Schneller als die Postkutsche Bürgerbus nimmt am Montag Fahrt auf

Schlüsselübergabe: Landrat Klaus Effing, Arne Strietelmeier, Normann Scheckelhoff, Udo Nickel, André Pieperjohanns, Magdalene Heuvelmann und Kreisrat Winfried Wilkens (von links) wünschen dem Bürgerbusverein viel Glück. Foto: Anke SchneiderSchlüsselübergabe: Landrat Klaus Effing, Arne Strietelmeier, Normann Scheckelhoff, Udo Nickel, André Pieperjohanns, Magdalene Heuvelmann und Kreisrat Winfried Wilkens (von links) wünschen dem Bürgerbusverein viel Glück. Foto: Anke Schneider

Glandorf. Die Spannung steigt. Montagmorgen um 7 Uhr soll der Bürgerbus seine ersten Fahrgäste von Lienen nach Glandorf chauffieren. Vorher wurde der neue Bürgerbus-Service gebührend gewürdigt.

Vertreter der Gemeinden Lienen und Glandorf, Vertreter der Landkreise Osnabrück und Steinfurt, Verantwortliche des Verkehrsbetriebs Regionalverkehr Münsterland RVM und Mitglieder, sowie Fahrer des Bürgerbusvereins waren nach Lienen gekommen. Schließlich haben sie das Projekt gemeinsam gestemmt. Das Land NRW, die Landkreise und Gemeinden haben Geld gegeben, der RVM als Konzessionsträger orderte den Bus.  

Und der Bürgerbusverein? Er hat unter anderem die insgesamt 27 Fahrer akquiriert und sich um deren Ausbildung gekümmert. Schließlich musste noch ein Fahrplan her und drei Bushaltestellen mussten neu geschaffen werden. „Sie haben auf beiden Seiten viel Herzblut in die Sache gesteckt“, lobte Lienens Bürgermeister Arne Strietelmeier. Viele Hürden habe der Verein nehmen müssen. „Es war ein holpriger Weg.“

Glandorfs Bürgermeisterin Magdalene Heuvelamnn stellte fest, dass der öffentliche Personennahverkehr Lücken aufweise, die ein Bürgerbus gut schließen könne: „Uns war wichtig, den Bahnhof Kettenvenne mit einzubinden.“ Udo Nickel, Vorsitzender des Bürgerbusvereins griff die Probleme des ÖPNV im ländlichen Bereich auf und berichtete, dass man vor 200 Jahren mit einer Postkutsche von Kattenvenne nach Glandorf eine Stunde und 20 Minuten brauchte. Heute müsse man zuerst mit dem Zug nach Osnabrück und von dort mit dem Bus nach Glandorf. „Das dauert eine Stunde und 27 Minuten“, so Nickel. „Wenn der Bus ankommt, tränkt der Kutscher schon längst seine Pferde.“

Man könne jammern oder, so Nickel, „den Hintern hoch bekommen“ und selber aktiv werden. Mit dieser Einstellung sei man an die Sache herangegangen. Der Vorsitzende berichtete, dass viele Stellen mit Rat, Tat und Finanzmitteln mit ins Rad griffen, um das Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben, die bei der Einbettung der Tickets in das bestehende Tarifsystem und bei der Planung der Stecke und der Haltestellen halfen.

Klaus Effing, Landrat des Kreises Steinfurt, berichtete, dass der neue Bürgerbus der achte sei, der im Kreis Steinfuhrt fahre. Die große Besonderheit sei die landesübergreifende Strecke. „Sie sind nicht nur ein Bürgerbus. Sie sind ein rollendes Kommunikationscenter“, sagte er. Kreisrat Winfried Wilkens vom Landkreis Osnabrück nannte die Fahrer „gesellschaftlichen Klebstoff“ der in der heutigen, immer sprachloser werdenden Gesellschaft mehr als nötig sei. Man könne man im sozialen Netzwerk aufeinander losgehen, im realen Leben miteinander reden könnten viele jedoch nicht mehr.

André Peiperjohanns von den Verkehrsbetrieben RVM übergab schließlich symbolisch den großen Schlüssel an Udo Nickel. Der Bus ist zunächst ein Leihfahrzeug, da der richtige Bürgerbus eine Sonderanfertigung ist und erst im Oktober geliefert werden soll. Der Fahrplan des Bürgerbusses ist im Internet unter buergerbus-lienen-glandorf.de einsehbar. „Acht Mal am Tag fahren wir die große Runde von Lienen über Kattenvenne und Schwege nach Glandorf und zurück“, sagte Udo Nickel. Von 10 bis 12 Uhr gibt es eine Mittagspause, die der Tatsache geschuldet ist, dass der Verein noch mehr Fahrer braucht. „Wenn sich noch Ehrenamtliche finden, können wir die Lücke schließen.“


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