Hersteller medizinischer Produkte in Glandorf Werksleiter von B. Braun über Mitarbeiter, Investitionen und eine Bombendrohung

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Matthias Mansla (B.Braun) freut sich über die positive Entwicklung des Werks von B.Braun Avitum. Die neue Linie des Medizinprodukteherstellers läuft gut. Foto: Swaantje HehmannMatthias Mansla (B.Braun) freut sich über die positive Entwicklung des Werks von B.Braun Avitum. Die neue Linie des Medizinprodukteherstellers läuft gut. Foto: Swaantje Hehmann

Glandorf. Bunte Kinderzeichnungen hängen an der Wand in dem Büro von Matthias Mansla. Er ist der Werksleiter des Glandorfer Werks von B. Braun Avitum. "Ich sehe meine kleine Tochter tagsüber wenig, da muss das schon sein", sagt er und berichtet außerdem, wie das Werk, das medizinische Produkte herstellt, eine 180-Grad-Wendung hinlegte, wie die Mitarbeiter die Bombendrohung erlebten und was für ihn im täglichen Miteinander wirklich zählt.

Herr Mansla, Sie haben ja derzeit viel zu tun. Die Bauarbeiten an dem neuen Logistik-Komplex beginnen jetzt gerade. Das ist der zweite Millionen-Euro-Komplex innerhalb von zwei Jahren. Es gab Jahre, in denen hätte man das nicht erwartet. Wie haben Sie das gemacht?

Wir freuen uns sehr darüber, dass der B. Braun-Vorstand uns das Vertrauen entgegenbringt, hier langfristig in den Standort Glandorf investieren zu können. Aber sie sprechen es an, es gab auch andere Momente. Es gibt ja ganz unterschiedliche Gründe, warum ein Unternehmen in Schieflage gerät. Dazu gehören nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch, dass die Motivation aufgrund eines bestimmten Arbeitsklimas bei vielen Mitarbeitern nicht mehr da war. Viele haben haben dann einfach ihr Potenzial und ihr Können nicht mehr 100-prozentig eingebracht

Wie kann man das ändern?
Neben ganz klassischen Sanierungsmaßnahmen haben wir wieder den Mensch in den Mittelpunkt gestellt, und einen neuen Werteprozess begonnen, den wir „Können, wollen, dürfen“ nennen. Voraussetzung dafür ist eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens und flache Hierarchien. Jeder Mensch, der in einer hierarchischen Struktur steckt und in seiner Arbeit streng reglementiert ist, verliert die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten und will dann irgendwann auch nicht mehr. Für uns bedeutet „können“ diese Hierarchien aufzubrechen und die Kompetenzen unserer Mitarbeiter zu nutzen und zu fördern, auch über Fortbildungen durchzuführen und Weiterqualifizierung. Wer eigene Ideen einbringt und Verantwortung für seine Arbeit übernehmen darf, entwickelt automatisch ein „wollen“.

Woran merken Sie, dass so ein Prozess wirklich etwas verändert?
Wir produzieren derzeit eine Menge, es gibt viele Zusatzaufträge. Für die Mitarbeiter bedeutet das auch Zusatzschichten. Sie melden sich freiwillig. Das ist ein gutes Zeichen für unser Betriebsklima.

"Wir haben daraufhin alle Mitarbeiter evakuiert."Matthias Mansla, B. Braun Avitum

Gibt es Dinge im menschlichen Zusammenleben, die Ihnen besonders wichtig sind?
Da sind Themen, die genauso in der Familie gelten wie auch im Arbeitsleben: Miteinander reden, Feedback geben und Themen offen ansprechen. Manchmal steht man beispielsweise zusammen, spricht und fragt "wie geht's". Dann sagt man "ach so lala"...

... und die Leute antworten darauf, "achja, prima".
Ja genau, man merkt, die Person hat gar nicht zugehört. Ich finde das aber besonders wichtig. Die Menschen sollen merken, dass man sich für sie interessiert, dass man bei all den Zahlen und Kalkulationen das Menschsein nicht vergisst. Das wird auch hier im Werk immer wieder deutlich. Bei uns gab es letztens eine Bombendrohung. Wir haben daraufhin alle Mitarbeiter evakuiert. Die Produktion kam zum Erliegen und das ganze Werk wurde von Spezialkräften durchsucht. Einer der Pförtner sagte später zu mir: "Aber den Mitarbeitern geht es gut. Das ist das "wichtigste". Das ist eine Atmosphäre, die es aber auch werksübergreifend gibt.

Sie haben damals im April eine Schicht nach Hause geschickt und eine Schicht ausfallen lassen. Wie ist die Sache eigentlich ausgegangen? Konnte der Anrufer ermittelt werden?
Nein. Es gibt auch keine neuen Erkenntnisse. 

Ich könnte mir vorstellen, man fühlt sich etwas mulmig, wenn es so eine Drohung gab und man zum ersten mal wieder über das Gelände läuft.
Im ersten Moment ist es natürlich merkwürdig. Aber davon ist nichts zurück geblieben, auch nicht bei den Mitarbeitern.

"Wir haben momentan 480 Mitarbeiter hier am Standort."Matthias Mansla, B. Braun Avitum

Und jetzt nochmal gegen Ende des Gesprächs zu den harten Fakten. Wie viele Mitarbeiter haben Sie wieder eingestellt?
Wir haben momentan 480 Mitarbeiter hier am Standort, damit liegen wir über der Mitarbeiterzahl von 470, die wir in den Hochzeiten vor der Krise beschäftigt haben. 

Das klingt ja so, als wenn nach dem Start der neusten Produktion von Konzentraten für die Dialyse und Infusionslösungen alles gut gelaufen wäre.
Wir sind auf dem richtigen Weg. Natürlich gibt es bei einer neuen Produktionslinie anfangs Optimierungsbedarf und es wird auch einmal  eine Produktionsdurchlauf vernichtet. Das war alles im normalen Bereich, denn unsere Produkte müssen immer wirklich zu 100 Prozent in Ordnung sein. Nun haben wir diese Anfangsschwierigkeiten überwunden. Dieses Jahr werden wir ca. 20 Millionen Einheiten an unserer neuen Linie produzieren. Sieben Tage in der Woche in drei Schichten. Zu sehen, wie sich der Standort entwickelt und die Mitarbeiter dabei sind, das macht Spaß.



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