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Hochspannungsleitungen Schulterklopfen nach Entscheidung für Erdkabel

04.12.2015, 18:12 Uhr

Die Hochspannungsleitung durch den Südkreis kann zum Teil in die Erde verlegt werden. Der entsprechende Beschluss des Bundestages vom Donnerstag löst im Südkreis und in Osnabrück Genugtuung und reges Schulterklopfen aus.

Der Bundestag hat die Trasse 16 von Wehrendorf über Osnabrück-Lüstringen bis Gütersloh insgesamt als Erdkabel-Pilotprojekt in das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aufgenommen. Das bedeutet, dass besonders kritische Teile der künftigen 380-kV-Leitung in die Erde gelegt werden können. Einen Vorrang für das Erdkabel gibt es aber nicht. Die unterirdische Verlegung müsse für jeden Abschnitt „dezidiert begründet werden“, erklärt der Osnabrücker Grünen-Landtagsabgeordnete Volker Bajus. Bislang galt die Erdkabel-Option nur für das Umfeld des Umspannwerkes in Lüstringen. „Da in der Regel in einem Teilabschnitt aus technisch-wirtschaftlichen Gründen mindestens drei Kilometer Erdkabel verlegt werden müssen und dies in beide Richtungen für das Umspannwerk Lüstringen gilt, dürfte die Stadt komplett von dieser Gesetzesreform profitieren“, sagte Bajus.

Lob für Bürgerinitiativen

Der Landtagsabgeordnete sparte nicht mit Lob: für die Politikerkollegen aller Parteien aus der Region auf Landes- und Bundesebene, für Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel und vor allem für die Bürgerinitiativen entlang der Trasse. Deren Sprecher Frank Vornholt habe ebenso sachlich wie beharrlich für das Projekt Erdkabel geworben, „und zwar immer konstruktiv“, betonte Bajus.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete André Berghegger aus Melle bewertete die Entscheidung des Bundestages als einen „großen Schritt für die Region und eine hervorragende Gemeinschaftsleistung aller, die an dem Projekt mitgearbeitet haben“. Wo und in welchem Umfang Erdkabel gelegt werde, müsse in einem zweiten Schritt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten untersucht werden, erklärte der CDU-Abgeordnete. ( Weiterlesen: André Berghegger und Mathias Middelberg fordern Erdkabel )

„Wir freuen uns riesig darüber“

Freude und Erleichterung auch bei Frank Vornholt: Als die Bürgerinitiative vor zweieinhalb Jahren mit ihrer Arbeit begann, sei die fehlende Rechtsgrundlage für die Verlegung von Erdkabeln das Grundproblem gewesen. Mit der Entscheidung des Bundestages seien nun die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um die von den BIs geforderte Teilverkabelung zu ermöglichen: „Das ist der wichtigste Schritt überhaupt“, betonte der Initiativensprecher. Es sei zwar nicht davon auszugehen, dass das Erdkabel durchgängig auf der gesamten Strecke verlegt werde, wohl aber in den Konfliktbereichen. Insofern sei es als Erfolg zu werten, dass eine für Mensch und Natur verträgliche Lösung gefunden werde: „Wir freuen uns riesig darüber“, sagte Vornholt. Sein Dank galt allen Entscheidungsträgern von „unten nach oben“, die sich für die gleichen Ziele eingesetzt und dafür gekämpft hätten. Jetzt gelte es, die Forderungen gegenüber dem Netzbetreiber Amprion zu forcieren, um eine möglichst naturverträgliche Lösung zu finden.

Kritik an Spiering

In all die Freude über den Erfolg mischte sich aber auch Kritik, die der Sprecher in Richtung Rainer Spiering äußerte. Der SPD-Bundestagsabgeordnete hatte die bevorstehende Entscheidung bekannt gegeben und als Erfolg der Lobbyarbeit vor Ort gewertet. Nach Meinung von Vornholt werde dadurch der Eindruck vermittelt, Spiering habe daran mitgewirkt, was aber nicht stimme. Ganz im Gegenteil: Noch vor einem Jahr habe Spiering die Möglichkeit der Erdverkabelung als nicht durchsetzbar bewertet und sich defensiv verhalten, während er sich heute mit fremden Federn schmücke. Demgegenüber lobte Vornholt insbesondere das Engagement von Landrat Michael Lübbersmann und Kreisrat Winfried Wilkens.

Andere Bedingungen für Trasse 18

Die Erdkabel-Option gilt auch für die Trasse Conneforde - Cloppenburg/Ost - Merzen im nördlichen Osnabrücker Land. Für die Trasse 18, die von Lüstringen über Voxtrup, Nahne, Hellern nach Westerkappeln führt und etwa 8000 Bewohner von Osnabrück betrifft, steht eine Erdverkabelung nicht zur Diskussion. Zurzeit tragen die Masten dort eine 220-kV-Leitung. Für diese Verbindung liegt seit 1982 eine Genehmigung zur Aufrüstung auf 380-kV vor. Netzbetreiber Amprion lässt zurzeit in einem neuen Planfeststellungsverfahren prüfen, ob die 32 Jahre alte Genehmigung noch zeitgemäß ist. Die Stadt hat gefordert, Alternativen zu der aktuellen Trasse zu suchen.