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GMHütte sorgt für bundesweite Premiere Barrierefreiheit dank modernster Technik an der Ampel Peter und Paul

Von Wolfgang Elbers | 18.04.2018, 17:17 Uhr

Fortschritt kann manchmal so einfach sein: Gerade mal um die 20000 Euro hat die Stadt die Ausstattung der Ampelanlage Peter und Paul mit einem taktilen Blindenleitsystem gekostet. Dank modernster Technik ist GMHütte an der Kreuzung jetzt sogar in Sachen Barrierefreiheit bundesweit Vorreiter.

Die Freude über das Erreichte war der Stimme von Gerhard Renzel, Sprecher des GMHütter Behindertenbeirats, deutlich anzumerken: „Hier haben wir jetzt eine richtungsweisende Ampelanlage, die technische Neuentwicklungen, die in Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband an der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität entwickelt worden sind, erstmals bundesweit eingesetzt“, betonte er den Stellenwert der umgesetzten Neuerungen an der Kreuzung im Stadtzentrum.

Stadt trägt Kosten

In „guter Zusammenarbeit“ mit der Stadt, die komplett die Kosten übernommen hat, und der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sei es gelungen, hier die neueste Technik, die es gibt, einzubauen und eine Vorzeigelösung in Sachen Barrierefreiheit mit Leuchtturmfunktion zu realisieren. Renzel: „Dies zeigt auch bereits die Aufmerksamkeit, die das Projekt über die Region hinaus findet.“

Es gebe bereits Anfragen von Kommunen, die ebenfalls die Neuentwicklung einsetzen wollen. Die Ausstattung mit dem taktilen Leit-System ermögliche es, dass auch Vollblinde ohne Lichtwahrnehmung ein Höchstmaß an Orientierung und Sicherheit vorfänden – eine zentrale Voraussetzung für die uneingeschränkte Teilhaben im öffentlichen Leben. Möglich machen das an der der Kreuzung Peter und Paul neben den taktilen Bodenelementen wie den sogenannten Rippen- und Noppenplatten, die zum Beispiel auch an barrierefreien Bushaltestellen vorzufinden sind und mit dem Blindenstock das Ertasten der Richtung gewährleisten, weiterentwickelte akustische Signalgeber.

In Kreuzungsbereichen wie im Oeseder Zentrum, der einer der verkehrsreichsten Knotenpunkte in GMHütte ist und eine entsprechende Lärmkulisse hat, ist eine Orientierung für seheingeschränkte Fußgänger extrem schwierig. Dank neuer Techniklösungen bietet die Signalanlage bei Peter und Paul hier einen musterhaften Barrierefreiheit-Standard.

Die Ampel verfügt jetzt über intelligente akustische Lösungen, die das Auffinden des Signalmastes durch eine geräuschabhängige Lautstärkeregelung so steuert, dass zum Beispiel das deutliche, ständige Tacken nur in einem Umkreis von maximal vier Metern wahrzunehmen ist. So wird verhindert, dass sich Anlieger vor allem in den Abend- und Nachtstunden durch den Dauerton gestört fühlen.

„Loc-ID“ heißt die neue Technik, die hier zum Einsatz kommt, und per Bluetooth-Signal sowohl über eine Smartphone-App als auch ein sogenanntes „Ein Knopf Gerät“ genutzt werden kann. Das System wird ebenfalls bei Fahrgastinformationen bei Bus und Bahn Anwendung oder bei Gebäuden mit Publikumsverkehr wie Rathäusern verwendet.

Neuentwickelte „Loc-ID“-Technik

Auch beim standardmäßigen akustischen Grün-Signal für Sehbehinderte an Ampelanlagen – dem rhythmischen Piepen im hohen Frequenzbereich – wird die Neuentwicklung eingesetzt. Der Pilotton wird beim Überqueren der Straße vom gegenüberliegenden Signalmast übernommen je näher der Nutzer der anderen Straßenseite kommt. Der GMHütter Behindertenbeirat-Sprecher Renzel: „Die Neuerungen machen es Seheingeschränkten möglich, sich auch an viel befahrenen Knotenpunkten sicher zu bewegen.“

„Am Ende zählt das Ergebnis“, ging Renzel bei der Vorstellung der Neuerungen nur kurz darauf ein, dass die jetzt erreichte modellhafte Barrierefreiheit an der Kreuzung Peter und Paul ein längeres Vorspiel hatte. Seit Anfang 2016, nach der Fahrbahnerneuerung der L 95 im Oeseder Zentrum, haben die Behindertenvertreter regelmäßig beim Straßenbauamt Verbesserungen gefordert, nachdem dies im Zuge der Sanierungsarbeiten im Kreuzungsbereich unterblieben war.

Noch kein DIN-Standard

Letztendlich hat nach Angaben der Behindertenvertreter dann der Leiter der Osnabrücker Geschäftsstelle der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Cord Lüesse, entschieden: „Wir tragen das mit.“ Lüesse machte bei der Vorstellung der Neuerungen noch einmal deutlich: „Das sind Neuerungen und Zusatzfunktionen, die nach dem DIN-Standard, der für uns bei solchen Maßnahmen entscheidend ist, nicht vorgesehen sind.“ Es gebe hier keinen Spielraum.

Die Übernahme der Kosten durch die Stadt hat jetzt die Neugestaltung ermöglicht. Aber auch nur an der Stelle. Die sich direkt an der Klöcknerstraße anschließende Signalanlage am früheren Bolte-Haus bildet weiter den bisherigen Standard ab. Hier hat die Stadt taktile Bodenelemente eingebracht, aber keine Akustik-Verbesserungen vorgenommen.