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Wasserturm komplett saniert Mit 100 Jahren wieder in Top-Form

Von Hauke Petersen | 20.09.2012, 05:56 Uhr

Ein 360-Grad-Panorama von ganz GMHütte. Die wenigsten können so einen Blick jeden Tag genießen. Sibylle und Eckhard Weber schon. Sie bewohnen den Wasserturm an der Karolinenhöhe in Oesede. Der ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden – und dank der Webers auch wieder ganz der Alte.

Im Jahr 1979 haben die Webers den Turm samt Brunnenhaus der Stadt Georgsmarienhütte abgekauft. Aber wieso kauft man einen Wasserturm? Bei den Webers hatte es musikalische Gründe. „Neben Menschen zu wohnen, die ständig musizieren, ist grässlich“, sagt Eckhard Weber. Es klingt nach einer Beschwerde über ehemalige Nachbarn, ist aber eine ironische Selbstanklage. Denn es waren die Webers, in deren Wohnung ständig geübt wurde.

Also musste ein Haus her, und da stieß Sibylle Weber auf die Annonce in der Zeitung: „Wasserturm zu verkaufen.“ Das Interesse war geweckt. Bei einem ersten Erkundungsbesuch am Kruseweg war das Tor verschlossen. Ein freundlicher Nachbar ließ die Webers aus seinem Garten gucken. „Da sind wir einmal drum zu geschlichen“, erinnert sich Sibylle Weber.

Liebe auf den ersten Blick? Man kann es kaum glauben, denn schon von außen sah man dem Turm damals an, dass noch vieles zu tun war. Nach einigen Erkundigungen aber entschieden sie sich zum Kauf. „Wir haben viel Mut aufgebracht“, sagt Sibylle Weber.

Die Geschichte des Wasserturms und der Karolinenhöhe hat Inge Becher, Mitarbeiterin der Stadt, aufgearbeitet. Der Wasserturm wurde demnach 1912 zur Wasserversorgung der damals entstehenden Karolinenhöhe errichtet. Die Siedlung war die Idee der Familie Stahmer, die in Oesede eine Eisengießerei betrieb. Schon damals gab es einen Mangel an Facharbeitern, und die Firma versuchte, mit den günstigen Wohnungen attraktiver zu werden.

Erste Probleme traten auf, als die Pumpenanlage im Turm in den 1930er- und 1940er-Jahren zu schwächeln begann. Die Unterhaltungskosten stiegen rasant. 1955 verlegte das zwischenzeitlich von der Firma Siemens und Halske übernommene Unternehmen seinen Sitz nach Braunschweig.

Nur zwei Jahre später hatte der Wasserturm ausgedient. Seine Mauern verwitterten über mehr als 20 Jahre. Bis die Webers sich seiner annahmen. Im Februar 1979 ging die Arbeit los. Eckhard Weber als gelernter Handwerker hat viel selbst gemacht, unterstützt durch Kaspar Möller, seinen damaligen Chef und Oberstudiendirektor bei der Berufsschule Natruper Straße. Auch die Kinder Isabel (damals 18) und Mark (9) packten mit an.

Zu tun war einiges. Der Maschinenraum war zwar geräumt, hinterlassen hatte die Stadt aber einen dicken Betonblock, auf dem der Generator platziert war. Innerhalb des Gebäudes habe es keine Isolierung gegen die Feuchtigkeit gegeben, sagt Eckhard Weber. „Die Steine an den Wänden im Erdgeschoss waren auch in ein Meter Höhe noch blau.“ Alles musste raus. Als mitten während der Renovierung die Sirene auf dem Dach losging, trennten sich die Webers auch von ihr.

Einzug war am 8. Dezember desselben Jahres. War damals wirklich schon alles fertig, nach nur zehn Monaten? „Fertig waren wir vor zwei Wochen“, sagt Eckhard Weber. Über die Jahre haben sich die Webers langsam zur Spitze in 25 Meter Höhe emporgearbeitet. Allein im Turm sind noch zwei kleine Zimmer entstanden, unter anderem mit Material aus der abgerissenen Sparkasse Osnabrück.

Pünktlich zum Tag der offenen Tür war der Turm sogar beleuchtet. Auf dem Grundstück war viel los am vorvergangenen Sonntag, sagen die Webers. Mindestens 300 Gäste haben sie durch die Räume geführt. Diese konnten sich anhand der eigens zusammengestellten Foto-Collagen an den Wänden über den Werdegang des Turms informieren.

Gibt es jetzt noch Pläne? „Nein“, sagt Eckhard Weber, „wir sind fertig“, und zwar in doppelter Bedeutung.