Satter Sound oder Drehmoment? Mobiles Klassenzimmer bringt neuste Technik nach Glandorf

Von Andrea Pärschke


Glandorf. Das „mobile Klassenzimmer“ machte jetzt in der Ludwig-Windthorst-Schule Station – oder genauer: Im neuen Gebäude des Autohauses Erpenbeck. Mit an Bord hatte die Berufsbildende Schule Burgdorf dafür vor allem auch Zukunftsmusik in seiner umweltfreundlichsten Form.

Denn noch ist es Zukunftsmusik: Mit Brennstoffzellentechnik betriebene Autos sind noch lange nicht im Alltag angekommen. „Diese alternativen Antriebe werden aber die Zukunft sein“, erläuterte Noah-Noel, Neuntklässler an der Ludwig-Windthorst Schule Glandorf. Die neuste Fahrzeugtechnik ist für ihn mehr als nur ein Schulprojekt, es ist sein Hobby. Deshalb musste er auch nicht lange überlegen, als in der Technikklasse gefragt wurde, wer bei dem Projekt mitmachen wolle, das in vielerlei Hinsicht damit auch eine Premiere feierte. Zum einen war es nämlich das „mobile Klassenzimmer“ selbst, das nun zum ersten Mal außerhalb Hannovers Station machte. Zum anderen war es die erste Veranstaltung, die im neuen Gebäude des Autohauses Erpenbeck stattfand. Offizielle eröffnet wird dieses schließlich voraussichtlich erst im Mai.

Energieerzeugung mit Körperkraft

Und dann saßen die Schüler – und eine Schülerin – in einem der nigelnagelneuen Räume und machten verschiedenste Projekte zum Thema alternative und umweltschonende Fahrzeugantriebe. Dabei fing an diesem Morgen alles mit den guten alten Heimtrainern an, die auch einen festen Platz im mobilen Klassenzimmer haben. „Wir setzen uns auf die Fahrräder“, erklärte Thomas Laue. Er ist Leiter der Abteilung Fahrzeigtechnik an der Berufsbildenden Schule Burgdort und gemeinsam mit Jörg André hat er nicht nur das mobile Klassenzimmer entwickelt. Sie begleiten es auch. Für die Schüler ging es zunächst um Stromerzeugung durch eigene Körperkraft. Genau fünf Minuten mussten die Neuntklässler in die Pedale treten, ehe sich zwei kleine ferngesteuerte Autos durch den selbst erzeugten Strom in Bewegung setzten und einige Schleifen fahren konnten. Am Ende der folgenden Versuche werden sie selbst eine Flüssigkeit herstellen, mit der sie schließlich drei wasserstoffbetriebene Autos antreiben können.

Beitrag zur Berufsorientierung

Angefangen hatte für die BBS alles im Jahr 2013 mit dem Bundesprojekt „Schaufenster Elektromobilität“. In diesem Rahmen hatten Thomas Laue und Jörg André das mobile Klassenzimmer aufgebaut. „Nun geht es uns auch darum, das Projekt weiter zu nutzen“, so Laue. Damit das gelingt, kamen einige Unterstützer mit ins Boot. Das ist zum einen die Innung des Kfz-Technikhandwerks Niedersachsen-Mitte und Osnabrück, zu dessen Vorstand auch Frank Michalick, Geschäftsleiter des Autohauses Erpenbeck, gehört. „Es wäre toll, wenn wir auch auf Grund dieses Projektes Schüler für unser Handwerk begeistern könnten“, berichtete er. Ganz ähnlich sieht das Mike Winkelmann vom niedersächsischen Kultusministerium, das das mobile Klassenzimmer unter anderem mit zusätzlichen Lehrerstunden unterstützt: „Ich bin absolut begeistert, es ist eine gute Möglichkeit einen Beitrag zur Berufsorientierung zu leisten“.

„Beachtliches Drehmoment“

Hinzu kam der Wunsch aller Beteiligten, die Schüler auch für die neue umweltschonende Technik zu begeistern und zu sensibilisieren: „Es soll den Schülern einen Anstoß geben, neu nachzudenken“, sagte Michael Fritze, stellvertretender Schulleiter der Ludwig-Windthorst-Schule. Denn auch für die Unter-18-Jährigen bedeutet die Technologie eine Umstellung: „Elektromotoren sind umweltfreundlicher“, sagte zum Beispiel der Neuntklässler Daniel. Den klassischen “Sound-Effekt“ herkömmlicher Motoren würde er aber trotzdem vermissen. Dem hielt Thomas Laue ein beachtliches Drehmoment von Elektromotoren entgegen. Denn wenn es ums Anfahren geht, lässt ein Elektroauto sämtliche röhrenden Fahrzeuge hinter sich stehen.