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Konzert in Georgsmarienhütte Michael Patrick Kelly begeisterte im Rosenhof-Zelt

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 09.07.2017, 16:00 Uhr

Fast ausverkauft war das Rosenhof-Zelt in Georgsmarienhütte, als Michael Patrick Kelly mit seiner Band dort auftrat. Auch ohne die Family begeisterte der fast 40-jährige Musiker seine Fans.

Es ist mucksmäuschenstill im Zelt. Die Musiker auf der Bühne verharren in nachdenklichen Posen, die Thekenkräfte stellen für eine Minute ihre Tätigkeit ein und die mehr als 800 Konzertbesucher geben keinen Ton von sich. „Ich möchte eine Friedensminute einlegen. Macht ihr mit?“ hatte Michael Patrick Kelly seine Fans gefragt und brandenden Applaus geerntet. Dann wurde es still. Zuvor hatte er bei einem Song eine riesige Flagge geschwenkt, auf der eine Friedenstaube symbolisch den Globus überfliegt. Er ist halt ein Mensch, dem das friedliche Zusammenleben der Menschen auf der Welt etwas bedeutet und der das auch zeigt. Nicht umsonst wurde er 2003 wegen der Teilnahme an einer Demonstration gegen den Irak-Krieg in New York von den amerikanischen Behörden festgenommen und für kurze Zeit ins Gefängnis gesteckt.

Engagement für den Frieden

Jetzt engagiert sich Michael Patrick Kelly in Georgsmarienhütte für den Frieden. Im Rahmen von „ Rosenhof on Tour “ tritt er im fast ausverkauften Zelt auf. Junge Frauen, ältere Damen, Männer mit kleinen Kindern auf den Schultern: Das Publikum ist bunt gemischt, das den ehemaligen Frontmann der Kelly Family als Solokünstler sehen und hören will. Allerdings ist „Solokünstler“ gar nicht der richtige Ausdruck, denn Patrick hat zur Verstärkung eine fünfköpfige Band mitgebracht.

Songs über Identitäten

Mit ihr präsentiert er „iD“. So heißt das brandneue Album, in dem viele Songs die Identitäten des Menschen thematisieren. So startet er das Konzert mit dem Opener „Golden Age“, in dem er über die goldene Ära nachdenkt, in der er noch jung war. Ob er diesen Zeiten nachtrauert oder ob er mit der Kelly Family -Phase endgültig abgeschlossen hat, weiß man nicht wirklich. Immerhin hat sich Paddy, wie er früher genannt wurde, nicht an dem Revival der übrigen Familienmitglieder beteiligt. Allerdings verleugnet er seine Vergangenheit auch nicht, denn den Song, den er schrieb und noch mit hüftlanger Haarpracht sang, um der singenden Familie den kommerziellen Durchbruch zu bescheren, steht jetzt auch auf der Setlist: „An Angel“. Ergriffen hören seine Fans zu und bemerken, dass die Stimme von MPK zwar älter und reifer geworden ist, aber immer noch dieses besondere Flair hat.

Händchen für Hymnen

Und was Kelly auszeichnet, ist ein Händchen für hymnische Melodien, die jedes Auditorium in Nullkommanix in den Stadion-Modus versetzt. Egal ob hart rockender Song, ob folkige Nummer oder süße Ballade, stets läuft es bei MPKs Liedern auf einen griffigen Chorus hinaus, bei dem alle mitmachen. Eines der besten Beispiele ist der Titelsong des neuen Albums, bei dem er auf der Platte von Reggae-Sänger Gentleman begleitet wird. „Eidie eidie eidie, ohoho“, singt Patrick jetzt allein vor und das ganze Zelt stimmt ein. Beim Lied „Here And Now“ begibt er sich geradezu in einen Chordialog mit dem Publikum. Aber auch sonst spart der Troubadour während seiner Show nicht mit unterhaltsamen Einlagen. Mal surft er auf den Händen seiner Fans zur Theke, um sich ein Bier zu holen. Dann singt er die keyboardlastige Ballade „Flüsterton“ von Mark Foster auf deutsch, er setzt sich ans Piano, auf dem sein Gitarrist steht und ein Solo spielt oder er nimmt am Ende einer Rock´n´Roll-Nummer einen tiefen Schluck Wasser in den Mund, den er als große Fontäne gegen die Decke spuckt.

Ballade mit Kindern

Hartnäckig fordert das Publikum nach fast zwei Stunden Show Zugaben – und bekommt sie auch. Schließlich versammelt er mehrere Kinder aus dem Publikum um sich, um eine akustische Ballade zu singen und verabschiedet sich mit einer letzten langsamen Hymne. Vor allem die Fans, die schon einen Tag vor dem Konzert das Zelt umlagert hatten, um ihren Star empfangen zu können, sind restlos begeistert.