Ist der Glandorfer Wolf noch da? Wolfsberater erklärt Zugverhalten des Grauwolfs

Wolfslosung im Visier: Vergangenen Donnerstag sprach Wolfsberater Olaf Göpfert (Mitte) zusammen mit Schäfer Günter Remus (rechts) und Umweltpädagoge Josef Gebbe (links) am Lernstandort Noller Schlucht in Dissen mit Schülern über den Wolf. Auch der in Glandorf gesichtete Wolf wurde thematisiert. Hier zeigt ein Schüler der Hermann-Freye-Gesamtschule, dass er Haare und Knochenreste in der Losung eines Wolfs entdeckt hat. Daran kann man sehen, was der Wolf gefressen hat. Foto: Carolin HlawatschWolfslosung im Visier: Vergangenen Donnerstag sprach Wolfsberater Olaf Göpfert (Mitte) zusammen mit Schäfer Günter Remus (rechts) und Umweltpädagoge Josef Gebbe (links) am Lernstandort Noller Schlucht in Dissen mit Schülern über den Wolf. Auch der in Glandorf gesichtete Wolf wurde thematisiert. Hier zeigt ein Schüler der Hermann-Freye-Gesamtschule, dass er Haare und Knochenreste in der Losung eines Wolfs entdeckt hat. Daran kann man sehen, was der Wolf gefressen hat. Foto: Carolin Hlawatsch

Glandorf. Der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) Raoul Reding schaute sich in dieser Woche den Platz zwischen Glandorf und Bad Laer an, an dem der definitiv erste Wolf im Osnabrücker Land nachgewiesen werden konnte. „Wie sieht das Zugverhalten von Wölfen aus und wann werden sie in einer Region sesshaft?“ – Der Osnabrücker Wolfsberater Olaf Göpfert erklärte es unserer Zeitung.

Nach dem Erscheinen eines Wolfs am Neujahrstag in Glandorf, bewiesen durch eine Aufnahme einer Wildkamera und anschließender Experten-Analyse, fragen sich nun sicher einige Leute: „Kann man davon ausgehen, dass der Glandorfer Wolf noch in der Nähe ist?“. Der Osnabrücker Wolfsberater Olaf Göpfert hält dies für eher unwahrscheinlich. „Es ist bestimmt ein Durchzügler“, sagt er. Damit reihe sich das Tier, mit dem für Grauwölfe typischen hellen Sattelfleck am Rücken, in den Reigen der drei bis vier Wölfe pro Jahr ein, die bisher beim Durchwandern des Osnabrücker Lands gesichtet wurden.


Der Wolf von Glandorf Foto: NWM-TV/Rötrige


 

Wölfe sind Langstreckenläufer und können bis zu 90 Kilometer in einer Nacht zurück legen. Das wissen die Experten, weil ein kleiner Anteil Wölfe für wissenschaftliche Studien betäubt und mit einem Sender versehen wird. So können Forscher ihr Verhalten, insbesondere ihre Wanderrouten, besser nachvollziehen. „Der in Glandorf gesichtete, unbesenderte Wolf könnte inzwischen also locker in der Lüneburger Heide oder in Holland sein. Vielleicht kam er auch von dort“, mutmaßt Olaf Göpfert. Canis Lupus Lupus, so der wissenschaftliche Name des Wolfs, läuft im Trab und setzt dabei die Hinterpfoten genau in die Abdrücke der Vorderpfoten, so dass seine Spur eine gerade Linie ergibt.

