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Gefragt ist Online-Präsenz Referat in GMHütte: Onlinehandel und Mittelzentren

Von Petra Pieper | 31.07.2015, 15:24 Uhr

Auf Einladung der Wirtschaftsförderung der Stadt referierte Projektleiterin Halina Gebert vom Beratungsbüro Dr. Lademann und Partner vor rund 40 Einzelhändlern und Kommunalpolitikern über die Auswirkungen des Onlinehandels auf den stationären Handel in Mittelzentren.

Das Büro ist unter anderem in der Marktforschung und als Gutachter für Investoren und Kommunen tätig; Einzelhandels- und Innenstadtentwicklungskonzepte gehören zu seinem Angebot.„Eine Stagnation des stetig wachsenden Onlinehandels ist nicht in Sicht“, lautete Geberts Prognose. Insbesondere mittelgroße Zentren wie Georgsmarienhütte müssten sich darauf einstellen, wenn sie nicht Verluste bis zu einem Viertel ihrer Umsätze riskieren wollten. Allerdings würden nicht alle Mittelzentren gleichermaßen betroffen sein, schränkte die Referentin ein. Strukturschwache Regionen seien stärker gefährdet als Orte, in denen die Einwohnerzahl konstant bleibe oder wachse.

Erlebnisshopping

Vor allem, wenn es gelinge, Kunden und Besucher zum längeren Aufenthalt in den Einkaufszonen zu bewegen, ihnen das „Erlebnisshopping“ und eine „Treffpunkt-Qualität“ im Ort zu bieten, könne eine ungünstige Entwicklung abgewendet werden. Mit Beratung und Service dem Kunden einen Zusatznutzen zu bieten und dabei durchaus auch das Internet zu nutzen, sei eine vielversprechende Option. „Dazu brauchen Sie nicht gleich einen eigenen Online-Shop zu eröffnen“, beruhigte die Referentin die Zuhörer. „Aber Sie sollten im Netz Präsenz zeigen.“ Sogenannte Multi-Channel-Modelle ermöglichten es dem Kunden, sich vor seinem Einkauf zu informieren, ob das gewünschte Modell oder die gesuchte Marke oder Größe vorrätig seien, das er dann „noch am selben Tag“ mit nach Hause nehmen könne. Mit dem Modell „online suchen – lokal kaufen“ wäre der stationäre Handel dem Online-Handel sogar überlegen.

Soziale Kontakte

In der anschließenden Diskussion forderte Wirtschaftsförderer Andreas Wolf, die Bedeutung des Einzelhandels müsse auch in der Kommunalpolitik stärker gewürdigt werden. Der Einzelhandel trage zum Leben im Zentrum bei, ermögliche soziale Kontakte. Die Wahrnehmung der Stadt und ihre Identität würden zu großen Teilen vom Wohlergehen des Einzelhandels abhängen. Auch die Vorsitzende der Citygemeinschaft Oesede, Karin Kemper, wünschte „die Unterstützung der Politik, insbesondere bei der Ansiedlung von Gastronomie und bei der Pflege des Erscheinungsbildes unserer Innenstadt.“

„Schieflage“

Bürgermeister Ansgar Pohlmann resümierte, dass die Politik in Georgsmarienhütte richtig entschieden habe, sich auf einen zentralen Versorgungsbereich zu beschränken und keine Ausweitung nach Westen zugelassen zu haben. Auch die Erreichbarkeit und die Parkplatzvorsorge seien zukunftsweisend. Um die Attraktivität des Zentrums zu verbessern, werde bald die Stadtplatzgestaltung in Angriff genommen, und auch an der Oeseder Straße sollten Verbesserungen vorgenommen werden. Dass in Niedersachsen nur vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt seien, das Internet hingegen Tag und Nacht und auch an jedem Wochenende geöffnet habe, sei eine Schieflage zu ungunsten des stationären Einzelhandels. Pohlmann kündigte an, im Herbst einen weiteren Referenten einzuladen und zu prüfen, welche Formate es für einen Georgsmarienhütter „Marktplatz im Internet“ gebe und wie man am besten verfahre.