Brutbiotop gemulcht Glandorfer Naturschützer sauer: Rohrweihe vertrieben

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Glandorf. Die Mitglieder des Vereins „Lebensraum erhalten Glandorf e.V.“ sowie weitere Naturfreunde aus der Region sind aufgebracht: Binnen kürzester Zeit wurde ein Brutbiotop der gefährdeten Greifvogelart Rohrweihe in Glandorfs Ortsteil Sudendorf zerstört.

Wo vor drei Wochen noch Fadenkraut, Brombeersträucher, Schilf und kleinere Gehölze wuchsen, findet man nun eine öde, gemulchte Fläche vor. Die in geschützten Bereichen am Boden brütende Rohrweihe, die Ende März aus ihrem Überwinterungsgebiet aus südlichen Gefilden zurückkehrt, kann dort nun nicht mehr ihren Nachwuchs groß ziehen. Sämtlicher schützender Bewuchs wurde abgemäht.

Ersatzaufforstung

Auf der etwa ein Hektar großen Fläche, die auf dem Grund der Familie von Fürstenberg liegt, stand vor rund acht Jahren ein Wäldchen mit Fichtenbestand. Doch als sich dort der Borkenkäfer breitmachte, mussten die Nadelbäume abgeholzt werden. Als Ersatzaufforstung wurden mit Förderung des Landkreis Osnabrück einige Obstbäume angepflanzt. Im Laufe der letzten Jahre ist dort durch zunehmenden Bewuchs ein idealer Lebensraum für die seltene Rohrweihe entstanden.

„Die Streuobstwiese wurde damals als Naturschutzmaßnahme angelegt und bedarf gewisser Pflege, zu der ich als Eigentümer verpflichtet bin. Diese Pflegemaßnahmen wurden in den vergangenen Jahren nur sehr geringfügig per Hand durchgeführt, um die Rohrweihe nicht zu stören. Man hätte das Mulchen verhindern können, wenn man Gift gespritzt hätte, was bekanntlich noch ganz andere Nachteile mit sich brächte“, begründet Franz Freiherr von Fürstenberg den Eingriff. Es täte ihm leid, den Unmut des Vereins Lebensraum erhalten Glandorf erregt zu haben, aber er gehe davon aus, dass die Rohrweihe sich problemlos ein anderes Brutgebiet suchen wird, wahrscheinlich gar nicht sehr weit entfernt. (Weiterlesen: Bürgermeisterin im Interview – „Ich sehe an der Bever noch keine Windräder stehen“)

Der Windkraft im Weg

Christel Steinhorst, Vorsitzende des Vereins Lebensraum erhalten Glandorf ist wütend. Hier sei gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen worden, welches verbiete Fortpflanzungs- oder Ruhestätten von besonders geschützten Wildtieren zu beschädigen oder gar zu zerstören. Zusammen mit ihrem Verein hatte sie selbst 2017 für das Gebiet, das direkt an das Flüsschen Bever grenzt, eine Vogelkartierung speziell für Rohrweihe und Rotmilan in Auftrag gegeben und damit Vorkommen der Rohrweihe belegt. Der Hintergrund: Die PEG Landvolk Energie GmbH aus Bad Essen plant zwei Windkraftanlagen in Sudendorf für die sie aus Reihen der Anwohner und Naturschützer viel Gegenwind bekommt. „Die Windräder dürfen laut Windenergieerlass nur dort aufgestellt werden, wo der Abstand zu einem Rohrweihen-Biotopbrutplatz mindestens 1000 Meter beträgt“, erklärt Christel Steinhorst. Einer der vorgesehenen Windradstandorte befinde sich aber nur 200 Meter entfernt von dem Brutplatz der Rohrweihe, der kürzlich zerstört wurde. „Soll hier etwa verhindert werden, dass die Rohrweihe die Fläche nochmals aufsucht und somit den Bau der Windräder behindert“, mutmaßt die Vereinsvorsitzende.

Der Landkreis hatte 2016 beim Umweltplanungsbüro Schreiber eine Studie in Auftrag gegeben. Damals wurden Windräder in Glandorfs Ortsteil Averfehrden gebaut. Die Studie ergab, dass Windräder errichtet werden dürften, allerdings müssten in der Brutzeit von Anfang April bis Mitte August die Rotoren aller Windkraftanlagen im Umkreis von einem Kilometer stillstehen. Die Rohrweihen sind zwar ihrem Nistplatz treu, variieren bei der Wahl eines neuen Platzes aber auch schon mal um mehrere hundert Meter im Vergleich zum Vorjahr. „So ist das bei der sogenannten Feldbrut, wie es sie in Averfehrden gab. Bei Feldbruten nisten die Rohrweihen auf Grünland oder Getreideflächen, und müssen allein schon der Fruchtfolge der Ackerpflanzen wegen, flexibler sein. Bei Biotopbruten hingegen sind die Vögel deutlich standorttreuer, der Verlust des Brutplatzes ein noch größeres Problem“, betont Christel Steinhorst. (Weiterlesen: Unterschriftenaktion – Glandorfer: Rohrweiher gibt neue Hoffnung)

Anliegerverträge

Gerade in den vergangenen Wochen ist wieder Bewegung in die Windkraft-Planungen in Sudendorf gekommen. Anwohner sollen sich über Anliegerverträge mit den Bauvorhaben anfreunden. Fachleute wurden beauftragt, eine Ersatzfläche für die Rohrweihe zu suchen. „Erst wenn diese gefunden und die Rohrweihe erfolgreich umgesiedelt wurde, kann es eine Baugenehmigung geben“, weiß Christel Steinhorst. Als Genehmigungsbehörde müsse der Landkreis Osnabrück im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung alle Belange für Mensch, Tier und Natur sorgfältig abwägen. Streit hin Abwägung her – die einfliegende Rohrweihe wird wohl irritiert ihren alten Brutplatz suchen. Naturfreunde hoffe darauf, sie auch zukünftig mit ihren akrobatischen Flügen am Himmel über Sudendorf kreisen zu sehen. Mehr aus Glandorf im Netz


Die Rohrweihe ist ein Greif- und Zugvogel, die ihren Namen ihrem Lebensraum verdankt. Rohrweihen bevorzugen Feuchtgebiete und Landschaften mit viel Röhricht. Die größte Gefährdung der Rohrweihe geht heute von der Entwässerung von Feuchtgebieten aus. Nur wenn die Schilfgebiete flach mit Wasser überstaut sind, sind die Jungen auf den Nestplattformen sicher vor Fressfeinden wie Fuchs, Waschbär oder freilaufenden Hunden. Gelegentlich brüten die Weihen auch in Getreidefeldern, wo ihnen die Gefahr beim ausmähen droht. Die Rohrweihe ist eine Art des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie, für die auf EU-Ebene Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Quelle: NABU

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