65 Jahre Blaskapelle Schwege Klangvolles Kopfkino ohne Leinwand in Glandorf

„Die Freude an der Musik“ sei ihm das Wichtigste bei seinem Job als Dirigent, so Marcel Wirths. Die teilte er beim Jubiläumskonzert nicht nur mit seinen Musikern, sondern auch mit dem Chor Sine Nomine. Foto: Andreas Wenk„Die Freude an der Musik“ sei ihm das Wichtigste bei seinem Job als Dirigent, so Marcel Wirths. Die teilte er beim Jubiläumskonzert nicht nur mit seinen Musikern, sondern auch mit dem Chor Sine Nomine. Foto: Andreas Wenk

Glandorf. Mit rund 200 Gästen hat die Blaskapelle Schwege ihr 65-jähriges Bestehen in der Aula der Ludwig-Windthorst-Schule gefeiert.

Statt Märschen und Polka präsentierten sich die Musiker mit Rock- und Popsongs. Das Publikum zeigte sich begeistert. „Und immer wieder, sind es dieselben Lieder“ singen die „Toten Hosen“ in ihrem Lied „Altes Fieber“, doch hatten sich die Bläser unter Marcel Wirths alle Mühe gegeben, damit das Konzert eben nicht den Eindruck widerspiegelt, „als würde die Zeit still stehen“, wie es im Text weiter heißt. Der Song der einstigen Punk-Band kam selbst bei den Älteren gut an. 

Mehrgenerationenfest 

Beim Blick durch die Tischreihen fiel auf, dass selbst Rentner im fortgeschrittenen Alter im Takt mitklatschten. Damit hatte sich die Blaskapelle Schwege zu ihrem Geburtstag ein Mehrgenerationenfest geschenkt. Mit dabei: der Chor Sine Nomine mit Leiterin Petra Schulke. Während Wirths beim Auftakt passend zum Beach-Boys-Klassiker „Surfin USA“ zunächst in Shorts und T-Shirt die Bühne betrat, bevor er sich umzog und seinen Taktstock eher behutsam schwang, rackerte sich Schulke am Pult deutlich ab. Ihre Sänger setzen jede ihrer Gesten um, mal seicht swingend, mal – wie bei Nenas „Wunder gesche´n“ – trennscharf einen Punkt gesetzt wie mit dem Handkantenschlag.

Hatte sich die Blumen redlich verdient: Chorleiterin Petra Schulke hatte sich am Pult mächtig ins Zeug gelegt, um ihren Chor zu Höchstleistungen zu motivieren. Foto: Andreas Wenk


Dass dies auch das Blasorchester beherrscht, machte Wirths vor allem im zweiten Teil deutlich, etwa mit der Hommage an Eric Clapton oder den Moments of Morricone. Die Werke des Großmeisters der Filmmusik sorgten für großes Kopfkino ohne Leinwand mit Showdown aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ und Pferdegetrappel in der Steppe. Das Publikum dankte es mit lautstarkem Applaus bis hin zu freudigem Gejohle.

Ganz besonderen Beifall ernteten auch die Solisten Thomas Rottmann mit seiner Trompete und Juan Carlos Sabater an der E-Gitarre, die beide in „Oye Coma Va“ zum Zuge kamen. Zusammen mit dem Chor ließen sie Erinnerungen an den legendären Carlos Santana wieder aufleben.

Sanfte Übergänge

Auffallend: Die sanft gleitenden Übergänge in den Medley-Arrangements. Darauf angesprochen, bestätigte Pressesprecher Jürgen Lückener, dass Wirths daran in den Proben mit den Musikern hart gearbeitet hat. Manchmal hätte man sich vor allem im ersten Teil eine strengere Taktung vorstellen können, aber die gefälligen Wechsel boten dafür Musikgenuss pur. „Schneller“ kam ein Zwischenruf aus dem Publikum. Der Wunsch schien Befehl und nur zwei Stücke weiter zum „Best of Queen“, bewiesen die Bläser, dass sie kein Tempo scheuen. Beachtlich, wie Len Puke als Jüngster auf der Bühne mit seinen zehn Jahren die zwei Stunden Programm voll mit durchzog. 

Der Sohn des Vorsitzenden ist zugleich einer der Hoffnungsträger im Verein. Laut Lückener hat das Blasorchester vor drei Jahren gezielt damit begonnen, sich auf die Nachwuchssuche zu konzentrieren. Das Ziel: „Sowohl die Kapelle als auch das Publikum verjüngen, ohne die Alten zu vergraulen.“ Der Spagat schien beim Jubiläumskonzert gelungen zu sein. Lückener zeigte sich jedenfalls erleichtert, dass sich die Besucher so wohl gefühlt und alles mitgemacht haben, dass sie nach der Zugabe nicht gleich aufgesprungen sind, sondern den Abend bei etwas rockigerem Sound der Juan Carlos Sabater Band ausklingen ließen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN