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Gegen Atemwegsbeschwerden Mobile Inhalationskammer für Pferde kommt aus Bad Laer

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Pony Karamell hatte seine Sitzung im Solemobil. Er ist sogenannter Ekzemer, reagiert ab Frühjahr allergisch auf Kriebelmückenstiche und neigt dazu sich dann Mähne und Schweifrübe blutig zu scheuern. Dagegen hilft die Sole. Foto: Carolin HlawatschPony Karamell hatte seine Sitzung im Solemobil. Er ist sogenannter Ekzemer, reagiert ab Frühjahr allergisch auf Kriebelmückenstiche und neigt dazu sich dann Mähne und Schweifrübe blutig zu scheuern. Dagegen hilft die Sole. Foto: Carolin Hlawatsch

Glandorf. Mit ihrem „Solemobil“, einem Pferdeanhänger mit integrierter Salz-Inhalations-Anlage, ist Christina Kleinheider aus Bad Laer im Osnabrücker Land unterwegs. Damit hilft sie Tieren mit Atemwegs- und Lungenbeschwerden, Allergien und Ekzemen. Die Pferdepension Frese in Glandorf bietet zudem Behandlungen in einer stationären Salzkammer an.

Die 18-jährige Stute Tinka steht mit weit geöffneten Nüstern in der lila beleuchteten Salzkammer und atmet Sole ein, die aus einem an der Wand befestigten Ultraschall-Vernebler dampft. „Stets 45 Minuten dauert eine Sitzung“, erklärt Christina Kleinheider. Ihr Pferd besucht die Salzkammer nur noch zur Prävention oder um einem anderen Pferd darin Gesellschaft zu leisten. 

Starker Husten und Medikamente

Das war mal anders: Vor sechs Jahren plagte Tinka ein starker Husten. Die vom Tierarzt verschriebenen Medikamente konnten nicht abgesetzt werden, da der Husten dann sofort wieder kam. „Ihr wurde ein halbes Jahr Kortison verabreicht und das in höchster Dosierung“, erinnert sich ihre Besitzerin. Zwei Tierärzte und drei Tierkliniken konsultierte sie in insgesamt eineinhalb Jahren. Nichts half. Die Stute sei nicht mehr belastbar gewesen, hatte akute Atemnot und eine sogenannte Dampfrinne unter dem Rippenbogen, die durch starken Einsatz der Bauchmuskeln bei falschem Atmen entsteht. „Bei einer Kontrolle in der Tierklinik im Frühjahr 2013 hieß es dann, man könne ihr nicht mehr helfen. Tinka müsse aus tierschutzrechtlichen Gründen erlöst werden“, erinnert sich Christina Kleinheider. 

Seeluft gegen Asthma

Eine Nacht Aufschub konnte sie in der Klinik aushandeln. Sie nahm ihr Pferd mit nach Hause und recherchierte verzweifelt die ganze Nacht im Internet. „Immer wieder landete ich dabei im Humanbereich und las, dass Seeluft Asthma lindere. Schließlich entdeckte ich die Möglichkeit der Pferde-Inhalationsmasken“, berichtet Christina Kleinheider. Sie lieh sich eine Maske und bereits nach der ersten Inhalation seien Tinkas auffällige Atemgeräusche verschwunden. Am zweiten Tag konnte die Pferdehalterin das Kortison herabsetzen. Einziges Problem: Tinka warf die an Schläuche angeschlossene Maske ab.

Sowohl die stationäre Kammer in Glandorf als auch das Solemobil sind lila beleuchtet. „Diese Farbe öffnet die Poren der Haut und das Pferd kann noch mehr Sole aufnehmen“, sagt sie. Foto: Carolin Hlawatsch

Nachbau einer Salzkammer

Christina Kleinheider war nun von der positiven Wirkung salzhaltiger Luft überzeugt. Sie überlegte die Stute an der Nordsee unterzubringen. Dort sah sie auf einem Hof zum ersten Mal eine Salzkammer – die Zündung ihrer heutigen beruflichen Tätigkeit. In Glandorfs Ortsteil Sudendorf auf dem Hof Frese fand sie einen geeigneten Ort, um so eine Salzkammer nachzubauen. In der können Pferde ohne den Zwang einer Maske und zusätzlich auch über die Haut solehaltige Luft aufnehmen. Das Salz habe eine ionisierende Wirkung, bilde rote Blutkörperchen und reichere das Blut mit Sauerstoff an. Zudem wirke es nicht nur schleimlösend und verflüssigend, sondern auch entzündungshemmend und antibakteriell. Es bessere die Befeuchtung der Schleimhäute, was den natürlichen Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege aktiviere. Die Pferde würden dadurch deutlich fitter und könnten wieder normal belastet werden.

