Halter wünschen sich mehr Akzeptanz Diskussionsrunde beim Tag der offenen Tür in der Humani-Assistenzhundeschule Glandorf

Getestet und für gut befunden: Assistenzhund Loki hatte auf dem „Erdnuss-Ball“ Balance haltend, womöglich genauso viel Spaß wie Besitzerin Elke Birker (links) und Hundephysiotherapeutin Peggy Luft. Foto: Carolin HlawatschGetestet und für gut befunden: Assistenzhund Loki hatte auf dem „Erdnuss-Ball“ Balance haltend, womöglich genauso viel Spaß wie Besitzerin Elke Birker (links) und Hundephysiotherapeutin Peggy Luft. Foto: Carolin Hlawatsch

Glandorf. Beim Tag der offenen Tür in der Humani Hundeschule für Assistenz- und Familienhunde in Glandorf fanden sich neben interessierten Hundefreunden und deren Vierbeinern auch zahlreiche Leute, die die Unterstützung eines Assistenzhundes nutzen, zum Erfahrungsaustausch ein.

Auf der Wiese mit Hundesportgeräten toben sich Schäferhundmischlings-Dame Mila und Australian-Shepherd-Mix-Rüde Merlin nach einer längeren Anfahrt aus Hamm mit ihren Halterinnen Ann-Kristin Gonschior und Sophie Leinberger so richtig aus. Bei Pekinese-Dackel-Mix Loki hingegen lösen sich eventuelle muskuläre Verspannungen beim Test der Hundephysiogeräte von Peggy Luft aus Ibbenbüren. Die Beschäftigungsmöglichkeiten beim Humani-Fest waren vielfältig, die meisten Hunde aber hatten etwas gemeinsam: Mila, Merlin, Loki und Co. sind Assistenzhunde und durchlaufen eine besondere  Ausbildung bei Humani in Glandorf.

2015 gründete Assistenzhundetrainerin, Pädagogin und Therapeutin Carina Stanek die Hundeschule mit dem Ziel Menschen mit körperlicher oder seelischer Beeinträchtigung bei einer nachhaltigen Verbesserung ihrer Lebensqualität zu helfen. „Nach einem erlittenen Trauma verlieren viele Betroffene das Vertrauen in ihre Mitmenschen. Tiere können in solchen Fällen oft wieder die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen“, erklärt Carina Stanek. Traumafolgestörungen seien auf den ersten Blick nicht sichtbar, schränken den Alltag des Betroffenen aber häufig deutlich ein. Ausgebildete Hunde können dann stabilisierend wirken und auch ganz praktisch unterstützen. 

Natürlich müssen Assistenzhunde nicht immer nur arbeiten. Ihre Besitzer lernen ihnen genügend Ausgleich zu verschaffen, so wie hier beim Spiel auf der Hundesportwiese am Tag der offenen Tür von Humani in Glandorf. Foto: Carolin Hlawatsch

So werden bei Humani Assistenzhunde auf die individuellen Bedürfnisse ihres beeinträchtigten Menschen trainiert. Es sind Hunde die bei ihrem Menschen leben und mit ihm zusammen im Team die Ausbildung durchlaufen. So lernen Hunde eines Halters mit motorischer Beeinträchtigung, heruntergefallene Gegenstände aufzuheben oder Türen zu öffnen. Leidet der Besitzer an Diabetes, wird der Assistenzhund darauf trainiert, sinkende oder steigende Blutzuckerwerte anzuzeigen. Einem Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen können sie helfen, indem sie ihn aus Albträumen wecken und das Licht anschalten oder Panikattacken durchbrechen.

Anders läuft die Ausbildung von sogenannten Therapiehunden in Glandorf. Sie haben später einen anderen Job, arbeiten nicht nur mit „ihrem“ Menschen zusammen sondern auch mit anderen, die nicht zwingend ein Handicap haben. Therapiehunde helfen und ergänzen in einer Behandlung, ersetzen diese aber nicht. Ihre Einsatzbereiche sind unter anderem Schulen, Kindergärten, Logopädie- und Ergotherapie-Praxen. Therapiehunde haben im Gegensatz zu Assistenzhunden keine Sonderrechte.

Mischlings-Welpe Nala (links) wird bei Humani zum „Diabetes-Hund“ ausgebildet. Beim Tag der offenen Tür schloss sie Freundschaft mit Zwerg-Rauhaarteckel Jule. Foto: Carolin Hlawatsch

Darüber, dass diese Sonderrechte, oftmals aus Unwissenheit, von Mitmenschen nicht anerkannt werden, zeigten sich die Assistenzhundeführer am Sonntag enttäuscht. „Assistenzhunde dürfen mit in den Supermarkt oder die Arztpraxis. Sie sollten nicht einfach so gestreichelt werden und andere Hunde müssen fern gehalten werden“, weiß Elke Birker aus Münster. Um den Stellenwert ihres Hundes deutlicher zu machen, trägt Loki stets eine Weste mit der Aufschrift Assistenzhund.

In der Diskussionsrunde, die sich beim Tag der offenen Tür bildete, zeigten sich Betroffene zudem enttäuscht über mangelnde finanzielle Unterstützung seitens der Krankenkassen für Ausbildung und Haltung eines Assistenzhundes. „Aktuell gibt es noch kein Gesetzt, das die Ausbildung und somit die Qualität dieser assistierenden Hunde sichert“, betont Carina Stanek. Tatsächlich würden bisher nur die rund 3000 Blindenführhunde in Deutschland so akzeptiert, dass die Krankenkassen unterstützen. Das ergänzte der Bundestagsabgeordnete Jens Beeck, Teilhabepolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, der das Hundefest besuchte, um mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen und Assistenzhunde live zu erleben. „Wir müssen dafür sorgen, dass die wichtige Rolle der Assistenzhunde anerkannt wird“, sagte er und versprach, sich diesbezüglich für eine gesetzliche Verbesserung einzusetzen.

Der Bundestagsabgeordnete Jens Beeck besuchte das Hundefest um Assistenzhunde live zu erleben und sich mit deren Haltern auszutauschen. Foto: Carolin Hlawatsch


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