Drop, die zusammen mit Frank Niermann die Jubiläumsgäste begrüßte, freut sich, dass man in Glandorf im plattdeutschen Theater keine Nachwuchssorgen kennt. "Zuhause wird ja kaum noch Platt gesprochen", so Drop, daher müssten viele der jungen Mitspieler die alte Sprache erst wieder lernen, aber das macht denen riesig Spaß. 

Und das war schon immer so, denn viele Gäste hatten alte Fotos und Erinnerungsstücke mitgebracht aus ihren vergangenen Theatertagen. Und nicht wenige von ihnen haben ihre Begeisterung an die Kinder und Kindeskinder weitergegeben. Auch Mechthild Drops Vater war eines der Gründungsmitglieder und sie hat den Theatervirus übernommen. Kaum ein Jahr in der 70-jährigen Geschichte verging ohne ein Theaterstück up Platt, meistens im Frühjahr. Nur zum Jubiläum wurde jetzt im Herbst gespielt. Das war eben ein ganz besonderer Abend für das Theater Glandorf und die plattdeutsche Sprache, die sich hier äußerst lebendig präsentierte.


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