Pendler-Schelte für „Prestigeprojekt“ RRX und Halbstundentakt: Hitzige Diskussion in Kattenvenne

Von Gernot Gierschner


Lienen/Glandorf. 6.49 Uhr, kein Halt in Kattenvenne. Was bedeutet der neue Zugfahrplan für Kattenvenne? Gerappelt voll war am Mittwochabend der Saal in der Gaststätte Gravemeier – ein Zeiche für das große Interesse der Menschen aus Glandorf, Kattenvenne und Umgebung an der zukünftigen Anbindung an die Oberzentren Münster und Osnabrück.

Bei der öffentlichen Informationsveranstaltung stellten sich Markus Rümke und Michael Geuckler vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) den Fragen der Bürger und Lokalpolitiker.

Halbstundentakt

Mit der geplanten Verlängerung der Strecke des Regionalexpress RE2 bis Osnabrück im Dezember dieses Jahres wird der bisherige Halbstundentakt zu den Stoßzeiten in Kattenvenne – und auf niedersächsischer Seite in Natrup-Hagen – nur in eingeschränkter Form fortgeführt werden. Vertreter des NWL hatten den geplanten Zugfahrplan als Diskussionsgrundlage mitgebracht. Neben ihnen hatten auf dem Podium Glandorfs Bürgermeisterin Dr. Magdalene Heuvelmann, Lienens Bürgermeister Arne Strietelmeier sowie der niedersächsische Landtagsobgeordnete Martin Bäumer (CDU) Platz genommen.

Bei aller Aufregung räumte Strietelmeier ein, dass die derzeitige Planung die Wünsche der Pendler wenigstens teilweise berücksichtige: „Es ist ein Fortschritt, dass zumindest in der nachfragestärksten Zeit ein halbstündiger Takt erhalten bleibt.“ Als „Weinschorle mit einem Schuss Wasser“ bezeichnete Heuvelmann die Pläne.

Ordnungsrufe

Zahlreiche Zuhörer brachten zum Teil mit deutlicheren Worten ihre Meinung zum Ausdruck, sodass Bürgermeister Strietelmeier mehrfach zur Ordnung rufen musst. Michael Geuckler hob die Vorteile der neuen Verbindung hervor: „Es wird 40 Prozent mehr Züge auf der Gesamtstrecke geben, Osnabrück wird direkt mit Düsseldorf verbunden und vielfältige Umsteigemöglichkeiten werden geschaffen.“

Dass diese Argumentation wenig Überzeugungskraft hatte, machte der Zwischenruf einer Pendlerin deutlich machen: „Ich muss täglich nach Osnabrück zur Arbeit und demnächst eineinhalb Stunden früher fahren, nur damit ein Osnabrücker gelegentlich in Düsseldorf shoppen kann.“

Wirtschaftlichkeit

Georg Kubitz vom örtlichen Bündnis für Ökologie und Demokratie und Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit stellte die Frage nach Einsicht in die Wirtschaftlichkeitsberechnung und die der geplanten Fahrgastzahlen. „Nur wenn uns die Zahlen vorliegen, können wir die Situation beurteilen und Gegenvorschläge machen.“ Diese Position unterstützten die beiden Bürgermeister, Strietelmeier versprach „am Ball zu bleiben und weiter auf allen politischen Kanälen Druck zu machen“. Mehr aus Glandorf im Netz

Der Wegfall des Haltes um 6.49 Uhr nach Osnabrück löste besonderen Unmut bei den Zuhörern aus: „Während wir mit der Anbindung an Münster leben können, bereitet gerade der Ausfall dieses Zuges besondere Kopfschmerzen“, fasste Strietelmeier die Stimmung zusammen. Die Vertreter der NWL widersprachen dieser Einschätzung und verwiesen auf das Fahrgastaufkommen, ohne jedoch Zahlen vorzulegen. Sie versprachen aber, sich noch einmal mit der Problematik zu beschäftigen.

Kleine Gesprächsrunden

Nach Dutzenden Wortmeldungen beendete Strietelmeier die Veranstaltung gegen 21.15 Uhr. Doch auch danach wurde in vielen kleinen Gesprächsrunden weiter diskutiert. Kritik wurde laut an der Bundesregierung, die einerseits den Nahverkehr unterstützen wolle, aber nicht das Geld für ein erforderliches drittes Gleis zur Verfügung stelle. Der NRW-Landesregierung wurde unterstellt, sie wolle die Oberzentren verbinden ohne Rücksicht auf das, was dazwischen liegt. Mehrfach war vom „Prestigeprojekt RRX“ die Rede.


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