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Freche Familien-Action Lotta lässt in GMHütte die Puppen tanzen

Von Frank Muscheid | 05.12.2015, 12:24 Uhr

Ein freches, kluges und warmherziges Stück für Kinder hat das Mobile Figurentheater Bremen am Donnerstag in den Niedersachsen-Saal gebracht. Mit „Lotta aus der Krachmacherstraße“ füllte die Bremerin Birgit Neemann die Plätze: 150 kleine und große Menschen sahen zu, mehr passten nicht rein. Und nach einer Stunde wollten sich viele Kinder noch unbedingt von der Puppe Lotta verabschieden, bevor sie selbst weiter durchs Leben toben.

Birgit Neemann machte mit ihren liebevoll gestalteten Puppen und ihrem lebendigen Spielstil den Größenunterschied zwischen sich und Lottas Miniatur-Familie, die aus der „Krugmacher-“ die „Krachmacherstraße“ macht, vergessen. Da fielen schon mal kleine Möbel um, wie im richtigen Leben, da wirbelte die fünfjährige Lotta auch sonst den Alltag mit ihren beiden Geschwistern, der siebenjährigen Mia-Maria und dem neunjährigen Jonas durcheinander.

Rückblende in die Kindheit

Neemann, die als Person die „große“ Mia-Maria darstellte, bekommt im Stück Post von Schwester Lotta, die da schon Mutter ist. Sie soll auf dem Dachboden nach dem Armband von Tante Berg suchen. Und dort erinnert sie sich plötzlich, wie das war, damals: Szenen springen mit den Kulissen auf die Bühne.

Wir erleben, wie Lotta aus Wut über ihren Kratzpullover zu ihrer Lieblingstante zieht. Dorthin gelangt sie immer wieder mit ihrem treuen Gefährten „Teddy“ durch eine lockere Latte im Zaun, um Waffeln abzustauben. Wir sind dabei, wie sich das selbstbewusste Nesthäkchen über ihr doofes Dreirad ärgert, weil die anderen schon Rad fahren. Und beim Versuch, Tante Bergs Rad zu bezwingen, sich zwar verletzt, aber dann ein eigenes, kleines geschenkt bekommt. Oder Weihnachten rettet, weil sie noch einen Weihnachtsbaum findet, den Papa viel zu spät kaufen wollte.

Viele witzige Einfälle

Dieses Stück lebte von vielen kleinen, witzigen Einfällen. Was da alles unnütz auf dem Dachboden rumlag! Kisten in Kisten oder bodenlose Tüten. Mit Mia-Marie entdecken wir diese kleine, scheinbar heile, aber trotzdem auch lebensnahe Familienwelt aus der Feder Astrid Lindgrens, eines der vielen Klassiker der schwedischen Kinderbuchautorin.

Die Kinder waren sofort gefesselt von der Geschichte: „Hör auf, Jonas!“, rief ein Kind, als Jonas auf einem Bett rumsprang und die Schwester ärgerte. Ein anderes Kind forderte: „Mit beiden Händen!“, als Wildfang Lotta Fahrradfahren übte.

Puppenspiel studiert

Puppen und Stück sind mehr als zehn Jahre alt, „eins meiner ersten, aber die Geschichten sind immer aktuell“, erklärte Birgit Neemann , die mit einem Puppenspiel-Studium seit 2002 Seiteneinsteigerin in die Profession ist. „Die Puppen sind aus Lindenholz, das lässt sich gut schnitzen. Ich habe aber ganz verschiedene Figuren gemacht, manche auch mit Stoff, Schaumstoff oder Holzmasse.“

„Lotta aus der Krachmacherstraße“ sei „so ein Puppenstuben-Stück“. Wichtig sei bei den Figuren, „dass sie gut laufen können, dass sie sehr flexibel sind und man denken könnte, dass sie leben.“ Ganz schnell trete sie so als sichtbare Spielerin hinter ihren Figuren zurück.

„Ohne pädagogischen Zeigefinger“

Das Stück „knüpft an das Kinderleben an. Ich spiele die Szenen ohne pädagogischen Zeigefinger, möglichst lebendig, so wie sie die Kinder aus dem eigenen Leben kennen. Mit all den Schwierigkeiten, zum Beispiel auch die jüngste Tochter zu sein. Sie können sich damit identifizieren.“

Die kleinen Georgsmarienhütter Zuschauer seien besonders ruhig und gebannt gewesen, „das hat mir gezeigt, dass sie ganz dabei sind“. Lindgren habe „wunderbare, liebevolle Geschichten“ geschrieben, weder streng noch zu klamaukig, und trotzdem voller „Alltagsslapstick“. Den hat Birgit Neemann genial auf die Bühne gebracht.