Eine Fahrt zweieinhalb Stunden Warum Glandorf einen Bürgerbus braucht

Meine Nachrichten

Um das Thema Glandorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Vorsitzenden des Bürgerbusvereins Normann Scheckelhoff (links) und Udo Nickel suchen nach Fahrern. Foto: Andrea PärschkeDie Vorsitzenden des Bürgerbusvereins Normann Scheckelhoff (links) und Udo Nickel suchen nach Fahrern. Foto: Andrea Pärschke

Glandorf. Die Planungen für den grenzübergreifenden Bürgerbus laufen auf Hochtouren. Unter Federführung der Gemeinden soll es in Zukunft möglich sein, zwischen Lienen und Glandorf mit dem Bus zu pendeln. Warum das auch dringend nötig ist, berichten die Vorsitzenden des Bürgerbusvereins.

Acht Kilometer liegen zwischen Glandorf und Lienen. Das ist entweder ein Katzensprung oder eine halbe Weltreise – je nach dem, wie sie genommen werden. „Mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man etwa zweieinhalb Stunden“, sagt Udo Nickel, Vorsitzender des Bürgerbusvereins. Denn zunächst geht es von Lienen nach Lengerich, von dort nach Osnabrück und dann nach Glandorf. Ein Umweg, den wohl kaum jemand in Kauf nehmen wird, um zum Nachbarort jenseits der Landesgrenze zu kommen. Denn genau hier liegt wohl der Hase im Pfeffer: Busse machen an der Landesgrenze oftmals halt. Zumal gerade die ländlichen Gefilde zwischen den Ortskernen ohnehin ein schwieriges Pflaster für gewerbliche Transportunternehmen sind. Ein Problem für alle Menschen ohne Führerschein.

Eine Art Sicherheitsnetz

Wie etwa für die Tochter des Glandorfers Normann Scheckelhoff, die zugleich auch die Hauptmotivation des Vorsitzenden waren, sich als Fahrer zu melden. Die beiden leben in Lienen und gehen in Glandorf zur Schule. Kein Schulbus fährt zwischen den Orten. Die einzige Möglichkeit, die Strecke zu überwinden, ist das Rad – oder das „Elterntaxi“. Bisher kein Problem. „Aber Jugendliche müssen auch mal alleine losfahren können“, sagt der Vater. Bestenfalls so, dass die Eltern nicht ständig in Sorge sind, weil die schnell befahrene Landstraße dunkel ist und die jungen Leute bei schlechtem Wetter völlig durchnässt in der Schule oder bei Freunden ankommen. Hinzu kommt, das der Fahrer in Notfällen aufpasst. Der Bürgerbus als Sicherheitsnetz.

Anteil nehmen

Eine weitere Zielgruppe sind Leute wie „Oma Hilde aus Schwege“, berichtet Udo Nickel: „Viele Menschen mit Rollstuhl oder Gehhilfe sind ohne Hilfe an ihrem Wohnort festgebunden“. Das gelte vor allem für die abgelegeneren Orte, die der Kleinbus mit acht Plätzen ansteuert. Deshalb soll der Bus barrierefrei sein. Denn alle sollen Anteil nehmen.

Planungen auf Hochtouren

Um das zu ermöglichen, laufen derzeit die Planungen auf Hochtouren. In Zusammenarbeit mit Planos, einer Planungsgesellschaft für Nahverkehr, wurde bereits ein Fahrplan aufgestellt und die Streckenführung festgesetzt: Hauptpunkte sind der Bahnhof Kattenvenne, das Rathaus Lienen und der ZOB in Glandorf. „Die Route wird stündlich abgefahren“, berichtet Udo Nickel. Abwechselnd geht es rechts und links in die Rundstrecke, so das die Fahrgäste besser planen können. Gefahren wird zwischen acht und zehn Uhr sowie zwischen 12 und 17 Uhr. Mittlerweile haben sich mit knapp über 20 Personen genug Fahrer gemeldet. Daher kann nun auch der Förderantrag an die Landesregierung NRW gestellt werden, die sich an den Anschaffungskosten für den Bürgerbus beteiligt. Auch nach einem Fahrzeug wird derzeit Ausschau gehalten, damit es Anfang des kommenden Jahres losgehen kann.

Eine Bereicherung für die Fahrer

Bis dahin hoffen Udo Nickel und Normann Scheckelhoff noch mehr Fahrer zu finden, um die Arbeit für jeden einzelnen möglichst gering zu halten. Denn einen Bürgerbus zu fahren, bedeutet viel mehr als „Tür auf, Tür zu“: „Man hat die Möglichkeit Menschen zu helfen, kommt mit ihnen ins Gespräch, lernt sie kennen“, berichtet Udo Nickel von der sehr persönlichen und kommunikativen ehrenamtlichen Arbeit, die auch eine Bereicherung für den Fahrer sein kann. Doch es geht nicht nur ums Fahren. Auch das Vereinsleben soll nicht zu kurz kommen. „Wir brauchen die Leute nicht nur zum fahren, wir wollen auch, dass sich alle im Verein wohlfühlen“, sagt Normann Scheckelhoff und Udo Nickel fügt hinzu: „Es macht schlicht und ergreifend Spaß, einen Bürgerbus zu fahren“.


Fahrer gesucht

„Die Fahrergewinnung wird ein dauerhaftes Thema für den Verein sein“, sagt Normann Scheckelhoff. Das haben auch Gespräche mit anderen Bürgerbusvereinen ergeben. Passives Mitglied sowie ehrenamtliche Fahrer sind willkommen. Die Hürde ist nicht sehr hoch. Fahrer benötigen neben ihrem Führerschein (Klasse B) lediglich einen kleinen Personenbeförderungsschein. Benötigt wird dazu ein erweitertes Führungszeugnis und eine Augenuntersuchung. Kosten und Organisation übernimmt der Verein. Weitere Informationen gibt es entweder bei Normann Scheckelhoff im Milenio Art Tattoo-Studio, Münsterstraße 4 in Glandorf oder bei der Mitgliederversammlung am 2. August um 19 Uhr im Haus des Gastes in Lienen.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN