zuletzt aktualisiert vor

Geschichtsträchtiger Hof Familie Högemann in Glandorf nutzt alternative Energien auf ihrem historischen Hofgelände

Meine Nachrichten

Um das Thema Glandorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Südkreis/Glandorf. Eine Allee mit altem Baumbestand führt auf das idyllische Hofgelände der Familie Högemann in Glandorf. Seit 1396 ist der Hof, auf dem früher alles gehalten wurde, was man mit einem Bauernhof verbindet – Kühe, Schweine, Hühner, Pferde –, und der sogar mal Gerichtsstätte war, in Familienbesitz. Inzwischen haben sich die Högemanns auf Schweine- und Bullenmast spezialisiert und setzen mit ihrer Hackschnitzelheizung auf eine alternative Energieform.

Ein Gang über das 100 Hektar große Hofgelände ist ein bisschen wie eine Zeitreise. Da ist das unter Denkmalschutz stehende Wohnhaus aus dem Jahr 1880 mit anliegender Tenne und einer an einen kleinen Schlossgarten erinnernden Grünanlage, daneben ein altes Backhaus und der von einem Burggraben umgebene Wehrspeicher aus dem 14. Jahrhundert. „Ein Abkommen von 1550 machte den als Gefängnis dienenden Wehrturm zur Gerichtsstätte“, erklärt Heike Högemann den geschichtlichen Hintergrund. „Immer im August wurde hier Gericht gehalten. Dabei ging es um Grundbesitzstreitigkeiten im Gebiet von Lengerich bis Borgholzhausen, die entweder mit Freispruch oder mit der Todesstrafe endeten. Strafe war Ertränken im Burggraben oder Erhängen am Hangbaum.“

Die Kinder der Grundschule Glandorf, die den Wehrspeicher jedes Jahr im Rahmen des Heimatkunde-Unterrichts besuchen, staunen laut den Högemanns immer besonders über einen echten Totenschädel mit wackeligem Eckzahn der in dem mittelalterlichen Gefängnis liegt.

Zwischen die alten Fachwerkställe, in denen die Familie heute ihre Bullen untergebracht hat, mischt sich moderne Landwirtschaft. 2700 Schweine stehen in zum Teil umgebauten, zum Teil neu errichteten Ställen. Über Computersteuerung in der Futterzentrale werden die Tiere fünfmal pro Tag gefüttert. Der Futterbrei für die Schweine wird in der hofeigenen Mahl- und Mischanlage hergestellt und besteht größtenteils aus Getreide von den hofeigenen Feldern plus 25 Prozent zugekauftem Eiweiß- und Mineralfutter. Durch unterirdische Leitungen wird der Brei in die Futtertröge gepumpt. Ein Sensorstab misst, wie viel gefressen wurde.

Die Ferkel kauft Familie Högemann von einem Sauenbetrieb in Bad Rothenfelde. „Zusammen mit dem Sauenbetrieb fahre ich ein Gesundheitsmanagement mit vorbeugenden Impfmaßnahmen, damit bei der Schweinemast möglichst wenig Medikamente eingesetzt werden müssen“, erklärt Landwirt Clemens Högemann. Meist sind die Ferkel sechs bis acht Wochen alt, wenn sie auf den Hof kommen. Geschlachtet werden sie ein halbes Jahr später, wenn sie 120 Kilogramm auf die Waage bringen. „Die Schlachtung in Georgsmarienhütte und der Vertrieb des Fleisches an kleine Metzgereien der Region läuft über die Erzeuger-Gemeinschaft Osnabrück“, so der Landwirt, der durch seine Frau und die drei Kinder viel Unterstützung bei der Hofarbeit hat.

„Ich habe gerade meinen Treckerführerschein gemacht. Jetzt darf ich mit 40 km/h auf der Straße fahren, in zwei Jahren sogar mit 60 km/h“, berichtet Lukas Högemann. Der Sechzehnjährige plant nach seinem Abitur eine Ausbildung zum Landwirt, weil der Beruf viel Abwechslung biete und der Familienbetrieb groß genug sei, um davon auch eine Familie zu ernähren.

„In der 11. Jahrgangsstufe am Gymnasium Bad Iburg bin ich der Einzige, der aus der Landwirtschaft kommt“, erzählt er. „Wenn ich so zurückdenke... das war zu meiner Zeit noch ganz anders“, ergänzt sein Vater. Auch der vierzehnjährige Georg hilft auf dem Feld, muss aber aufgrund seines Alters erst dorthin gebracht werden, bevor er dann vor Ort auf den Trecker steigen darf. „Ich helfe mehr im Haushalt und kümmere mich um meine fünf Katzen oder den Haflinger Harlekin“, berichtet die elfjährige Katharina.

Das Holz aus dem eigenen Wald und das auf einem zwei Hektar großen Feld angelegte Chinaschilf Miscanthus sinensis nutzt die Familie für ihre Hackschnitzelheizung, mit der alle Ställe und Hofgebäude beheizt werden. „Ein Hektar Miscanthus ersetzt 6000 Liter Heizöl“, so Clemens Högemann, der diese rentable Energiequelle auch schätzt, weil man, ist das Schilf einmal gepflanzt, 20 Jahre davon ernten kann. Die Ernte findet einmal im Jahr im März oder April statt, und die Stängel müssen nicht mehr extra getrocknet werden. „Zwei unserer Nachbarn sind mit einer Wärmeleitung auch mit an die Heizung angeschlossen“, freut sich der Landwirt. 200 Festmeter Holz bei einer 80-prozentigen Energieauslastung, 500 Schüttraummeter verbraucht der Betrieb Högemann inklusive seiner Nachbarn pro Jahr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN