Mobile Verwaltung Ehrenamtler sollen Behörden-Koffer in Glandorf ersetzen

Von Andrea Pärschke

Soll die Verwaltung in Zukunft Hausbesuche mache? Die Idee stößt im Ausschuss auf positive Resonanz, wird aber schließlich doch verworfen. Archivbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpaSoll die Verwaltung in Zukunft Hausbesuche mache? Die Idee stößt im Ausschuss auf positive Resonanz, wird aber schließlich doch verworfen. Archivbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Glandorf. Wie mobil muss eine Verwaltung sein? Die CDU hat diese Frage während des Sozialausschusses angestoßen. Außerdem waren die „Glandorf Card“ und die Zuschüsse für die Glandorfer Bücherei Thema.

Wie kommen eigentlich Menschen an ihren Personalausweis, die durch eine Behinderung oder ihr Alter körperlich eingeschränkt sind? Die CDU regte während des Ausschusses an, für sie ein „mobiles Rathaus“ einzurichten, frei nach dem Motto: Wenn die Menschen nicht zum Rathaus kommen, könne das Rathaus zu ihnen kommen. „Es wäre auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung“, schloss Mathias Lehmkuhle (CDU), der die Anregung seiner Fraktion vorstellte. Doch wie oft kommt es eigentlich vor, dass Menschen es nicht zu Behördengängen ins Rathaus schaffen? Fachdienstleiter Helmut Gerding sprach von Einzelfällen, auch Notfällen, in denen die Verwaltung allerdings schon jetzt vieles möglich mache. Von Terminen außerhalb der Öffnungszeiten bis hin zu Hausbesuchen in absoluten Ausnahmefällen.

Trotzdem: Um den Service für eingeschränkte aber auch zeitlich sehr eingebundene Menschen auszubauen, werden Optionen genannt, wovon die kostspieligste sofort verworfen wurde: Die Anschaffung eines Behörden-Koffers, den Rathaus-Mitarbeiter mit auf Hausbesuche nehmen können. Der Preis liege bei 5000 Euro. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wurde jedoch von Verwaltung und Ausschuss als gering eingeschätzt. Nach kurzer Diskussion wurde vor allem ein Service aufgegriffen, der in Glandorf eigentlich schon existiert, jedoch „ein bisschen eingeschlafen“ sei: Das Freiwilligenforum, bei dem Behördengänge für „Jung und Alt“ durch Dritte erledigt werden könnten. Ein kleiner Weckruf ging damit vom Ausschuss an diesen ehrenamtlichen Service.

Glandorf Card für Ehrenamtliche?

Eine Patt-Situation entstand bei der Einführung einer „Glandorf-Card“, ebenfalls auf Anregung der CDU: 2000 würde sich die Fraktion das kosten lassen. Die Karte würde Ehrenamtlichen Vergünstigungen in beteiligten Gastronomiebetrieben, im Hallen-Garten-Bad oder beim Eintritt Glandorfer Kulturveranstaltungen eröffnen. Sowohl die UWG als auch die SPD waren nicht überzeugt von einer Karte, die einen „sehr hohen“ Verwaltungsaufwand bedeutet und es in ähnlicher Form bereits gibt: Nämlich in Form der niedersächsischen Ehrenamtskarte. Entschieden wird die Frage im Verwaltungsausschuss. Mit drei Stimmen empfahl die CDU ihren Antrag dem Verwaltungsausschuss, UWG und SPD stimmten mit drei Stimmen dagegen.

Zuschüsse für Bücherei

Der Ausschuss empfiehlt die Glandorfer Bücherei zu unterstützen. Diese wird von der Pfarreiengemeinschaft Glandorf Schwege betrieben: 1800 Euro gibt die Gemeinde für einen Zuschuss für laufende Kosten dazu, 2300 Euro für das neue E-Book-System. Es handele sich hierbei um Folgekosten. Hinzu komme ein Mietzuschuss von 2700 Euro – jeweils für das ganze Jahr. Über die Schweger Bücherei ist bereits im Herbst entschieden worden. Die SPD schlug nun vor, das System von Zuschüssen zu erneuern: Die Fraktion ziehe es vor, den beiden Büchereien jeweils einen Pauschalbetrag zur Verfügung zu stellen (Glandorf: 4500 Euro; Schwege: 500 Euro) auf den sie dann flexibel nach ihren Bedürfnissen zugreifen könnten. Dieser Vorschlag wurde jedoch von der Mehrheit abgelehnt. Andrea Puke (UWG) sieht die aufgeschlüsselten Zuschüsse in der jetzigen Form als eine Qualitätsgarantie. Carsten Linnenberg (CDU) regte in diesem Zusammenhang auch die grundsätzliche Frage an, weshalb die Bücherei in Schwege drastisch weniger Geld bekommt als das Glandorfer Pendant. Letztendlich empfahlen die Ausschussmitglieder die finanzielle Unterstützung nach dem angedachten Modell in der Verwaltungsvorlage – und gegen eine Pauschale.

Kleiderkammer geht leer aus

Kein Geld soll nach Empfehlung des Sozialausschusses übrigens die Kleiderkammer bekommen. Die Pfarreiengemeinschaft hatte einen Plan vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass die finanzielle Situation auch ohne Hilfe der Gemeinde gut aussieht.