„Jetzt reicht‘s“ Vor 50 Jahren streikten Glandorfs Schüler

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Karl Börnhorst und Franz Haselmann berichten von den Ereignissen vor 50 Jahren. Foto: Gert WestdörpKarl Börnhorst und Franz Haselmann berichten von den Ereignissen vor 50 Jahren. Foto: Gert Westdörp

Glandorf. Nicht zur Schule gehen und das mit Erlaubnis der Eltern: Vor 50 Jahren ist genau das einer vierten und fünften Klasse in Schwege passiert. Hintergrund des Schulstreiks waren ernste Sorgen um die Zukunft der Schule.

„Jetzt reicht‘s“, so titelte die Neue Osnabrücker Zeitung vor 50 Jahren: „Es handelt sich um eine Maßnahme, ein Aufbäumen gegen die Schulbehörde“, steht da weiter. Bei einer Versammlung im Festsaal der Gaststätte Riesenbeck hatten sich die Schweger dazu entschlossen, dass die Viert und Fünftklässler am Freitag und Samstag nicht zur Schule gehen. „Es war eine sehr geladene Stimmung“, erinnert sich Franz Haselmann an diesen Abend. Selbst auch bei der Versammlung dabei,verknüpft er das Ereignis fest mit seiner damals noch zukünftigen Schwiegermutter – Elisabeth Bastwöste: „Sie und viele anderen haben damals Stimmung gemacht, damit endlich etwas passiert“, erinnert er sich. Am Ende entschieden sich die Eltern „in großer Einmütigkeit“, wie die Zeitung berichtet. Tatsächlich wurde der Beschluss im brechend vollen Festsaal mit Applaus und Füße-Stampfen gefeiert.

Kein neuer Lehrer

Doch was war geschehen? Ziel des Aufbäumens war offenbar, dass die Schulbehörde einen neuen Lehrer einstellen sollte. Oft wurde das versprochen – lange geschah nichts. Ihren Lauf nahmen die Ereignisse offenbar ab dem 1. Dezember 1966: Damals ging Lehrer Pietsch offiziell in Rente, wurde jedoch weiter beschäftigt. Franz Haselmann zeigt auf ein Foto in Schweges Chronik. Lehrer Pietsch inmitten seiner Schüler. Streng sah er aus. Mehr aus Glandorf im Netz

„Man wünscht bodenständige Lehrer“

Versprochen wurde ein neuer „Hauptlehrer“ zum 1. April 1967. Doch der kam nicht. „Mein Vater hat schließlich angefangen, auf eigene Faust einen Neuen zu suchen“, berichtet Karl Börnhorst, der Sohn des damaligen Bürgermeisters. Im August 1967 wurde schließlich Lehrer Ferdinand Solger von der Lüneburger Heide nach Schwege versetzt. Damit war das Problem jedoch nicht behoben, denn Lehrerin „Fräulein Dorenkamp“ wechselte zu dieser Zeit von Schwege an eine Bad Iburger Schule. Erschwerend kam hinzu, dass Lehrer Pietsch offenbar immer wieder krank wurde: „Er wollte in seinem Angestelltenverhältnis weitermachen. Aber dazu kam es wegen seiner Krankheit nur ganz bedingt“, heißt es dazu in der Zeitung. Stattdessen kam für zehn Wochenstunden Lehrer Wycisk. Eine Lösung war aber wohl auch im Februar 1968 nicht in Sicht. Die Schüler der vierten und fünften Klasse gingen in den Streik. Die Forderungen der Eltern: Lehrer Pietsch sollte bis zum 1. April durch eine Aushilfskraft ersetzt werden, danach sollte der versprochene Lehrer kommen. Auch die Dienstwohnung sollte bis zu diesem Zeitpunkt wieder zur Verfügung stehen: „Man wünscht bodenständige Lehrer, die in Schwege sesshaft werden und für die gute Dienstwohnungen vorhanden sind“, heißt es in dem Zeitungsartikel.

Unsicherheit durch Reformen

Doch auch wenn sich alles um Lehrer Pietsch zu drehen scheint: Es waren wohl vor allem äußere Umstände, die die Gefühle hochkochen ließen: „Es war eine Zeit der Veränderungen“, berichtet Franz Haselmann, denn in dieser Zeit fanden umwälzende Veränderungen statt: Nicht nur Gemeinden wurden zusammengelegt, sondern auch Schulen. Ziel sollte eine bessere Bildung für alle sein. Bei den Betroffenen lösten die umfangreichen Reformen wohl auch Unsicherheit und Angst aus: „In der Umgebung wurden mehrere Schulen geschlossen“, berichtet Haselmann. Die Sorge der Schweger war, dass dies früher oder später auch in ihrem Ort passieren würde.

Doch wie ging der Schulstreik 1968 eigentlich aus? Offenbar hatte die Schulbehörde ein Einsehen. Laut Schweger Chronik kam zum 1. April ein neuer Lehrer.


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