Bahnverbindung Osnabrück–Münster Kampf um Halbstundentakt: Glandorf gibt nicht auf

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Die Regionalexpress-Linie RE 2 verbindet ab Dezember 2019 auch Münster und Osnabrück, hält aber wohl an manchen Bahnhöfen auf diesem Abschnitt nur zweistündlich. Foto: imago/Gottfried CzepluchDie Regionalexpress-Linie RE 2 verbindet ab Dezember 2019 auch Münster und Osnabrück, hält aber wohl an manchen Bahnhöfen auf diesem Abschnitt nur zweistündlich. Foto: imago/Gottfried Czepluch

Osnabrück/Glandorf. Die Bürgermeister von Glandorf und Lienen kämpfen weiter für einen stündlichen Halt der Regionalexpress-Linie RE 2 am Bahnhof Kattenvenne. Unterstützt werden sie von heimischen Landtagsabgeordneten. Doch die Chancen stehen schlecht.

Zwischen Osnabrück und Münster fahren ab Dezember 2019 an allen Wochentagen von früh bis spät Nahverkehrszüge im Halbstundentakt. Möglich wird das durch eine Verlängerung der Linie RE 2 (Düsseldorf–Münster) bis ins niedersächsische Oberzentrum. Der zusätzliche Zug ergänzt das Fahrtenangebot der Linie RB 66 (Teuto-Bahn). Problem: Bahnpendler aus Glandorf und dem benachbarten Lienen profitieren vom neuen Regionalexpress nicht uneingeschränkt. 

RE 2 hält nur zweistündlich

Denn der RE 2 soll am Bahnhof Kattenvenne – wie auch in Natrup-Hagen – nur alle zwei Stunden halten, die übrigen Stationen jedoch stündlich bedienen. Gleichzeitig soll die Teuto-Bahn künftig seltener fahren, nämlich morgens, nachmittags und abends nur noch alle 60 statt wie bislang alle 30 Minuten. Dadurch ergeben sich für einen Teil der Bahnpendler auf dem Land zu den Stoßzeiten Lücken im Fahrplan, die weder sie noch ihre Gemeindeoberhäupter oder Vertreter im Landtag klaglos hinnehmen wollen.

In einem gemeinsamen Brief an alle Betroffenen, der zugleich Einladung zu einer Informationsveranstaltung am 30. Januar in Kattenvenne (Gaststätte Gravemeier, Lienener Straße 4; Beginn 19 Uhr) ist, erklären die Bürgermeisterin von Glandorf, Magdalene Heuvelmann, und ihr Lienener Amtskollege Arne Strietelmeier: 

Wir beurteilen die Planungen außerordentlich kritisch!


Bürgermeister protestieren

Ziel aller Planungen im öffentlichen Personennahverkehr müsse es sein, vor allen Dingen den ländlichen Raum in alle Richtungen besser anzuschließen, heißt es in ihrem Schreiben. Genau aus diesem Grund hätten die Kommunen Lienen und Glandorf auch die Gründung eines Bürgerbusvereins auf den Weg gebracht. "Kernhaltepunkt der Bürgerbuslinie ist der Bahnhof Kattenvenne", stellen Heuvelmann und Strietelmeier fest. Daher sei ein ganztägiger Halbstundentakt im regionalen Zugverkehr zwischen Münster und Osnabrück "unbedingt erforderlich".

Foto: Wilhelm Schmitte


Mehr Bahnpendler, weniger Autoverkehr

Für viele Berufstätige, die auf dem Land wohnen und in der Stadt arbeiten, sei die Verbindung von hoher Bedeutung, so die Bürgermeister weiter. "Die günstigeren Bau- und Wohnmöglichkeiten auf dem Land bieten jungen Familien soziale und finanzielle Vorteile", und das bei einer "unschlagbar günstigen und schnellen Zuganbindung an die nächsten Oberzentren". Auch die beiden Großstädte würden profitieren, sind Heuvelmann und Strietelmeier überzeugt. Denn je mehr Pendler die Bahn optimal nutzen können, desto stärker würden sowohl Münster als auch Osnabrück "von den Folgen der Umweltverschmutzung durch den Individual-PKW-Verkehr" entlastet. 

