Acht Monate im Jahr unterwegs Ein Leben für die Kirmes: Bernhard Tovar zurück in Glandorf

Von Andrea Pärschke

Der Glandorfer Bernd Tovar ist fast das ganze Jahr auf Achse. Im Moment hat er seinen Autoscooter in seinem Heimatort aufgebaut. Bei der Sommerkirmes an diesem Wochenende in Glandorf tritt er auch als Veranstalter auf. Foto: Gert WestdörpDer Glandorfer Bernd Tovar ist fast das ganze Jahr auf Achse. Im Moment hat er seinen Autoscooter in seinem Heimatort aufgebaut. Bei der Sommerkirmes an diesem Wochenende in Glandorf tritt er auch als Veranstalter auf. Foto: Gert Westdörp

Glandorf. Bernhard Tovar führt ein Leben auf und für die Kirmes: Acht Monate im Jahr ist er mit seiner Familie und dem Fahrgeschäft unterwegs. Dabei kommt es ihm vor allem auf die Menschen an.

„Alles einsteigen: super Reise, super Fahrt“, die Hupe drönt, die Musik läuft, die Scooter fahren – und Bernhard Tovar ist in seinem Element. Oder besser gesagt: Der vierte Bernhard Tovar ist in seinem Element. Seinen Namensvettern und Vorfahren geht und ging es nicht anders. Denn nicht nur der Name wird in seinerFamilile weitergegeben – auch mit dem Kirmes-Fieber infiziert sich Generation für Generation: zuletzt der jüngste Spross. Denn dieses Leben von Kirmes zu Kirmes muss einem schon in Fleisch und Blut übergegangen sein. Nicht nur die Musik, der Rummel – auch das Leben im 30 Quadratmeter großen Wohnwagen, mit wöchentlich wechselnden, Menschen, Orten, Schulen. „Meine Frau packt jede Woche den ganzen Haushalt zusammen“, berichtet der Familienvater. Acht Monate lang –und genauso lieben sie es.

(Weiterlesen: Autoscooter 2014 mit neuen Wagen)

Zuerst infiziert, hat sich der erste Bernhard Tovar. Eines Tages lud der Urgroßvater sein Haushaltswarengeschäft und viel Lebkuchen auf einen Karren und zog los. Später kamen erste einfach Fahrgeschäfte dazu, dann ein Kettenkarussell. Anfang der 60er kaufte die Familie schließlich den ersten Autoscooter. „Damals waren die Stoßstangen noch aus Eisen“, berichtet der vierte Bernhard Tovar. Deshalb hieß es Rücksicht nehmen, statt draufzuhalten. Zumindest auf der glatten Scooter-Fläche macht Letzteres für Tovar einen Reiz des Fahrgeschäfts aus. Vor allem ist der Autoscooter auch ein Treffpunkt der Jugend. Denn früher oder später kommt jeder einmal vorbei. Sehen und gesehen werden heißt das zweite Erfolgsrezept des Dauerbrenners.

Für alle Fälle die richtige Musik

Für Bernhard Tovar bedeutet das vor allem auch Arbeit. Bis zu zwölf Stunden sitzt er im Kassenhäuschen, verkauft Chips, klopft Sprüche. Doch auch wenn er es nicht zugibt: Es steckt so viel mehr dahinter. Er animiert, lässt die Stimmung hochkochen und bremst, wenn es sein muss. „Ich sehe den Leuten an der Nasenspitze an, ob es Ärger gibt“, sagt er. Das richtige Wort zur richtigen Zeit bewirkt dann wahre Wunder. Diese Erfahrung hat er in seinen Jahren auf der Kirmes schon oft gemacht. Und für alle Fälle spielt die Musik, die beim Autoscooter noch mehr als bei anderen Fahrgeschäften im Mittelpunkt steht. Ich spiele dann etwas ruhigeres“, so Tovar. Meistens klappt es. In Glandorf ist die Stimmung beisher jedenfalls immer gut gewesen. Wie ein DJ legt er auf. Wenn viele Jugendliche da sind, spielt er die Charts hoch und runter. Später am Abend legt er dann auch den ein oder anderen Pop- und Rockklassiker auf. Persönliche Vorlieben hat er nicht.

Alte Freunde

Viel Zeit bleibt ihm bei seinen acht bis neun Monaten auf Tour ohnehin nicht für sich selbst. Aber manchmal gibt er das Ruder ab. Dann schlendert er über den Jahrmarkt, isst eine Bratwurst – und trifft alte Freunde. „Man kommt so viel rum, trifft so unterschiedliche Menschen und mit manchen befreundet man sich“, sagt er. Villeicht ist es auch das, was er an seinem Leben auf Achse besonders schätzt.


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