Fünf Monate auf Bewährung Glandorfer fährt alkoholisiert zum Amtsgericht

Von Heiko Kluge

Amtsgericht Bad Iburg, hier fuhr der Angeklagte mit dem Auto vor – erneut alkoholisiert. Foto: Michael SchwagerAmtsgericht Bad Iburg, hier fuhr der Angeklagte mit dem Auto vor – erneut alkoholisiert. Foto: Michael Schwager

Glandorf/Bad Iburg. Ein Glandorfer, der sich wegen zwei Trunkenheitsfahrten verantworten musste, fuhr im Auto vor dem Bad Iburger Amtsgericht vor. Diesmal mit mehr als drei Promille. Das war Ende Januar. Dafür bekam der 57-Jährige jetzt fünf Monate auf Bewährung.

Ende Januar war der 57-Jährige vor dem Amtsgericht in Bad Iburg zunächst zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt worden. Während der Verhandlung sei ihm die erhebliche Alkoholisierung des Mannes nicht aufgefallen, erinnerte sich der Richter. Auf seine Nachfrage hatte der 57-Jährige verneint vor der Verhandlung getrunken zu haben und darüber hinaus behauptet, dass ihn seine Freundin von Glandorf zum Iburger Gericht gefahren habe.

Parkplatz vergessen

Doch kurz nach dem Ende der Verhandlung war der 57-Jährige in der Wachtmeisterei des Gerichts vorstellig geworden, weil er sein Auto nicht finden konnte. Laut Akte habe der Mann vermutet, dass sein Wagen vom Parkplatz des Gerichts gestohlen worden sei, sagte der Richter. Auch die Freundin, die den Mann angeblich zur Verhandlung gefahren haben sollte, löste sich in Luft auf. Der mittlerweile eingeschalteten Polizei gegenüber soll der 57-Jährige gesagt haben, dass er ihren Namen und Telefonnummer nicht kenne. Schließlich räumte er ein, dass gar keine Freundin existiere. Wie er von Glandorf zur Verhandlung gekommen sei wisse er nicht. Die Polizei fand wenig später das Auto des Mannes auf einem Parkplatz in der Münsterstraße. Wie sich herausstellte, war der 57-Jährige mit 3,17 Promille auch erheblich alkoholisiert. Mehr aus Glandorf im Netz

Zunächst wollte der Angeklagte zu dem Vorwurf der Trunkenheitsfahrt keine Angaben machen, erklärte aber nach kurzer Beratung mit seinem Anwalt, dass er sich doch äußern wolle. Allerdings waren seine Erinnerungen an den fraglichen Tag, vermutlich aufgrund der hohen Alkoholisierung, äußerst lückenhaft. „Ich habe noch in Erinnerung, wie ich zu Hause losgefahren bin“, sagte der 57-Jährige. Aber wie er nach Bad Iburg gekommen sei und wo er das Auto abgestellt habe, das wisse er nicht mehr. Auch an die Blutentnahme zur Bestimmung des Alkoholisierungsgrades bei der Polizei habe er keinerlei Erinnerungen.

Letzte Chance

„Sie haben ein ganz massives Alkoholproblem“, meinte der Richter. „Machen sie etwas dagegen.“ Er sei schon dabei, sich einen Therapieplatz zur Behandlung seiner Alkoholerkrankung zu suchen, antwortete der Angeklagte. Unter Einbeziehung der früheren Verurteilung forderte der Staatsanwalt, den 57-Jährigen wegen der neuerlichen Trunkenheitsfahrt, die der Mann auch unternommen hatte, ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Monaten zu verurteilen. Nur weil sich der Angeklagte dazu bereit erklärt habe, eine Therapie zu machen, könne die Strafe auch noch zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Behandlung brauche er, „sonst leben sie nicht mehr lange“, betonte der Staatsanwalt. „Das ist eine Chance für sie, dass sie noch ein paar Jahre gut leben können.“

Das Gericht entsprach dem Strafantrag des Staatsanwalts und erteilte dem 57-Jährigen die Weisung, binnen dreier Monate eine stationäre Alkoholentwöhnungstherapie zu beginnen und nicht ohne ärztlichen Rat abzubrechen. „Weisung heißt: Sie müssen das machen, sonst riskieren sie den Widerruf der Bewährung“, führte der Richter dem Mann vor Augen. Während der auf drei Jahre angesetzten Bewährungszeit soll dem 57-Jährigen ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt werden. Zusätzlich machte es das Gericht dem 57-Jährigen zur Auflage, sein Auto innerhalb von zwei Monaten zu verkauften und eine Geldauflage von 500 Euro an die Staatskasse zu zahlen.

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