Heimliche Einblicke Viele Tiere tapsen in Glandorf in die Fotofalle

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Den Steg über den Bach nutzen zahlreiche Wildtiere. Ein geeigneter Ort also, um die Wildkamera anzubringen. Jäger Daniel Buller aus Glandorf gelingen Dank seines Naturwissens viele interessante Tieraufnahmen. Foto: Carolin HlawatschDen Steg über den Bach nutzen zahlreiche Wildtiere. Ein geeigneter Ort also, um die Wildkamera anzubringen. Jäger Daniel Buller aus Glandorf gelingen Dank seines Naturwissens viele interessante Tieraufnahmen. Foto: Carolin Hlawatsch

Glandorf. Man muss sich schon sehr lange und zumeist unter unbequemen Umständen auf die Lauer legen, um Wildtiere in freier Natur zu beobachten oder sogar zu fotografieren. So macht sich manch’ Tierinteressierter eine Wildkamera zu nutzen, die ohne großen Aufwand besondere Einblicke in die Natur bieten kann.

Für den Jäger Daniel Buller aus Glandorf ist seine Wildkamera ein wichtiges Werkzeug. Seit nunmehr zehn Jahren setzt er Wildkameras in den Jagdrevieren des Hegerings Heide ein. Die Spannung, die entsteht, wenn er nach geraumer Zeit die Speicherkarte aus dem Gehäuse nimmt und sie in seinen Computer einsetzt, um die Fotos auszuwerten, lasse nicht nach. Jedes Mal wieder sei es ein Erlebnis zu schauen, ob und wie viele Fotos der Kamera gelungen sind und vor allem wer da so vor der Linse herum „gekreucht und gefleucht" ist. 

Nachtschwärmer: Eine Gruppe Wildschweine hat die Kamera ausgelöst. Foto: Selbstauslöser Wildkamera Daniel Buller

Manchmal kann Buller es nicht abwarten bis zum heimischen Bildschirm. Dann klickt er sich schon draußen am „Austragungsort“ über ein kleines Display durch die Bilder. Wildkameras können sowohl am Tag als auch in der Nacht fotografieren. Der Nutzer kann sie auf den gewünschten Aktivitätszeitraum programmieren. „Ähnlich wie bei einem Bewegungsmelder lösen die Geräte auf Bewegung oder Wärme aus. So etwas wie eine Lichtschranke gibt es da nicht“, erklärt Daniel Buller. Je nach Preis und Qualität der Wildkamera sei das Auslösen der Fotos - ein Klicken - mehr, kaum oder überhaupt nicht zu hören. Auch beim Blitzlicht für Nachtaufnahmen gäbe es Unterschiede: Weißlichtblitz, Infrarotblitz und Schwarzlichtblitz. „Am besten ist es natürlich, wenn die Tiere die Kamera nicht wahrnehmen. Den Schwarzlichtblitz bemerken sie nicht“, weiß der Jäger. Das Wild solle möglichst nicht irritiert werden. Insbesondere der Fuchs reagiere sehr sensibel auf Störung und würde dann schnell Reißaus nehmen. 

Behutsames Vorgehen

Jetzt im Januar müsse man bei der Beobachtung von Rehen besonders behutsam vorgehen. Da sei die Wildkamera nützliches Instrument. Die „Eiruhe“ der Rehe ist nun zu Ende, die Zeit in der sich die befruchtete Eizelle zwar in der Gebärmutter einnistet, sich aber noch nicht teilt. Erst mit Verzögerung, Anfang Februar beginnen sich die Embryos im Leib der Rehmutter zu entwickeln. Diese verlängerte Tragzeit ermöglicht die Geburt während des, für die Aufzucht günstigen, weil trockeneren und wärmeren Frühlings. „Und nicht nur wegen dem Ende der Eiruhe sind die Rehe jetzt empfindlich“, weiß Daniel Buller. Aufgrund des trockenen Sommers gebe es nur wenig Deckung für die Rehe, da etwa die Senfpflanzen sich schlecht entwickelt hätten.

Ein neugieriger Fuchs ist in die Fotofalle von Daniel Buller getappt. Foto: Selbstauslöser Wildkamera Daniel Buller

Buller und viele seiner Jagdkollegen, sowie Förster und Wildbiologen setzen Wildkameras zur störungsarmen Tierbeobachtung ein. Auf diese Weise können sie sich einen Überblick darüber verschaffen welche Arten in welcher Anzahl im jeweiligen Revier vorkommen, ob Tiere krank sind und wie viele von ihnen bejagt werden dürfen ohne den Bestand zu gefährden. Jäger Bernd Rötrige gelang am Neujahrstag im Grenzgebiet zwischen Glandorf und Bad Laer der Beleg eines Wolfs. Buller hielt schon Wildschwein, Reh, Fuchs, Dachs, Marder und verschiedene Vögel auf den Wildkamerafotos fest. Die meisten Arten seien standorttreu, das heißt sie bleiben in ihrem mehr oder weniger großen Territorium. So erkennt Buller bestimmte Individuen wieder: „Da gibt es zum Beispiel den Fuchs mit der markanten weißen Luntenspitze oder das Rehkitz mit den kahlen Stellen im Fell, die vielleicht von einer Verletzung durch Dornengestrüpp herrühren“.

Dieses zirka zweieinhalb Monate alte Rehkitz mit seiner Mutter wurde mehrmals von der Wildkamera fotografiert. Daniel Buller erkannte es an den kahlen Stellen im Fell wieder. Foto: Selbstauslöser Wildkamera Daniel Buller

Nicht willkürlich, sondern an Orten, wo die Tiere ihre „Pässe“, quasi ihre eigenen Straßen und Zugwege oder ihren Bau haben, bringt Daniel Buller die Kamera an. Die standorttreuen Tiere kehren teilweise auf die Minute genau regelmäßig an Stellen zurück. „Es gibt sogar Kameras, die schicken Bilder direkt auf das Handy. Da kann man als Jäger schnell reagieren“, berichtet er. 

Den Einzug der Technik in das traditionsbewusste Brauchtum der Jagd sähen einige Waidmänner, insbesondere die der älteren Generation mit Skepsis. Die meisten schätzen die Wildkamera aber als zeit- und kostensparende, sowie störungsarme Bejagungshilfe. Auch „Nichtjäger“ und Leute ohne wissenschaftliche Forschungsambitionen, nutzen Wildkameras um zum Beispiel die Tierwelt ihre Gartens näher kennen zu lernen oder zu sehen, ob es tatsächlich ein Waschbär ist, dessen Tapsen und Rascheln man auf dem Dachboden hört. 


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