Landtagsmitglied will Antworten

Ähnlich äußert sich der Glandorfer Landtagsabgeordnete Martin Bäumer (CDU). Der RE 2 komme vor allem Fahrgästen zupass, die von Osnabrück ins Ruhrgebiet wollen. Für sie werde der Weg schneller und komfortabler. 

Ich finde es aber schade, dass in den Stoßzeiten gerade für Berufstätige einige wichtige Verbindungen wegfallen werden, auf die sich die Betroffenen über Jahre hinaus verlassen konnten.


Es müsse jetzt "sehr genau geschaut werden, wie man diese Einschnitte abmildern kann", so Bäumer weiter. Er habe deshalb Anfang Januar im Landtag eine Kleine Anfrage gestellt. Die Landesregierung in Hannover soll erklären, inwieweit sie sich für die Belange der Berufspendler, Studenten und Schüler aus Städten und Gemeinden im Südkreis Osnabrück einsetzt. Konkret will Bäumer zum Beispiel wissen, welche aktuellen Informationen der Landesregierung zu den Plänen für den RE 2 vorliegen. Auch Zahlen zu den Pendlern, die in Stoßzeiten das heute vorhandene Bahnangebot im Halbstundentakt nutzen, interessieren ihn. 

Landesregierung erklärt Vorhaben

Allerdings hatte die Landesregierung erst Ende Dezember auf eine vergleichbare Kleine Anfrage des Osnabrücker CDU-Abgeordneten Burkhard Jasper geantwortet. Demnach gibt es für die Südkreis-Gemeinden wenig Grund zur Annahme, dass sich an der Art und Weise, wie der Regionalexpress in das Angebot aufgenommen werden soll, noch etwas ändert.

Insbesondere die Abschaffung des heutigen, zeitweisen Halbstundentakts der Teuto-Bahn scheint unvermeidlich. Wörtlich heißt es: "Die Verlängerung der Linie RE 2 nach Osnabrück setzt aus fahrplantechnischen Gründen eine Abbestellung aller Verstärkerleistungen (insgesamt acht Zugpaare) auf der Linie RB 66 Münster–Osnabrück voraus." Begründung: In den gleichen Zeitlagen sollen ab Dezember 2019 die Züge der neuen Linie RE 2 fahren. 

Halte mit schwächster Nachfrage

Darüber hinaus macht die Landesregierung klar, warum der Expresszug in Natrup-Hagen und Kattenvenne nicht ganz so oft Station machen kann wie in Hasbergen, Lengerich, Ostbevern und Westbevern. 

Um die erforderlichen Umsteigezeiten in Osnabrück zu erreichen, können die beiden nachfrageschwächsten Halte Natrup-Hagen und Kattenvenne nur im Zweistundentakt durch die Linie RE 2 und im Stundentakt durch die Linie RB 66 bedient werden.


Insgesamt würden in Natrup-Hagen und Kattenvenne aber mehr Verbindungen eingerichtet als derzeit, betont die Landesregierung. 

Für Hagen überwiegen die Vorteile

Vor diesem Hintergrund nennt selbst Hagens Bürgermeister Peter Gausmann den RE 2 einen "echten Gewinn für die Gemeinde". Einsparungen im Fahrtenangebot der RB 66 seien zwar "im Einzelfall sicher ein Problem". Aber Hagen sei mit insgesamt 250 Ein- und Ausstiegen pro Tag "leider nicht in der Lage, hier großen Druck auszuüben", räumte Gausmann bereits Ende 2018 im Gespräch mit unserer Redaktion ein.

In der Tat ist das Fahrgastaufkommen an diesem Haltepunkt am geringsten. Nach Angaben der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), die in Niedersachsen den regionalen Bahnverkehr bestellt und bezahlt, wird die Teuto-Bahn täglich von 9000 Fahrgästen genutzt. Lengerich kommt dabei auf 900 Ein- und Ausstiege, Ostbevern auf 610 und Westbevern auf 460. Kattenvenne hingegen kann mit 390 Nutzern immerhin ein bisschen mehr Frequenz nachweisen als Hasbergen (340). Ob's hilft?


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