Tolles Programm zur Weiberfastnacht Glandorfer KFD ist auf der Jagd

Von Anke Schneider


Glandorf. Glaubt man den Frauen der KFD in Schwege, so gleicht der kleine Glandorfer Ortsteil einem sinkenden Schiff. Eine mehr als 100 Jahre alte Traditionsgaststätte verlässt ihre Stammgäste, die Bäcker verlassen ihre ebenfalls mehr als 100 Jahre alte Bäckerei Wolke und die KFD, auch über 100 Jahre alt, findet keinen Nachwuchs. Die Schweger fühlen sich sogar von Gott verlassen, der deutlich älter als 100 Jahre ist, weil Pastor Ulrich Müller seine Schäfchen ebenfalls verlässt.

Es wird trostlos in Schwege, stellten die „Hübschen“ fest, die in der Person von Petra Speckmann, Dorothee Glatzel und Bianca Brune Ellerbrock jedes Jahr zur Weiberfastnacht auf die Geschehnisse im Ort schauen. Wenn sich für den Vorstand der Schweger KFD kein Nachwuchs findet, dass ist es mit dem Frauenkarneval demnächst auch vorbei.

Vorzeigebänkchen

Wenigstens sei der Dorfplatz schön geworden. Wenn auch die Mitfahrerbank eher schäbig aussieht, fanden die drei Frauen. War ja klar, dass in Glandorf ein Vorzeigebänkchen steht, das neu gebaut wurde. Mit extra Kinderbänken. Und auch der scheidende Pastor hat offenbar seine Lieblingsschäfchen. „In den Mitteilungen bedankt er sich bei den Glandorfern. Die Schweger Kirchengemeinde hat er vergessen.“ Die drei Frauen beschlossen, ihm keine Träne nachzuweinen. „lass ihn zischen – gibt ‘nen Frischen.“

Auch die anderen Rednerinnen der Weiberfastnacht nahmen die Geschehnisse in und um Glandorf aufs Korn. Simone Wöstmann und Judith Buchholz überlegten, wie man die pastorlose Zeit überbrücken kann und Magdalene Heuvelmann, in Topflappen gewickelt und mit einem Sieb auf dem Kopf, zog über die Glandorfer Bürgermeisterin her. Die, die den Männern das Pinkeln im Stehen verbieten will und sich darüber lustig macht, dass Frauen jammern, wenn sie sexuell belästigt werden. „Gesellschaftliche Veränderungen brauchen nun mal Zeit“, sagte sie. Die Bürgermeisterin selbst werde auch manchmal angegraben, so Heuvelmann. Und darüber könne sie bei ihrem Aussehen eigentlich nur froh sein.

Brustvergrößerung

Einige Akteurinnen auf der Bühne schauten über den Tellerrand hinaus und wandten sich gesellschaftlich relevanten Themen zu. So wie Christina Hesse, die den Damen im Saal bei Plocksaugsut den Unterschied zwischen dem weiblichen und dem männlichen Vokabular erklärte. Oder Irmgard Gerding, die den Frauen als Else Brömmelstrothe davon berichtete, wie sie ihre Freundin Agnes zur einer Brustvergrößerungs-Operation begleitete. Tänzerische und musikalische Beiträge kamen von den Schweger Party-Wichteln, den alljährlich wiederkehrenden Thronjuwelen und von Christina Hesse und Angelika Puke, die in blauen Ganzkörperkostümen neue Akzente setzten.

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Heidi Puke und Irmgard Gerding zeigten, wie man in Schwege beim Eierkauf übers Ohr gehauen wird und Bianca Brune-Ellerbrock trug als „Die süße Susi“ mit erfrischender Naivität zum Programm bei. Sie berichtete, dass ihr jemand verraten habe, dass die Nummern der Lieder, die sonntags gesungen würden, die richtigen Zahlen auf dem Lottoschein seien. Man müsse nur zur Kirche gehen, und sie abschreiben. „Es muss aber die Schweger Kirche sein“, sagte sie. In Glandorf brächten sie nur das Mittwochslotto. Sowieso bräuchten die Schweger auf die Glandorfer nicht neidisch sein. Schon gar nicht wegen des Papstbesuches. „Der Papst kommt nämlich nur dahin, wo die Not am größten ist.“

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Fischertruppe

Dank des unermüdlichen Einsatzes des KFD-Vorstandes und seiner Mitstreiterinnen sahen die Gäste im Schweger Gasthaus wieder ein buntes und lustiges Programm. Der Vorstand hatte sich als Fischertruppe verkleidet. Nicht etwa, weil die Damen aufgrund des Klimawandels den Anstieg des Meeresspiegels befürchten, sondern weil sie auf der Jagd sind. Nicht nach Fischen, sondern tatsächlich nach Nachwuchs für den Vorstand. Bleibt zu hoffen, dass das Fischernetz am Abend gut gefüllt war. Mehr aus Glandorf im Netz