Da gackern die Hühner In 60 Tonarten vor der Glandorfer Johanniskita

Von Andrea Pärschke


Glandorf. Das Hühnermobil ist da: Vier Wochen kümmern sich die Kinder des Johanniskindergartens um die bekammten Tiere – und werden dabei zu Hühnerexperten. Von der Haltung bis hin zu Schrumpeleiern gibt es für Groß und Klein einiges zu entdecken.

„Man hört eine gesunde Herde“, sagt der Besitzer des mobilen Hühnerstalls Sascha Wahnschaffe zufrieden. Seit etlichen Jahren verleiht er die Hühner an Kindergärten und Schulen. Momentan gackern seine Lieblinge in 60 verschiedenen Tonarten im Johanniskindergarten. Neben den knallroten Kämmen und den gelben Beinen sei eine möglichst nuancenreiche Stimmkulisse ein guter Indikator für die Gesundheit der Tiere. Dazwischen sind noch andere Töne: Kinderstimmen. Lea traut sich sogar die Tiere zu streicheln. „Sie sind ganz weich“, berichtet auch Friedrich, nachdem er ebenfalls eines der Hühner über den Flügel streichelt. Er trägt seine Arbeitshose, denn die Kinder seiner Gruppe übernehmen für diese Woche alle Aufgaben, die in einem Hühnerstall anfallen. Jeder soll einmal dran kommen.

Hühner auf der Stange

Momentan füttern sie die Tiere, die alles bekommen, was das Hühnerherz begehrt: „Apfelscheiben, Kartoffelschalen und Rosinen“, zählt Sascha Wahnschaffe auf – im Grunde viele Dinge, die auch im heimischen Garten wachsen. Auf die Idee, 21 Hennen und einen Hahn in den Kindergarten zu holen, kam Erzieherin Kerstin Knappheide. In einer Einführung hat er den Erzieherinnen des Johanniskindergarten alles erzählt, was sie über Hühnerhaltung wissen müssen – und noch viel mehr. „Es ist ein bisschen Mehraufwand“, sagen sie, aber einer, der sich lohne. Vor allem wenn eine der Erzieherinnen den Hühnern abends einen letzten Besuch abstattet, um den mobilen Stall zu schließen. „Wenn man nicht zu früh kommt, dann sitzen sie schon im Stall“, sagt Erzieherin Andrea Gerding begeistert. Genauso, wie man es sich vorstellt: Wie die Hühner auf der Stange.

Ein Schrumpelei

Lea, Mareike und Frederik haben mittlerweile alles an die Hühner verfüttert. Nun öffnen eine Klappe am Rand des Eiermobils und holen das Gelege der Tiere heraus. Zwischen elf und 18 Eier finden die Kinder hier jeden Tag. Wer nun glaubt, dass ein Ei dem anderen gleicht, irrt sich allerdings. „Wir haben auch ein ganz Schrumpeliges gefunden“, sagt Andrea Gerding. Im ganzen Kindergarten ist es schon herumgereicht worden. „Hin und wieder legen Hühner auch solche“, erläutert Sascha Wahnschaffe. Denn auch Eier legen kann schon mal ermüdend sein. Schlimm ist das aber nicht – weder für das Huhn noch für den Geschmack des Eis. Und genau auf solche Informationen und Erkenntnisse haben es die Erzieherinnen angelegt. „Wir wollen, dass die Kinder wissen, woher ihre Lebensmittel kommen“, so die Kita-Leiterin Elisabeth Mennemann. Mehr aus Glandorf im Netz

Ein gutes Lebensmittel hat keine Inhaltsangabe

Dann erreicht ein guter Geruch die Nase der Reporterin. Der Ursprung ist schnell bei einem Blick in die Räume der St.-Johannis-Kita gefunden: Es brutzeln Spiegeleier auf einer mobilen Herdplatte. „Wir kochen momentan auch regelmäßig“, so Kerstin Knappheide: Rührei, hart- oder weich gekochte Eier, Pfannkuchen. Und das ist noch nicht alles: Denn die Kinder werden zu Hühner-Experten: So werden die Eier zunächst fünf Tage im Flur der Kita stehen gelassen – denn so lange dauert der Reifeprozess: „Je leichter das Ei danach aus der Schale geht, umso schlechter ist die Qualität“, so Sascha Wahnschaffe. Entsprechend schwer sind die Eier seiner Hühner zu pellen. Überhaupt vertraut er vor allem Lebensmitteln pur: „Ein gutes Lebensmittel hat keine Inhaltsangabe“, sagt er. Diese Begeisterung färbt ab. Die Kindergartenkinder saugen nicht nur alle hühnerrelevanten Informationen auf – sie erzählen auch zu Hause ganz begeistert von dem Projekt. „Es kommen auch viele Eltern vorbei und wollen die Hühner mal sehen“, so Kerstin Knappheide.