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1500 Narren feiern Rosenmontag Glandorf Helau!

Von Andrea Pärschke, Andrea Pärschke | 27.02.2017, 22:45 Uhr

1500 Narren haben am Montagnachmittag in Glandorf Karneval gefeiert. Kostümiert und mit Seitenhieben, Kamelle und 1000 Würstchen im Gepäck ziehen sie los, um die Macht im Rathaus zu übernehmen. Doch dann kommt die Motorpanne.

Der Motor eines Zugfahrzeuges steht – die Zeit nicht. Fünf Minuten bleiben noch bis der Rosenmontagszug starten soll. Kinder rufen durcheinander, die Blaskapelle spielt sich ein, und die Organisatoren telefonieren hektisch. Und dann – läuft doch alles nach Plan. Denn Glandorf ist gut motorisiert, ein neues Zugfahrzeug ist schnell gefunden. Und schließlich dröhnt die Lkw-Hupe fast pünktlich über den Parkring. Der Zug bewegt langsam Richtung Thie: acht Motivwagen, sieben Fußgruppen. „Gemessen an der Größe Glandorfs ist das gut“, sagt André Winterberg – verkleidet als Zirkusdirktor – während er auf eine kleine Tribüne klettert. Er kommentiert den Zug.

Regionalpolitik im Fokus

Dann rollt der erste Wagen an. Die „Schierluder“ machen den Anfang als Müller, die Mühle vorne weg. „Der Maßstab ist eins zu sieben“, sagt Brigitte Mielenbrink. Im Januar hatte die Gruppe aus Schierloh das Original ausgemessen und mit Holz nachgebaut. Überhaupt zieht sich die sanierungsbedürftige Mühle wie ein roter Faden durch Tag: Die Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann trägt sie als Kopfschmuck – andere nehmen die hohen Sanierungskosten aufs Korn.

 (Weiterlesen: Schwege on Ice beim Glandorfer Rosenmontagszug dabei) 

Einhörner und Drachen

Und bei jeder Gruppe heißt es: Kommando eins: die Füße stampfen, Kommando zwei: die Hände nach oben, Kommando drei: ein großes Helau, getreu dem diesjährigen Motto: „Dat Spektakel leevt – de Thieplatz beevt.“: Einhörner und Drachen, große Tiger und kleine Mäuse: Etwa 1500 Leute sind in diesem Jahr gekommen. „Mehr als beim letzten Mal“, sagt Zugorganisator Paul Harwerth. Viele reisen auch aus dem benachbarten NRW an: Lienen und Füchtorf. „Wir sind aus Bad Rothenfelde hier“, berichtet Margarete Schäfer, eigentlich kommt sie aus Frankfurt: Erst fuhr sie nach Köln und dann zu ihrer Tochter nach Niedersachsen. Aber Karneval – das muss: „Ich habe nachgesehen, wo es hier einen Rosenmontagszug gibt“. Und da lag Glandorf nahe.

Kleine Könige

Während sie das sagt, kommt eine Gruppe kleiner Könige vorbei. Sie sind konstruktiv unterwegs. Rotgewandet und mit Kronen auf den Köpfen halten die Kinder des Christophorus Kindergarten Schilder mit Ideen hoch: Ein McDonald in Glandorf, eine Riesenrutsche auf dem Thie, ein Pony im Kindergarten: All das und noch viel mehr würden sie machen ...

Kritischer Karneval

Doch Karneval in Glandorf ist auch kritischer: „Hochzeit juhuu, auf uns kommt ein Fügel zu“, reimt zum Beispiel die Cique Elite und weist damit auf Probleme Glandorfer Hochzeitspaare hin, Ort und Zeit für ihre Trauung zu finden.

Von Glandorfern für Glandorfer

Vor allem aber ist der Glandorfer Rosenmontag eins: Ein Fest von Glandorfern für Glandorfer. „Man kommt hierher, trifft viele Bekannte“, berichtet Bianca Ellerbrock, die es außerdem schätzt, dass sie die Kinder nicht so leicht aus den Augen verlieren kann. Viele kennen auch die Wagenbauer und Mitglieder der Fußgruppen persönlich. Neu ist in diesem Jahr auch das Finanzierungsmodell: Während in den vergangenen Jahren alle Gruppen ihre Wagen aus eigener Tasche finanzierten, sind in diesem Jahr Gemeinde und Glandorfer Firmen mit im Boot: „Ohne die Firmen hätten wir den Zug so nicht aufziehen können“, sagt Paul Harwerth, der zufrieden ist. Auch in diesem Jahr ist die Operation Helau erfolgreich gewesen.

 (Weiterlesen: Närrisches Programm beim KFD-Karneval)