Bach gegen Strich gebürstet Mitreißende Konzerte von "Falk & Sons" in Glandorf

Meine Nachrichten

Um das Thema Glandorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Klassische, geistliche Werke im druckvoll-rockigen Klanggewand: "Falk & Sons" und der Crescendo-Chor begeisterten bei zwei Konzerten in Glandorf. Foto: Petra RopersKlassische, geistliche Werke im druckvoll-rockigen Klanggewand: "Falk & Sons" und der Crescendo-Chor begeisterten bei zwei Konzerten in Glandorf. Foto: Petra Ropers

Glandorf. Mit frenetischem Jubel feierten Fans jeden Alters am Freitag „Falk & Sons“ beim ersten von zwei Konzerten in Glandorf. Der Crescendo-Chor hatte Dieter Falk und seine Söhne in die St. Johannis-Kirche geholt.

Keinen Bock auf Bach? Wer so denkt, hat eindeutig keine Ahnung oder noch nichts von „Falk & Sons“ gehört. Die ungewöhnliche „Boyband“ bringt seit zehn Jahren mit großem Erfolg frischen Wind zwischen alte Notendeckel. Ihr mitreißendes Crossover aus Klassik, Rock und Jazz steckt an und füllt mühelos die größten Konzertsäle von Hamburg bis München. Glandorf hätte vielleicht nie auf der Tour-Liste von Dieter Falk und seinen Söhnen Max und Paul gestanden, wäre da nicht der Crescendo-Chor.

Der Glandorfer Chor unter der Leitung von Sonja Mentrup machte nicht nur in der Region mit mehreren Aufführungen des von Dieter Falk komponierten Pop-Oratoriums „Die zehn Gebote“ Furore. Sein Erfolg kam auch dem Komponisten selbst zu Ohren. Viele Mailkontakte folgten, die nun in einem echten Konzerthighlight gipfelten. Dabei schlüpfte Crescendo nicht nur in die Rolle des Veranstalters. Der Chor stand bei sechs Songs auch selbst mit „Falk & Sons“ im zur Bühne umfunktionierten Altarraum der St.-Johannis-Kirche.

Geistliche Musik modernisiert

Schlagzeug, Flügel und Keyboards flankierten den Altar. Lichttechnik setzte die ehrwürdigen Mauern farbig in Szene. Und mittendrin ein Trio, das vom ersten Moment an einen kurzen Draht zu seinem äußerst gemischten Publikum hatte. Schon die ersten Takte ließen dabei aufmerken. Denn Johann Sebastian Bachs berühmte Motette „Jesu, meine Freude“ kam ganz neu, ganz frisch und mit ansteckendem Pep daher. Der Großmeister der geistlichen Musik hat es „Falk & Sons“ angetan. Doch wie lässt sich Bach der jungen Generation heute vermitteln?

Auf diese Frage fand Dieter Falk eine Antwort, die seither nicht nur seine Söhne begeistert. Gemeinsam geben sie mit spürbarer Achtung vor dem Original berühmten Werken ein unverbrauchtes Klanggewand – jazzig-rockig gegen den Strich gebürstet, mit von Max Falk präzise vorangetriebenem Schlagzeug, mit Dieter und Paul Falk wechselnd an Flügel und Keyboards sowie dem satten E-Bass-Sound von Christoph Terbuyken. Da kam der beschwingte, liebliche Bach-Choral „Jesu, bleibet meine Freude“ plötzlich mit zündendem Pep daher und Paul Gerhardts andächtiges „Befiehl du deine Wege“ mit druckvoll-rockigem Rhythmus.

Entfesselte Virtuosität mit rockigem Sound

Und dann erklang sie – die Bach-Toccata mit dem wohl berühmtesten Klanggewitter der Musikgeschichte. Für sie wechselte Paul auf den Orgelboden und entfesselte in perfekter Abstimmung mit seinem Vater am Flügel ein hochvirtuoses, mitreißend verrocktes Sounderlebnis, das ohne jeden Umweg in Bauch und Beine fuhr. Dass im zweiten Teil auch die weihnachtlichen Lieder als „Falk & Sons“-typische Neuinterpretation daherkamen, wunderte nicht.

Zwischendurch ließen Ohrwürmer aus Paul Falks erstem eigenem Album „1000 Lieder“ in bester Deutsch-Pop-Manier aufmerken - mit hörenswerten Texten und einem Sound, der beweist, dass eingängige Songs nicht flach sein müssen. Gleich mehrfach sorgte der Crescendo-Chor für besondere Klangakzente – beim gelungenen Mix von „Leise rieselt der Schnee“ und dem Coldplay-Hit „Fix you“ etwa, beim verjazzten „Nun danket alle Gott“ oder dem Finalsong aus den „Zehn Geboten“.

Wermutstropfen

Und auch die Besucher selbst ließen sich nur allzu gerne animieren, mit zu klatschen, zu summen und sogar dreistimmig mit zu singen. Denn „Falk & Sons“ machen einfach Laune. Nur ein kleiner Wermutstropfen bleibt nach zwei gefeierten Konzerten in Glandorf. Denn die aktuelle Tournee des Familien-Trios ist zugleich der Abschied von „Falk & Sons“. Immerhin: Von Paul Falk wird künftig wohl verstärkt zu hören sein.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN