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Jetzt leben sie mittendrin Alternatives Wohnprojekt in Kloster Oesede gegründet

Von Danica Pieper | 29.01.2013, 05:41 Uhr

Über fünf Jahre hat der GMHütter Verein „Mittendrin“ fleißig verhandelt und Spenden gesammelt, um eine Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung gründen zu können. Im Dezember war es schließlich so weit: Jonas, Lena, Vanessa, Ramona und Tobias bezogen ihre WG in Kloster Oesede, die die erste ihrer Art in Niedersachsen ist.

Für Ute Rolf beginnt die Geschichte von „Mittendrin“ eigentlich schon am 2. Juli 1989 mit der Geburt ihres Sohnes Jonas. „Da ist mir aufgefallen, wie wichtig es ist, dass Menschen mit Behinderungen zur Gesellschaft gehören. Ich habe schon immer in diese Richtung tendiert, aber ich hätte mich nie so engagiert, wenn ich nicht selbst ein behindertes Kind gehabt hätte.“ Ihr Engagement begann im „Arbeitskreis Down-Syndrom“, während ihre Vereinskollegin Beate Möller Teil einer Initiative von Eltern mit behinderten Kindern war. „Eigentlich kennen Beate und ich uns schon, seit wir fünf Jahre alt sind, aber so haben wir uns wiedergefunden.“ Die beiden Frauen setzen sich dafür ein, dass ihre Kinder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Mit Erfolg: Sie erreichten unter anderem die Einrichtung einer Integrationssportgruppe im Verein Harderberg und einer DLRG-Schwimmgruppe.

Schließlich kam ihnen die Idee einer Wohngemeinschaft, die es ihren Kindern ermöglichen soll, auch als Erwachsene vor Ort zu wohnen, damit sie nicht in einem weit entfernten Wohnheim leben müssen. Um diesen Traum zu verwirklichen, gründeten Rolf und Möller mit ihren Ehemännern und drei weiteren Personen 2007 den Verein „Mittendrin“. Was folgte, waren lange Verhandlungen mit dem Landkreis Osnabrück. „Der Landkreis war offen und positiv eingestellt, aber auch ängstlich, denn das ist das erste Projekt dieser Art in Niedersachsen“, erklären Rolf und Möller. Für den Landkreis ist die WG ein Pilotprojekt: Sollte es gut laufen, will er weitere Wohngruppen unterstützen.

Zunächst suchten die Initiatoren in Oesede nach einer Bleibe, doch schließlich entschieden sie sich für eine Wohnung im Zentrum von Kloster Oesede, die sie zu günstigen Konditionen mieten konnten. „Hier wird noch aufeinander geschaut, es ist nicht so unpersönlich“, meint Möller, und Rolf fügt hinzu: „Das soziale Netzwerk ist noch intakt.“ Auch sonst haben sich viele Freiwillige bereit erklärt, bei der Renovierung zu helfen, sodass Jonas, Lena, Vanessa, Ramona und Tobias, die seit ihrer Kindheit befreundet sind, am 15. Dezember einziehen konnten.

Selbstständig leben

„Wir sind mit der Wohnung super zufrieden“, meint Möller begeistert. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer mit Bad, außerdem gibt es eine Küche, ein Wohnzimmer und einen Raum für die Betreuer. Morgens wecken Mitarbeiter der Caritas die 21- bis 26-Jährigen. Am Nachmittag, wenn sie von ihrer Arbeit in den Osnabrücker Werkstätten in Hilter zurückkehren, schaut die Heilpädagogische Hilfe nach ihnen, die ihnen auch zeigt, wie man einen Haushalt führt. Nachts sowie am Sonntag kümmern sich Studenten. Ziel ist es, die Betreuung mit der Zeit immer weiter zu reduzieren, damit die fünf möglichst selbstständig leben können. Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt, so gehen sie beispielsweise ohne Betreuer einkaufen. Jonas, Lena, Vanessa, Ramona und Tobias selbst gefällt es sehr gut in ihrem neuen Zuhause. „Endlich ohne Eltern!“, meint Lena. An Silvester gab es das erste gemeinsame Fest, bei dem die fünf mit zwei Betreuern gefeiert haben, „bis 4.48 Uhr“, wie Lena erzählt.

Der Verein will sich vorerst auf die Wohngruppe konzentrieren, bietet aber weiterhin Beratung für Eltern mit behinderten Kindern an. Außerdem gibt er Eltern Hilfestellung, die auch eine Wohngemeinschaft für ihren Nachwuchs gründen wollen. Rolf: „Unser Traum ist es, dass solche Wohnprojekte selbstverständlich werden.“ Wer sich die WG selbst einmal anschauen möchte: Am 21. April findet ein Tag der offenen Tür statt.