Weder bestätigt noch widerlegt Wolf in Glandorf angekommen?

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Wolf oder Hund? Vor allem aus der Entfernung lässt sich das nicht immer leicht erkennen. Ein DNA-Test kann Aufschluss geben. Foto: Julian Stratenschulte/dpaWolf oder Hund? Vor allem aus der Entfernung lässt sich das nicht immer leicht erkennen. Ein DNA-Test kann Aufschluss geben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Glandorf. Hund oder Wolf? Zwischen Glandorf und Lienen ist ein Reh durch einen Kehlbiss getötet worden. War es ein Wolf? In den vergangenen Monaten kam es immer mal wieder zu möglichen Sichtungen von Wölfen südlich von Osnabrück. Doch die Datenlage ist dünn.

„Nun direkt auf einen Wolf zu schließen ist zu kurz gesprungen“, warnt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher des Landesumweltamt Nordrhein Westfalen. Doch was ist eigentlich passiert? Antonius Recker, dessen Jagdrevier direkt an der niedersächsischen Grenze in Lienen liegt, war von einem Bewohner eines freistehenden Hauses innerhalb seines Reviers hinzugerufen worden: Frühmorgens sei dieser vom „Todesschrei eines Tieres“ geweckt worden, wie Antonius Recker schildert. Der Mann „zog die Rolladen hoch, um sofort der Sache nachzugehen“. Er ging raus und fand etwa 50 Meter vom Hof entfernt das verendete und mit einem Kehlbiss getötete Reh. Alleine daran kann jedoch niemand erkennen, welches Tier zugebissen hat: „Das kann ein Wolf oder ein Hund gewesen sein“, sagt Jan-Dirk Hubbert, einer von fünf Wolfsberatern im Kreis Steinfurt. Um dies zweifelsfrei fest zu stellen, müsse eine DNA Probe genommen werden.

Keine DNA-Probe entnommen

Auch dem erfahrenen Jäger Antonius Recker war das klar. „Ich habe den Kadaver in eine Wildtierwanne gelegt und mit zu unserem Hegeringsleiter genommen“, berichtet er. Danach habe er den Notruf gewählt, der ihm zunächst die Nummer eines niedersächsischen Wolfsberaters gegeben habe. Da der Wildriss jedoch im Nachbarland stattfand, wurde er schließlich an den nordrhein-westfälischen Kollegen verwiesen. Eine DNA-Probe ist trotz Reckers Bemühungen schließlich nicht genommen worden. Der Glandorfer hätte sich gewünscht, dass es anders gelaufen wäre. Während der Gespräche sei auch der Eindruck entstanden, dass die Wolfsberater eher bei einem Nutztier herausgefahren wären. „Eigentlich fahren wir auch bei Wildtieren raus“, sagt Raoul Reding, Wolfsberater der Landesjägerschaft Niedersachsen. Auf nordrhein-westfälischer Seite stimmt man ihm zu. Wertvolle Informationen für das Monitoring würden so gesammelt.

Speichelprobe

Eine geeignete Probe zu entnehmen ist bei einem Kostenaufwand von 240 Euro jedoch denkbar schwer. Je nach Witterungsbedingungen können „schon nach zwei Stunden“ die Spuren verwischt sein wie Hermann Hoffmann erläutert, spätestens jedoch nach 48 Stunden haben auch erfahrene Wolfsberater kaum noch eine Chance. „Die DNA wird nicht aus einem Haar gewonnen, sondern im Fall von Wildrissen anhand einer Speichelprobe“, erläutert Jan-Dirk Hubbert. Diese verunreinigt durch Umwelteinflüsse innerhalb kurzer Zeit bis zur Unkenntlichkeit. Danach kann kaum noch eine verwertbare Probe entnommen werden.

Fünf mögliche Wolfsichtungen im Südkreis

Jedoch möchte auch keiner ausschließen, dass zwischen Glandorf und Lienen ein Wolf unterwegs war. „Obwohl die Wahrscheinlichkeit mindestens genauso hoch ist, dass es ein Hund war“, betont Wilhelm Deitermann vom Landesumweltamt NRW. Aber: „Gerade in dieser Jahreszeit“ verlassen Jährlinge ihr Rudel und begeben sich auf Wanderschaft. Die „halboffene Landschaft des Landstriches“ eigne sich durchaus für Wölfe, die auf der Suche nach Weibchen und einem neuen Territorium teils tausende Kilometer zurücklegen. „Durch den Kreis Steinfurt ist vor längerer Zeit mal ein Wolf gewandert“, erinnert sich Hermann Holtmann von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Seitdem waren es aber immer Hunde, die Rehe rissen. Im südlichen Teil des Landkreis Osnabrück ist es in den vergangenen Monaten zu fünf möglichen Sichtungen gekommen, „bei denen ein Wolf weder bestätigt noch widerlegt“ wurde. Eine davon in Glandorf. Eine konkretere Spur wird derzeit in Hagen verfolgt. Ergebnisse stehen noch aus.


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