Ein Artikel der Redaktion

Thema Familie im Mittelpunkt Kolping-Diözesanversammlung in GMHütte

Von Petra Pieper | 08.09.2017, 20:12 Uhr

Im Mittelpunkt der Kolping-Diözesanversammlung an diesem Wochenende in GMHütte steht das Thema „Familien heute – vielfältig und herausfordernd“.

Familien mit Problemen brauchen Menschen, die ihnen liebevoll zur Seite stehen. Das ist, auf den Punkt gebracht, die einfache Quintessenz des „Geistlichen Morgens“, mit dem am Freitag in der Katholischen Landvolkhochschule Oesede die diesjährige Kolping-Diözesanversammlung startete.

Familiäres Miteinander

Im Sinne eines „familiären Miteinanders“ im Jahr des Reformationsjubiläums hatte man die Auftaktveranstaltung bewusst ökumenisch gestaltet; Referenten waren der Geschäftsführer der Evangelischen Erwachsenenbildung der Region Osnabrück, Pastor Frieder Marahrens, und der Leiter des Psychologischen Beratungszentrums Lingen, Ehe- und Familienberater Christoph Hutter. Die Moderation lag in den Händen von Kolping-Diözesanpräses Reinhard Molitor und Christof Helming, Diözesanleiter „Geistliches Leben“.

Orientierungshilfe des Rates der EKD

Marahrens stellte anhand der Orientierungshilfe des Rates der EKD von 2013 „Zwischen Autonomie und Angewiesensein – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ die Position der evangelischen Kirche vor. Familie habe jeder, sie könne Quell des höchsten Glücks, aber auch Möglichkeit des Scheiterns sein. Die Idylle einer heilen Familie werde nur zu oft von Herausforderungen wie Zeitknappheit, Kinderarmut oder gar Gewalt in der Familie bedroht. Es müsse darum gehen, Familie als „Ort des Füreinander-da-Seins“, der Wertevermittlung und der Fürsorglichkeit zu stärken. Familie müsse immer wieder „neu gedacht“ werden. Dazu gehöre nach Überzeugung eines großen Teils der Evangelischen Kirche auch die Trauung homosexueller Paare.

Päpstliches Schreiben

Aus seiner Arbeit in der Familienberatung wisse er, so Hutter, dass in Familien vieles schief gehe. Umso faszinierender sei es für ihn, was der Papst dazu sage. In „Amoris laetitia“, dem nachsynodalen päpstlichen Schreiben vom Frühjahr 2016, zu Deutsch „Freude der Liebe“ in Ehe und Familie, schaue Franziskus den Familien „auf’s Maul“, zeichne ein realistisches Bild und setzte da an, „wo es scheppert“. Gerade auch diejenigen, deren Lebensführung in den Augen anderer „katastrophal“ sei, gehörten in den Schoß der Familie, gerade um sie und ihre Probleme, so der Papst, müssten sich Familie und Kirche kümmern.

Franziskus rüttle zwar nicht an den kirchlichen Lehrsätzen, aber er richte ihre Auslegung an Barmherzigkeit und Liebe aus, statt dem Menschen moralische Grundsätze „wie Felsbrocken um die Ohren zu hauen“.

„Aufruhr, Aufruhr von ganz oben“

Im Zweifelsfall stehe das aufrichtige Gewissen des Einzelnen über dem Lehramt. Wie der Papst über die Themen Sexualität, Kindererziehung, christliche Trennungskultur, Leid, Ausgrenzung und Ökumene spreche, sei „Aufruhr, Aufruhr von ganz oben“, zeigte sich Hutter begeistert.

In der anschließenden Diskussion versicherte Domkapitular Molitor: „In unserem Bistum gibt es keine Denkverbote“ und legte den Zuhörern nahe: „Wir sollten uns auch selbst keine auferlegen“. Die erhaltenen Impulse möchten von den Anwesenden als Multiplikatoren in ihre jeweiligen Kolpingsfamilien getragen und umgesetzt werden.