Bis zu 140 Euro pro Quadratmeter Grundstücke in Glandorfer Baugebiet 60 Prozent teurer

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Noch ist am Dorenberg noch nicht viel zu sehen: Doch bald sollen (falls alles nach Wunsch der Bewerber und der Gemeinde läuft) 12 bis 15 Häuser gebaut werden. Im Hintergrund ist ein Spagelfeld. Hier wird voraussichtlich nicht gebaut. Foto: Andrea PärschkeNoch ist am Dorenberg noch nicht viel zu sehen: Doch bald sollen (falls alles nach Wunsch der Bewerber und der Gemeinde läuft) 12 bis 15 Häuser gebaut werden. Im Hintergrund ist ein Spagelfeld. Hier wird voraussichtlich nicht gebaut. Foto: Andrea Pärschke

Glandorf. Die Baugrundstücke am Dorenberg könnten deutlich teurer werden. Im Vergleich zu früheren Baugebieten liegt die Preissteigerung inzwischen bei etwa 60 Prozent. Damit könnten die Quadratmeterpreise in einem Glandorfer Neubaugebiet erstmals über 100 Euro liegen. Das sorgt bei Kaufinteressenten nun für Aufregung.

Denn erstmals liegt ihnen der nun vorläufige und schriftlich festgehaltene Kaufpreis bezüglich der Grundstückspreise vor. 130 bis 140 Euro pro Quadratmeter lautet die vorläufige Schätzung, die nun vorab in einem Brief den Kaufinteressenten mitgeteilt wurde. Im nicht öffentlichen Teil des Rates wird am 23. Oktober über den endgültigen Preis diskutiert und entschieden. Fachdienstleiter Frank Scheckelhoff, der den Ärger der Interessenten versteht, gibt jedoch auch zu bedenken, dass es sich im Vergleich zu umliegenden Gemeinden um einen vergleichsweise moderaten Preis handele.

In Glandorf steigen die Grundstückspreise in einem Neubaugebiet jedoch erstmals deutlich über 100 Euro. Zum Vergleich: Im Baugebiet "Am Wipsenbach" war das Preisniveau deutlich niedriger. Dort kostete der Quadratmeter knapp 83 Euro. Damit liegt die Preissteigerung bei 57 bis 69 Prozent. Die Kaufinteressenten seien "schlichtweg geschockt", heißt es in Briefen, die nun die Verwaltung erreichten und die der Redaktion vorliegen.

Höhere Kosten

Doch was unterscheidet eigentlich das Baugebiete "Am Wipsenbach" vom "Dorenberg III"? "Jedes Baugebiet muss für sich betrachtet werden", erläutert Frank Scheckelhoff, Fachdienstleiter der Gemeinde Glandorf, auf Anfrage der Redaktion.  Im Falle vom "Dorenberg III" liege die Preissteigerung begründet in "einer Kombination aus gestiegenen Grunderwerbskosten und höheren Erschließungskosten". So wurde etwa auch Ackerland teurer. Dies schlug sich auf die Preise nieder, die die Gemeinde für das Grundstück zahlen muss. Die Erschließungskosten seien zudem im Vergleich zum Baugebiet "Am Wipsenbach" gestiegen. Denn zum einen erlebt der Bausektor derzeit Hochkonjunktur. Zum anderen muss zum Beispiel eine Lärmschutzwand aufgestellt werden."Es sind für sich genommen teils keine großen Summen, aber es kommt ein Euro zum anderen", so der Fachdienstleiter. Der Rat müsse nun entscheiden, ob und wie die gestiegenen Kosten für das Baugebiet auf die Käufer umgelegt werden sollen.

Kritik der Interessenten: Keine Transparenz

Doch Kaufinteressenten geht es nicht nur um die "Sachlage", so Ralf Gebhardt, der wie andere Interessenten den relativ langwierigen Prozess einer Baugebietserschließung begleitet hat. Es ging auch um die "Art und Weise" der Kommunikation. "Wurde anfangs von einem Preisniveau vergleichbar mit dem des Baugebietes „Am Wipsenbach“ gesprochen, sind diese unverbindlichen Angaben im vergangenen Jahr bereits mit der Aussage 'um die 100 Euro pro Quadratmeter' revidiert worden", heißt es in einem der Briefe der Kaufinteressenten. In dem Brief der Gemeinde sei nun ohne weitere Erklärung eine weitere mögliche Preissteigerung bekannt gegeben worden. "Wir haben uns immer vorsichtig zu den Preisen geäußert", erklärt Frank Scheckelhoff. Denn oftmals ließe sich während des Genehmigungsprozesses nicht genau abschätzen, wie teuer ein Baugebiet wird: "Erst nach dem Ratsbeschluss weiß ich konkret wie teuer der Quadratmeter wird". Dann würden die Kaufinteressenten jedoch eine konkrete Aufschlüsselung der Preise vorgelegt.

Was sagen die Fraktionen?

Zu den erhöhten Grundstückspreisen
Ute Laumann (SPD): "Wir von der SPD-Fraktion haben gegen die im Schreiben angedeutete Preisfestsetzung gestimmt. Details dürfen wir leider nicht bekannt geben, da es sich um eine nicht-öffentliche Sitzung handelt. Im Verwaltungsausschuss konnten wir uns mit unserer Argumentation leider nicht durchsetzen, wir werden uns aber weiterhin für niedrige Grundstückpreise einsetzen. Das letzte Wort zum Dorenberg ist auch noch nicht gesprochen. Schließlich muss der Preis offiziell durch einen Ratsbeschluss festgesetzt werden. Die nächste Ratssitzung findet am 23.10.2018 statt."
Sebastian Gottlöber (UWG): "Da es sich um eine Verwaltungsausschussangelegenheit handelt werde ich mich zu Details nicht äußern. Allerdings sehe ich beim Betrachten der Zahlen sehr wohl den Spielraum auch eine geringere Preisspanne zu ermöglichen und kann deshalb nur fraktionsübergreifend an alle Ratsmitglieder appellieren, die jetzige Preisspanne im Sinne der Bauwilligen zu überdenken. Es macht keinen Sinn junge Familien bei den Punktekriterien zu stärken, aber nachher über die Preise den Traum vom Eigenheim platzen zu lassen. Das ist unsozial und nicht familienfreundlich."
Ulrich Hengelsheide (CDU): "Wir haben uns alle über die Preise erschrocken. Zum ersten mal wird die Gemeinde für Grundstückspreise in Glandorf über 100 Euro pro Quadratmeter nehmen müssen. Deshalb versuchen wir unser möglichstes zu machen, die Preise so familienfreundlich wie möglich zu gestalten. Denn viel Geld verdienen möchte die Gemeinde an den Grundstücken nicht. Wir können den Kauf der Grundstücke aber auch nicht bezuschussen. Das wäre auch anderen Gegenüber nicht gerecht, die einen solchen Zuschuss nicht bekommen haben. Eine endgültige und transparent nachvollziehbare Kalkulation wird am 23. Oktober öffentlich besprochen. Ich würde die Kaufinteressenten daher bitten, bis dahin zu warten."

Vergleichsweise niedrige Preise

Ralf Gebhardt plädiert dafür, die Preisstruktur zu überdenken: "Uns ist bewusst, dass der Gesamtverkaufspreis je Quadratmeter in umliegenden Gemeinden höher ist. Doch die begrenzte Ausweisung von Neubaugebieten wurde auch damit begründet, dass Glandorf nicht unmittelbaren Einzugsgebiet der großen Städte ist. Dann darf man aber auch nicht die Preise mit umliegenden Kommunen vergleichen, zu deren Selbstverständnis eben dies gehört und deren Gegebenheiten in Bezug auf Schulsystem, Infrastrukturanbindung und Wertbeständigkeit von Grundstücken und Immobilien dadurch ganz andere sind. Gerade auch im Hinblick darauf, dass im Neubaugebiet Familien angesprochen werden sollen".




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