Ein Wohnzimmer für Schlangen und Eidechsen Naturfreunde aus Glandorf hoffen auf Umwelt-Förderpreis

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Blühwiese, Obstbäume, Tümpel und Hecken, jetzt fehlen nur noch die passenden „Möbel“ damit Reptilien in das Biotop einziehen können. Darauf hoffen (von links) Hermann Schulze Leusing, Flächenbesitzer, Alfons Heuger und Hans-Jörg Klingebeil von den Naturfreunden Glandorf. Foto: Carolin HlawatschBlühwiese, Obstbäume, Tümpel und Hecken, jetzt fehlen nur noch die passenden „Möbel“ damit Reptilien in das Biotop einziehen können. Darauf hoffen (von links) Hermann Schulze Leusing, Flächenbesitzer, Alfons Heuger und Hans-Jörg Klingebeil von den Naturfreunden Glandorf. Foto: Carolin Hlawatsch

Glandorf. Zu einem neuen Lebensraum für Schlangen und Eidechsen sollen zwei ehemalige,1,6 Hektar große Ackerflächen in Glandorf-Sudendorf werden, die die Naturfreunde Glandorf bereits zu Blühwiesen umgestaltet haben. Um ein wertvolles Reptilien-Refugium realisieren zu können, bewirbt sich der Verein, als einer von fünf Kandidaten, beim Umwelt-Projekte-Wettbewerb der Teutoburger Energie Netzwerk eG.

Trotz des trockenen, heißen Sommers und obwohl schon Frühherbst blüht es noch immer auf Hermann Schulze Leusings Wiese, die er als Kompensationsfläche dem Naturschutz widmet. Die Naturfreunde Glandorf haben die Fläche mit dem Ausbringen von regionalem Saatgut und der entsprechenden naturnahen Pflege in den vergangenen Jahren zu einem Refugium für Insekten, Vögel und Niederwild gemacht.

Feuchtbiotop für Amphibien

Zusammen spazieren die Naturfreunde Alfons Heuger und Hans-Jörg Klingebeil an diesem sonnigen Nachmittag Mitte September über die Blühwiese und erfreuen sich an zahlreichen Hummeln die um Flockenblumen, Margeriten und Schafgarbe summen. Auch Heuschrecken springen ihnen um die Beine. Die Wiese ist umrandet von Obstbäumen alter Apfelsorten und mehrreihigen Hecken bestehend aus heimischen Gehölzen, die Schattenareale und Unterschlupf für Tiere bieten. Auch ein Feuchtbiotop für Amphibien haben die Naturfreunde dort angelegt. „Jetzt fehlt es nur noch an der richtigen Möblierung und auch Ringelnatter, Blindschleiche und Co. können einziehen“, meint Hans-Jörg Klingebeil. 

Obwohl schon Herbst, blüht und sprießt, fleucht und kreucht es auf den, von den Naturfreunden angelegten Blühwiesen in Glandorf. Foto: Carolin Hlawatsch


Echsen wie die Blindschleiche bevorzugen geschützt gelegene trockene Sonnenplätze, beispielsweise auf Totholz oder Steinen. „Wenn wir den TEN-Umweltpreis gewinnen, können wir im Sommer 2019 dank der Förderung mit der Reptilien-freundlichen Einrichtung beginnen“, plant Alfons Heuger, Vorsitzender der Naturfreunde Glandorf. Als erstes sollen ein Trockenareal und eine Trockenmauer angelegt werden, wofür tonnenweise Natursteine, Sand, Kies und viel Totholz benötigt werden. In den Lücken einer Natursteinmauer fühlen sich viele kleine Tiere wohl und von im Boden eingebrachten Kies profitieren zudem erdnistende Wildbienen.

Lebensraum für die Zauneidechse

Vorbild für das von den Naturfreunden geplante „Wohnzimmer für Echsen und Schlangen“ ist ein Gebiet im Kreis Wesel am Rand des Diersfordter Waldes. Dort hat eine Privatinitiative einen strukturreichen Lebensraum für viele heimische Tier- und Pflanzenarten geschaffen, der auch der stark gefährdeten Zauneidechse gefiel. 1992 zog sie in das Gebiet ein und wuchs dort zu einer großen, für den Erhalt dieser Art bedeutenden Population an. 

„In dem zweiten Areal, welches uns für unser Projekt zur Verfügung steht, wurden bereits Ringelnattern gesehen“, berichtet Alfons Heuger. Der Eigentümer dieser Fläche mähe einen Teil um sein Haus herum. Das abgemähte Gras lege er er als Kompost ab. Die im Komposthaufen entstehende Wärme nutze die Ringelnatter, um darin ihre Eier abzulegen. Weiterer Vorteil für die Schlange ist dort ein nahegelegner Tümpel, wo sie kleine Frösche oder auch kleine Fische als Nahrung findet. Man erkenne die schwarze Ringelnatter gut an der gelben Halbmond-Zeichnung in ihrem Nackenbereich.

Fortwährende Pflege wichtig

Entscheidend für Ansiedlung und Erhalt von Schlangen, Eidechsen und anderen Reptilien, wie zum Beispiel dem Laubfrosch, seien laut den Naturfreunden, neben der Schaffung geeigneter Strukturen auch fortwährende Pflegemaßnahmen der Flächen. Die Blühwiesen müssen zweimal im Jahr gemäht werden und einer Verbuschung muss durch entfernen junger Triebe entgegengewirkt werden. Nur so blieben offene, sonnige Flecken und Artenvielfalt erhalten.

Seit nunmehr 30 Jahren setzen sich die Naturfreunde Glandorf, die im Dezember ihr Jubiläum feiern, für die Natur im südlichen Osnabrücker Landkreis ein. Mit dem Beschneiden von Hunderten von Kopfweiden erhalten sie altes Natur- und Kulturgut, sie legen Blühwiesen an und schaffen Nistplätze für Steinkauz, Schleiereule und Mauersegler. Auch beratend ist der Verein im Bereich regionaler Naturschutz aktiv. Informationen und Kontakt: www.naturfreunde-glandorf.de.


TEN-Umwelt-Wettbewerb

Die Teutoburger Energie Netzwerk eG (TEN) bietet seit Januar 2018 ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen an. Für jede verbrauchte Kilowattstunde wird ein gewisser Beitrag in einen Fördertopf eingezahlt, aus dem regionale Umweltprojekte unterstützt werden. Im Rahmen eines Wettbewerbs eifern nun fünf ausgesuchte Projekte um die Förderpreise. Die drei Aktionen mit den meisten Stimmen erhalten jeweils 3000 Euro. Abgestimmt werden kann bis zum 30. November auf www.ten-eg.de/privatkunden/strom/oekostrom-re/abstimmung.

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