Farblichttherapie 

Bald zeigten andere Pferdehalter Interesse an der Salzkammer. So beschloss die zweifache Mutter und gelernte Industriekauffrau eine Ausbildung zur Pferdeheilpraktikerin zu absolvieren, damit sie auch anderen Tieren fundiert helfen kann. Es folgte eine Zusatzausbildung für Farblichttherapie im Herbst 2017 und die Einrichtung des „Solemobils“, um möglichst viele Pferde zu erreichen. Für die Tiere, die Angst haben einen Anhänger zu betreten, hält Christina Kleinheider ein weiteres mobiles Inhalationsgerät bereit, welches dann in der jeweiligen Box aufgestellt werden kann. Sowohl die stationäre Kammer in Glandorf als auch das Solemobil sind lila beleuchtet. „Diese Farbe öffnet die Poren der Haut und das Pferd kann noch mehr Sole aufnehmen“, sagt sie. Die Haut funktioniere wie ein Prisma. Die bunten Lichtstrahlen würden weiter geleitet. Grünes Licht habe eine beruhigenden Effekt, braunes wirke schleimlösend. 

Christina Kleinheider mit ihrer bereits von Atemnot geheilten Stute in der stationären Salzkammer in Glandorf. Foto: Carolin Hlawatsch


„Immer mehr Pferde haben Probleme mit Umweltreizen, wie Pollen, Staub und Schimmelpilz“, sagt Christina Kleinheider. Bei leichtem Husten oder akuter Bronchitis reichten meistens zwei Behandlungen im Abstand von drei Tagen. Bei chronischen Erkrankungen setzt sie fünf Einheiten ebenfalls in drei-Tages-Abständen an. 

Turnierpferde müssen Höchstleistung bringen

„Ich nutze die Salzkammer gerne für meine Traber-Stute Lumi, wenn sich Husten abzeichnet“, sagt Hofbesitzerin Kerstin Frese. Sie hält es für wichtig möglichst früh anzufangen, um auf Medikamente verzichten zu können. Ihre Pferde werden im sportlichen Bereich eingesetzt. Gerade für Turnierpferde, die Höchstleistungen erbringen müssen, sei die Lungenfunktion enorm wichtig. Einige Medikamente könnten sogar die Starterlaubnis beim Turnier beeinträchtigen

Von alleiniger Wirkung nicht überzeugt

Viele Tierärzte sind dagegen von der alleinigen Wirkung der Sole nicht überzeugt. „Als Begleit- oder Folgetherapie bei chronischen Lungenproblemen ist die Salz-Inhalation sicherlich sehr gut“, sagt Elisabeth Schulte-Südhoff, praktische Tierärztin für Pferde und Kleintiere und Teilhaberin der Gemeinschaftspraxis Ehrenbrink und Partner in Bad Laer. Allerdings spiele die Haltung der Pferde immer eine große Rolle. Der Staubgehalt in Pferdeboxen sei durch Einstreu sehr hoch. Hinzu kommt Ammoniak durch Urin und Kot, den die Pferde einatmen, gerade weil sie zirka 80 Prozent des Tages ihren Kopf unten halten um Nahrung aufzunehmen. Ein gut belüfteter Stall, auch im Winter, sowie viel Auslauf seien das Wichtigste.  

Kleinheider ist überzeugt

Stute Tinka ist das zweite Jahr in Folge bei der tierärztlichen Untersuchung unauffällig. Zum ersten Mal wachse ihr ein richtiges Winterfell. Christina Kleinheider ist glücklich und überzeugt, dass auch anderen Tieren, wie Hunden, Katzen, Vögeln oder Kaninchen die Sole-Inhalation helfen könne. 


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