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Verlässliche Beziehungen, atmende Lebensläufe Kolping-Diözesantreffen in Georgsmarienhütte zum Thema „Familien heute“

Von Petra Pieper | 10.09.2017, 15:39 Uhr

Zum zweiten Tag der Kolping-Diözesanversammlung begrüßte der Vorsitzender Norbert Frische neben rund 140 Delegierten auch Mark Keuthen aus dem Bundesvorstand, der das „einmalige Engagement“ und die hohe Qualität der dreitägigen Veranstaltung zum Thema „Familien heute“ würdigte.

Nach dem Eingangsreferat der familienpolitischen Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Birgit Mock, diskutierten die Teilnehmer in fünf Gesprächsforen über Herausforderungen für heutige Familien. „Von Haus aus“ sei sie Naturwissenschaftlerin, beruflich in der Frauenförderung tätig, Ehefrau und Mutter zweier erwachsener Kinder und ehrenamtlich im ZdK, im Katholischen Deutschen Frauenbund sowie bei Donum Vitae tätig, stellte sich die Referentin dem Plenum vor. Ausgehend von zahlreichen Begegnungen mit „Familien-Fachleuten“ und eigenen Erfahrungen skizzierte Mock Problemzonen, Umbruchsituationen und Lösungsansätze. ( Weiterlesen: Kolping-Diözesanversammlung in GMHütte)

„Wir müssen Brücken bauen“

So sei die Berliner Theologin Ute Eberl als Teilnehmerin der Familien-Synode „mit blitzenden Augen“ aus Rom zurückgekehrt und habe begeistert von den Erfahrungen dort berichtet. Zudem ermutigt durch die nachsynodale päpstliche Schrift „Amoris laetitia“, habe das ZdK „viel offener“ über das Thema Familie gesprochen und festgestellt, dass es auch in den eigenen Reihen vielfältige Herausforderungen durch zerbrochene Ehen, Alleinerziehende, ungewollt kinderlose Paare, Singles oder gleichgeschlechtliche Paare gibt. Die Ergebnisse wurden in einem achtseitigen Positionspapier zusammengefasst, die heftigste Reaktion habe dabei die Forderung nach Akzeptanz und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hervorgerufen. Für Mock ist klar: „Wir müssen Brücken bauen zwischen der Orientierung gebenden christlichen Lehre und der Offenheit unserer modernen Lebenswelt.“

In der „Rushhour des Lebens“ ...

Auf ein strukturelles Problem, unter dem viele Familien leiden, habe die Soziologin Karin Jurczyk hingewiesen: In der „Rushhour des Lebens“ zwischen 30 und 45 Jahren ballen sich Erwerbstätigkeit, Familiengründung und andere Lebensentscheidungen, es bleibe wenig Zeit für Sorgetätigkeiten an Kindern oder alternden Eltern. Jurczyk plädiere für „atmende Lebensläufe“, in denen ohne finanzielle Nachteile die Erwerbsarbeit für gesellschaftlich relevante Sorgearbeit reduziert oder unterbrochen werden kann. Dass heute schon, angestoßen durch den Fachkräftemangel, viele Arbeitgeber, selbst in kleineren Handwerksbetrieben, Rücksicht auf Familienbedürfnisse nehmen, wertete Mock als positives Zeichen.

In der eigenen Familie erfahre sie soeben, wie es sei, die eigenen Kinder „in Freiheit zu entlassen“, mit dem Ehemann die Paarbeziehung neu zu entdecken und die gewonnene freie Zeit selbstbestimmt zu nutzen. Eine sinnvolle ehrenamtliche Tätigkeit biete die Mitarbeit in den Kolpingsfamilien, die sich ja nicht von ungefähr „Familien“ nennen, regte Mock an.