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Lebendig, scharf und witzig Oeseder Gymnasiasten brillieren in „Der Besuch der alten Dame“

Von Horst Troiza | 28.09.2011, 14:51 Uhr

Was allein nur zählt, ist der Mammon. Das hat niemand so drastisch dargestellt wie Friedrich Dürrenmatt in seiner Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“. Die Theater-AG des Gymnasiums Oesede hat sich des Stücks angenommen und mit Schärfe und Witz auf die Bühne gebracht.

Zu Dürrenmatts Klassiker muss nicht viel gesagt werden: Die alte, inzwischen reich gewordene Dame kommt zurück in ihre Heimatstadt. Diese versinkt im Todeskampf, und die Bürger erwarten Rettung von außen. Diese können sie von der alten Dame bekommen – „eine Milliarde“, wie sie verspricht. Im Gegenzug dafür fordert sie allerdings den Kopf von Ill, ihrem Geliebten aus der Jugendzeit, der ihr einst übel mitgespielt hat. Erst zieren sich alle, faseln von Humanismus, dann wird aber doch zum Halali auf den Mitbürger geblasen.

Während der gesamten Aufführung läuft links auf der Bühne auf einer Leinwand eine Dia-Show. Die Fotos zeigen Börsenkurse, Stapel von Banknoten, Goldbarren und Menschen erstarrt in deren Betrachtung. Neben dieser Kulisse agieren die jungen Darsteller der Theater-AG und setzen diese Bilder um in eine lebendige Sprache, die einem in ihrer Direktheit oft tief unter die Haut geht.

Glaubwürdige Darsteller

Die Kälte der Claire, gespielt von Melina Schlinge, kraucht bis in die hinterste Reihe der Bestuhlung. Die 250 Zuschauer im Schulfoyer sind gefesselt, wenn sie auf ihren High Heels energisch über die Bühne schreitet und das Rad des Plots unerbittlich nach vorn treibt. Tobias Laubrock als Ill entwickelt glaubwürdig dessen Charakter von Empörung zu Resignation. Überhaupt haben die verantwortlichen Lehrerinnen Martina Niebrügge und Elke Hülsmann ein gutes Händchen bei der Besetzung der vorherrschend aus Mittelstufenschülern bestehenden Darsteller gezeigt. Selbst in Nebenrollen wie etwa der des Schaffners (Vanessa Kleyer) steckt schauspielerische Hingabe.

Bei aller Tragik ist das Stück nicht frei von Witz. Claires Anspielungen auf die Vielzahl ihrer Prothesen oder ein Darsteller als Baum – das lockert die Anspannung ein wenig. Schließlich ist die Aktualität des 55 Jahre alten Stoffs beängstigend, da doch heute, nur einige Monate nach der globalen Finanzkrise, der Tanz ums Goldene Kalb des Mammons schon wieder atemberaubende Geschwindigkeit angenommen hat.