Geldstrafe und Führerscheinentzug Glandorfer mit fast vier Promille hinterm Steuer

Von Heiko Kluge

Glandorfer am Amtsgericht Bad Iburg verurteilt. Foto: Michael SchwagerGlandorfer am Amtsgericht Bad Iburg verurteilt. Foto: Michael Schwager

Bad Iburg/Glandorf. Zu einer Geldstrafe von 800 Euro hat das Amtsgericht Bad Iburg einen 57-jährigen Mann aus Glandorf verurteilt. Der Angeklagte hatte in kurzer Folge zwei Trunkenheitsfahrten unternommen, in einem Fall auch noch ohne Führerschein.

„Sind Sie nüchtern?“, fragte der Richter den Mann gleich zu Verhandlungsbeginn. Mit gutem Grund, hatte sich doch nach dem Prozessauftakt Ende Januar herausgestellt, dass der 57-Jährige erheblich alkoholisiert vor dem Richter gesessen hatte: 2,6 Promille stellte die Polizei mittels einer Atemalkohol-Kontrolle im Anschluss an die Sitzung fest. Ungeklärt steht seither im Raum, ob der Mann möglicherweise in diesem Zustand mit seinem Auto zur Gerichtsverhandlung gefahren war.

Nur ein Bier?

Ein Bier habe er getrunken, beantwortete der 57-Jährige die Frage des Vorsitzenden. Doch der hatte seine Zweifel. „Wirklich nur eins?“ Dazu wolle er nichts mehr sagen, erklärte der Angeklagte. Zwei Trunkenheitsfahrten legte die Staatsanwaltschaft ihm zur Last. Während des ersten Verhandlungstages im vergangenen Januar hatte sich das Gericht mit der ersten Trunkenheitsfahrt des Mannes am 9. Oktober vergangenen Jahres befasst, derentwegen sein Führerschein auch vorerst eingezogen worden war.

Nun stand die zweite Autofahrt im Fokus, die der Mann nur wenige Tage nach dem ersten Vorfall mit knapp 3,6 Promille, aber ohne Führerschein unternommen haben soll. Die Verkäuferin eines Getränkemarktes in Glandorf hatte damals die Polizei verständigt. Der Angeklagte sei Stammkunde in dem Geschäft, sagte die Zeugin. An dem betreffenden Tag habe der Mann, wieder einmal einen Kasten Bier gekauft. An der Kasse sei er dann zusammengeklappt, habe sich aber wieder hochgerappelt. Beim Bezahlen sei er schließlich mitsamt der Bierkiste geradezu in die Kasse hineingefallen. Auch dass der Mann sich einen Finger ans Ohr hielt und vor sich hin brabbelte, als telefoniere er mit einem Handy, sei ihr nicht koscher vorgekommen, so die Zeugin. Durch das Fenster beobachtete die Verkäuferin, dass auch der Weg des Mannes zu seinem Wagen nicht reibungslos vonstattenging. „Ihm rutschte die Hose komplett runter“, erinnerte sie sich. Nachdem der Mann seine Kleidung umständlich wieder gerichtet habe, sei er mit dem Bierkasten gegen sein Auto gestoßen. Als er dann auf der Fahrerseite eingestiegen sei, habe sie die Polizei gerufen.

Leere Bierdosen

Die Beamten trafen den Mann kurz darauf in seiner Wohnung an. Ihre Frage, ob er gerade gefahren sei, habe der 57-Jährige nicht eindeutig beantwortet. Allerdings sei auch keine weitere Person vor Ort gewesen, die als eventueller Fahrer infrage gekommen sei. In der Wohnung entdeckte eine Polizeibeamtin ganze Packungen mit Bierdosen, die meisten davon leer. Im Auto des Mannes fanden die Beamten weitere Bierdosen und stellten auch einen intensiven Alkoholgeruch fest.

„Wie soll das weitergehen?“, wollte der Richter von dem Mann wissen. „Sie sind schwerstalkoholkrank.“ Rechne man von der Blutentnahme bei der Polizei bis zur Autofahrt zurück, so sei der Angeklagte sogar mit vier Promille unterwegs gewesen. Das seien Promillewerte, die er auch in seiner langjährigen Tätigkeit als Richter nur selten sehe.

80 Tagessätze

Mit dem Urteil machte sich das Gericht den Antrag der Staatsanwältin zu eigen. Neben der Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu jeweils 10 Euro erteilte das Gericht dem bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen Mann auch eine zwölfmonatige Führerscheinsperre sowie ein dreimonatiges Fahrverbot. Die zwölfmonatige Sperrfrist stehe zwar so auf dem Papier, sagte der Richter, „aber es wird sehr lange dauern, bis sie einen neuen Führerschein beantragen können.“ Denn dazu müsse der Mann erst einmal eine Voraussetzung erfüllen: „Sie müssen trocken sein.“