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Tradition seit 1975 Georgsmarienhütter fahren zum Austausch nach Israel

Von Joachim Dierks | 11.03.2015, 19:03 Uhr

Seit 1975 finden Begegnungen zwischen Jugendlichen aus Georgsmarienhütte und der israelischen Partnerstadt Ramat Hasharon statt. Traditionell in den Osterferien reist eine Jugendgruppe nach Israel, der Gegenbesuch der Israelis folgt im Sommer. Nur in den Jahren, in denen die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Palästinensern besonders hochkochten, mussten die Besuche ausfallen. Aber in diesem Jahr klappt es wieder.

20 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren haben das Ticket für die Reise vom 26. März bis zum 6. April in der Tasche. Sie kamen jetzt zu einem dreitägigen Vorbereitungsseminar in die Katholischen Landvolkhochschule Oesede (KLVHS). Die städtische Jugendpflegerin Martina Möllenkamp und externe Referenten sorgten für ein dichtes Programm mit Informationen über Land und Leute, Religion und Kultur. Aber auch das gegenseitige Kennenlernen gehörte dazu. Schließlich werden die Jugendlichen über die zwölf Tage viel zusammen in der Gruppe unternehmen, auch wenn sie die Abende und Nächte meistens in ihren Gastfamilien verbringen.

Drei Viertel der Teilnehmer weiblich

Es ist eine muntere Truppe, die da in den Startlöchern sitzt. Auf die Frage, warum denn drei Viertel der Teilnehmer Mädchen sind und nur ein Viertel Jungen, tönt es aus der Mädchen-Ecke: „Wir sind in diesem Alter einfach schon weiter als die Jungen, irgendwie reifer und selbstständiger“, worauf Gelächter bei den Mädchen und Proteste bei den Jungen folgen. Aber sie können auch in den ernsten Modus umschalten. In den Passagen des Vortrags von Professor Kay Peter Jankrift (Universität Augsburg), die sich mit dem Holocaust und der andauernden Verantwortung auch der deutschen Nachgeborenen befassen, herrscht gespannte Konzentration.

Kein Land wie jedes andere

„Israel ist für uns Deutsche kein Land wie jedes andere“, weiß die 15-jährige Cora, die schon einmal mitgefahren war und ihre Erfahrungen einbringt. Beispielsweise, wie man sich kleiden sollte, wenn man die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht: „Shorts oder löchrige Jeans geht gar nicht, etwas dezenter sollte es schon sein. Oben herum sollte man etwas Weißes tragen, denn Weiß ist für die Israelis die Farbe der Trauer und Solidarität.“

Reiz des Abenteuers

Der ebenfalls 15-jährige Florian weiß auch schon ein wenig, was ihn erwartet, denn sein Bruder war 2014 mitgefahren, und er hatte die israelische Gruppe kennengelernt, die im August zum Gegenbesuch in Georgsmarienhütte war. „Die waren alle gut drauf und voller spaßiger Ideen. Irgendwie sind die temperamentvoller als wir“, hat er beobachtet. Gleichzeitig könnten sie aber auch Trauer viel deutlicher zeigen, etwa beim Besuch im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Und beim Abschied, als die Israelis zurückmussten: „Da haben die alle geweint.“ Von seinem Besuch in Israel verspricht sich Florian den Reiz des Abenteuers, denn „das ist ja doch etwas ganz anderes als ein Schüleraustausch mit England oder Frankreich, wo es in erster Linie um die Sprache geht.“

Sicherheit im Fokus

Die Sicherheit der Reisegruppe stehe natürlich ganz oben an, sagte die Reiseleiterin Martina Möllenkamp: „Um die Krisengebiete wie Gazastreifen und Westjordanland werden wir einen weiten Bogen machen.“ Eine Mehrtagesreise wird in den Norden führen mit den Höhepunkten Akko, See Genezareth, Jordan, und Golan-Höhen. Beim anschließenden Trip in den Süden stehen das Tote Meer, die Festung Massada, Wüste Negev und Eilat am Roten Meer auf dem Programm. Auch Jerusalem und Tel Aviv werden besichtigt. In den Gastfamilien werden die Jugendlichen das jüdische Pessach-Fest miterleben. Das hohe Fest erinnert an den Auszug der Juden aus Ägypten und damit an das Ende der Versklavung.