Scherenschleifer aus Leidenschaft Karl Heinz Jörling mit mobiler Werkstatt in Glandorf unterwegs

Scherenschleifer mit hoher Kompetenz und Leidenschaft zum Beruf: Karl Heinz Jörling. Foto: Antonius ReckerScherenschleifer mit hoher Kompetenz und Leidenschaft zum Beruf: Karl Heinz Jörling. Foto: Antonius Recker

Glandorf. Alljährlich zur Winterzeit ist er mit seinem Lieferwagen unterwegs um seine Stammkundschaft zu besuchen Auch in Glandorf und Umgebung. Karl Heinz Jörling aus Westbevern hat sein Fahrzeug mit allem ausgestattet, was man braucht, um Messer und Scheren wieder „schnittfest“ zu machen.

Karl Heinz Jörling ist 86 Jahre alt und stammt ursprünglich aus der Messerstadt Solingen. Dort führte er bis in die 1960er Jahre mit seinem Vater, der im letzten Jahr im Alter von 108 Jahren gestorben ist, eine eigene Fabrik mit dem Schwerpunkt Haushaltsmesser. Der angelieferte Stahl wurde in seinem Betrieb zugeschnitten und in der gewünschten Form verarbeitet, berichtet Antonius Recker aus Glandorf.

Der technikbegeisterte Vorsitzende des Vereins für historische Landtechnik ( VHLT) Glandorf gehört zu Jörlings Stammkunden. Recker ist auch Jäger, und Jörling nimmt sich bei seinen regelmäßigen Besuchen bei ihm immer auch die Jagdmesser vor. „Bemerkenswert finde ich, dass Heinz Jörling kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er ein schlechtes Messer in die Finger bekommt“, schwärmt der Glandorfer. Schlechten Stahl bekomme man nicht scharf. Durch das untrügliche Urteil des gebürtigen Solingers weiß Recker inzwischen, dass ein Bestes Jagdmesser eines aus Polen ist.

Holzgriffe

Auch die Griffe Messer aus Jörlingscher Produktion in Solingen waren seinerzeit ausschließlich aus Holz und wurden ebenfalls selbst hergestellt. Karl Heinz Jörling berichtet, dass sein Vater auf diesem Gebiet der Fachmann war und das Holz im Wald persönlich auswählte. Die ausgeschnittenen Rohlinge wurden mit Feile und Schmirgel so bearbeitet, dass sie in eine Form passten und damit sichergestellt wurde, dass die Maße immer gleichbleibend waren. Mehr aus Glandorf im Netz

Nachdem sein Betrieb in Solingen dem Strukturwandel zum Opfer gefallen war, verdiente Karl Heinz Jörling seinen Lebensunterhalt ausschließlich mit der mobilen Scherenschleiferei. Heute betrachtet er seine Touren mehr als sinnvolle Freizeitbeschäftigung und pflegt auf diesem Weg seine sozialen Kontakte. Übrigens: Seine Fingernägel haben noch nie eine Schere gesehen. Sie werden bei Bedarf auf dem Messerschleifband zurückgeschliffen.


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