Unternehmer droht mit Standortschließung Genehmigung weiterer Windräder in Glandorf sorgt für Ärger

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Sehen im Bau der Windräder am Standort Averfehrdener Wüsten eine Gefahr für Mensch und Natur: (von links) Helga Mechelhoff, Christel Steinhorst, Mirjam Reischert und Ora Franz vom Verein Lebensraum erhalten Glandorf. Foto: Carolin HlawatschSehen im Bau der Windräder am Standort Averfehrdener Wüsten eine Gefahr für Mensch und Natur: (von links) Helga Mechelhoff, Christel Steinhorst, Mirjam Reischert und Ora Franz vom Verein Lebensraum erhalten Glandorf. Foto: Carolin Hlawatsch

Glandorf. Der Ärger über die geplanten und bereits realisierten Windparks rund um Glandorf reißt nicht ab. Anwohner, Naturschützer sowie der Verein „Lebensraum erhalten Glandorf“ befürchten Beeinträchtigungen für Mensch und Natur. Ein Unternehmer droht gar, seinen Standort zu schließen.

Nach der Errichtung von vier Windrädern am Liener Landweg in Glandorfs Ortsteil Averfehrden im Jahr 2016 wurde Ende Juli der Bau vier weiterer Windräder genehmigt. Diese jeweils 200 Meter hohen Anlagen sollen als sogenannter „Windpark Schwege“ im Gebiet der Averfehrdener Wüste von der Firma Wöstenwind aufgestellt werden. 

Wohnbebauung im Umkreis

Die nächste Wohnbebauung befindet sich in rund 600 Meter Entfernung zum Windrad, zirka 30 Häuser liegen im Radius von weniger als 1000 Meter. „Wir wollen zumutbare Abstände, aber die sind hier eindeutig nicht gegeben“, bemängeln Christel Steinhorst und Mirjam Reischert, vom Vorstand des Vereins „Lebensraum erhalten Glandorf“. Die dadurch entstehende, gesundheitliche Gefährdung der betroffenen Bürger könne doch nicht einfach missachtet werden, meinen sie. „In der Baugenehmigung Liener Landweg wurde mehrfach erwähnt, dass gesundheitliche Gefährdungen nicht zu erwarten sind. Wie erklärt sich dann die Tatsache, dass es bereits einen von den Krankenkassen anerkannten Abrechnungsschlüssel gibt – für Erkrankungen von Menschen als Folge von Infraschall?“, fragt sich Steinhorst. Sie und ihre Mitstreiter sind davon überzeugt, dass hier wirtschaftliche Interessen dem Schutz der Anwohner sowie dem Artenschutz übergeordnet werden.

Kritik am Landkreis

Als besonders problematisch sehen sie die Rolle des Landkreises Osnabrück als zuständige Genehmigungsbehörde. Der Landkreis agiere nicht unbefangen, da er zu 50 Prozent an den Windkraftanlagen beteiligt und somit nicht nur genehmigende und kontrollierende, sondern auch profitierende Behörde sei. Bereits auf einem Erörterungstermin am 7. Februar trugen sie ihre Einwände im Kreishaus am Schölerberg vor. 

Die Kreisverwaltung betont, dieser Vorwurf sei „nicht haltbar“. Die Untere Immissionsschutzbehörde des Landkreises habe das Verfahren neutral und ordnungsgemäß behandelt. Unter anderem mussten die Antragsteller mehrfach die Antragsunterlagen ergänzen. Dazu wurden strikte Auflagen zum Schutz der Nachbarschaft und der Umwelt angeordnet. Sowohl die Verfahrensdauer als auch der Umfang der Genehmigung würden in keiner Weise darauf hindeuten, dass das Prüfungsverfahren „parteiisch“ durchgeführt wurde. Die Einwender hätten die Möglichkeit, gegen den erteilten Bescheid Widerspruch einzulegen und auch gegebenenfalls gerichtlichen Rechtsschutz in Anspruch zu nehmen. Insoweit könne das Verfahren auch nach der Genehmigungserteilung noch einmal überprüft werden.

Tierschutzauflagen gelockert 

Auch die vom Landkreis angekündigte Ausnahme vom Tötungsverbot für die streng geschützten und windkraftsensiblen Arten Rohrweihe, Feldlerche und Mäusebussard ist nach Ansicht der Gegner nicht hinnehmbar. Dass sich auf Auflagen wie zum Beispiel versprochene Abschaltzeiten der Windräder aus Rücksicht auf Mensch und Natur nicht verlassen werden kann, habe sich bereits an anderen Standorten im Osnabrücker Land gezeigt, so die Anwohner aus Glandorf, dem benachbarten Lienen und der Verein „Lebensraum erhalten“. „Windparks müssen, laut Auflage in der Baugenehmigung, im ersten Jahr der Inbetriebnahme schallvermessen werden. Der Windpark Liener Landweg ist seit dem 31. Dezember 2016 in Betrieb und wurde bislang, angeblich aufgrund der Witterung, noch nicht vermessen“, sagt Christel Steinhorst. Berichte von Windkraft-Anwohnern im Osnabrücker Nordkreis zeigen, dass dort Abschaltzeiten für Fledermäuse nicht eingehalten werden. 

Auch Georgios Pandalis, der etwa 600 Meter vom geplanten Windpark Schwege entfernt ein Unternehmen betreibt, sieht das Projekt kritisch. Bevor der Windpark in Betrieb genommen wird, will er alle Angestellten aus Averfehrden abziehen und den Standort schließen. „Ich kann nicht zulassen, dass meine Mitarbeiter in der Nähe von Windrädern arbeiten. Dann lege ich Averfehrden still“, sagt Pandalis.

Widerspruch und Klage

In der Hoffnung, den Bau der Windräder in der Averfehrdener Wüste noch verhindern zu können, wollen Anwohner Widerspruch beim Landkreis Osnabrück einlegen, parallel dazu Klage vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück einreichen und die Genehmigung des Landkreises zur Prüfung an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz weitergeben.


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