Ein Wolf steht im Tierpark Hexentanzplatz (Sachsen-Anhalt) in seinem Gehege.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa


Wird ein Wolf sesshaft, ist sein Lebensraum-Radius dennoch sehr groß. 250 Quadratkilometer umfasse ein Wolfsrevier im Durchschnitt. Trotzdem könne man an Indizien wie regelmäßigen Sichtungen, Spuren, Losung oder Wildtierrissen erkennen, ob sich ein Rudel niedergelassen hat. „Im Landkreis Osnabrück ist das noch nicht vorgekommen“, betont der Wolfsberater. Seiner Meinung nach gäbe es auch durchaus geeignetere Lebensräume für den Grauwolf als ausgerechnet das Osnabrücker Land, denn es sei sehr zersiedelt und habe wenig große, zusammenhängende Naturflächen. Allerdings habe es den Wolf in der heutigen Form der Kulturlandschaft noch nie gegeben. Deswegen könne man nicht voraussehen wie sich Rudel und deren Lebensbedingungen verändern, wie die Anpassungsfähigkeit der Tiere ist, ob sie ins Osnabrücker Land einziehen und bleiben werden.

Umher ziehende Wölfe seien meistens Einzelgänger oder Geschwister-Paare oder -Trios, die sich vom elterlichen Familienverband getrennt haben und nun auf der Suche nach Nahrung und Partnern sind. Es sei durchaus möglich, dass der Glandorfer Wolf in Begleitung war, die aber nicht in die Fotofalle getappt ist. Sesshafte Wölfe leben in der Regel im Rudel, das acht und mehr Individuen umfassen kann. 

Der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) Raoul Reding schaute sich in Glandorf um. Foto: NWM-TV


Dass der in Glandorf in Wildkamera getappte Isegrim tatsächlich ein Wolf ist, bestätigte jetzt noch einmal LJN-Wolfsbeauftragter Raoul Reding in einem Interview mit NWM-TV. Das Tier weise typische Merkmale auf, unter anderem den geraden Rücken, die schwarze Schwanzspitze und die charakteristische Gesichtszeichnung. 

Zur Debatte um die Gefahren durch den Wolf äußerte sich der Fachmann zurückhaltend. Die Hauptgefahr  bestehe für Nutztiere vor allem in Gebieten, in denen sie nicht geschützt werden können. Reding: "Wölfe haben bei uns eigentlich keinen natürlichen Feind. Der einzige Feind, den er wirklich hat, ist der Mensch unter anderem durch den Straßenverkehr."  Die Wolfspopulation wache derzeit exponetiell, ungefähr um 30 Prozent pro Jahr. Unter natürlichen Bedingungen wie zum Beispiel in Nordamerika würde die Population irgendwann an einer natürlichen Kapazitätsgrenze einpendeln. Reding: "In dicht besiedelten Kulturlandschaften haben wir das eigentlich bei kaum einer Art." Hier greife dann in der Regel der Mensch ein, um seine eigenen Bedürfnisse zu schützen. Es gebe unterschiedliche Stellschrauben auch beim Wolf. Reding: "Das Wichtigste wäre zunächst Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und auch Ausgleich von Schäden, die durch den Wolf angerichtet werden." Extrem problematische Fälle könnte man dann durch eine Ausnahmeregelung im Naturschutzgesetz lösen, zum Beispiel durch eine Tötung. Ein weiterer Schritt wäre, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Reding: "Wir können im Moment aber keinen Zeitrahmen angeben, in dem der Schutzstatus der Wolf zu ändern wäre. Das ist auch gar nicht unsere Aufgabe."

Martin Bäumer Foto: Hotfilter


Hier meldete sich der Glandorfer Landtagsabgeordnete Martin Bäumer (CDU). Er hält nach einer Mitteilung ein friedliches Miteinander mit dem Wolf in dichtbesiedelten Räumen für ausgeschlossen und fordert, endlich "effektive Maßnahmen" einzuleiten. „Wenn nicht regelmäßig Tiere durch Verkehrsunfälle sterben würden, hätten wir  im Jahr 2030 in ganz Deutschland zehntausende Wölfe“, sagt Bäumer. Laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium gebe es derzeit etwa 600 Wölfe in Deutschland, nach Einschätzung anderer Experten könnten es aber auch über 1000 Tiere sein. „Dort, wo Wölfe Menschen und Nutztiere gefährden, muss der Abschuss leichter möglich sein“, sagt der Landtagsabgeordnete und unterstützt damit die Forderung der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Sie hatte unlängst eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes gefordert, um Abschüsse von Wölfen zu ermöglichen.


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